26.03.2021 - 15:16 Uhr
AmbergOberpfalz

Stadträte wollen mutig die Herzen der Radfahrer erobern

Es ist schon ein deutliches Signal, ausgerechnet den Altstadtring zum Testfeld für Radfahrer zu machen. Aber zwei Ausschüsse wollen das so. Sie möchten einfach mutig ausprobieren, ob man wirklich alles immer vom Auto her denken muss.

Derzeit ist das Radeln auf dem Altstadtring zwischen Nabburger Tor und Ziegeltor nur unter sehr gefährlichen Voraussetzungen möglich. Nun soll hier die rechte Fahrspur in einem Test abgetrennt und zur „Protected Bike Lane“ werden.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Der rechte Fahrstreifen des Altstadtrings zwischen Kreisverkehr und Ziegeltorplatz soll - zunächst auf ein halbes Jahr befristet - zur Fahrradspur werden. So zumindest will es das zuständige Baureferat, das damit eine der zentralen Forderungen aus dem Radverkehrskonzept aufgreift. Im Zuge diese Maßnahme wird der Mariahilfbergweg durch die Bahnunterführung hindurch und bis zum kleinen Kreisel ebenfalls Fahrradstraße. Die dürfen allerdings auch Rettungsfahrzeuge, Busse sowie der Autoverkehr – der nur in Richtung Krankenhaus – nutzen.

Der Verkehrsausschuss fand vor einigen Tagen die Idee zwar nicht uneingeschränkt super, doch zeigte er durchaus Innovationsfreude. Allerdings sollte vorher schon noch der Bauausschuss gehört werden, so der Vorschlag. Am besten in einer gemeinsamen Sitzung und mit Ortstermin. Der so angesprochene Ausschuss fand das jetzt eine gute Lösung, teilte auch zum Teil die Bedenken der Kollegen hinsichtlich der Gefahren für die Radler, die von querenden Fahrzeugen, Einfahrten, oder Rettungswagen für sie ausgeht. Doch noch mehr als der Verkehrsausschuss plädierte der Bauausschuss dafür, es doch einfach mal zu probieren.

Umfassendes Konzept nötig

"Wir haben viele mutige Themen in der Stadt, beim Fahrrad sind wir das aber nicht", hatte zuvor Baureferent Markus Kühne um Zustimmung für die Entwürfe der beiden Radplaner Bettina Teleky und Roman Kick geworben. Fleckerlarbeit, so Kühne, sei im Hinblick auf den Radverkehr wenig zielführend, es müsse in größeren Dimensionen gedacht werden. "Fahrradwege machen nur Sinn, wenn sie durchgängig sind", sagte er. Der ganz offen war zu "seinen" Stadträten. Denn bei der Abgrenzung der einen Fahrspur wird es nach einem erfolgreichen Test nicht bleiben. Der Autoverkehr muss in das große, meist leer stehende Parkhaus an der Marienstraße, das Verkehrskonzept für das gesamte Krankenhausviertel auf den Kopf und wieder auf die Füße gestellt werden. Sonst klappt das nicht mit mehr Fahrrad- und weniger Autoverkehr, machte Kühne deutlich.

Doch der Bahndamm, der die Stadt durchschneidet, lasse den Planern letztendlich keine andere Wahl. "Wir müssen eine Beziehung aufbauen zwischen den Stadtvierteln", forderte Kühne. Noch sei hier der MIV, der motorisierte Individualverkehr, bevorzugt. Auf ihn sei alles zugeschnitten. "Wir wissen, dass wir da was ändern müssen", gab ihm auch Helmut Weigl (CSU) recht. Aber ein Hauen und Stechen zwischen den Verkehrsteilnehmern zu produzieren, dürfe nicht Sinn und Zweck des Versuchs sein. "Wenn wir das machen, dann muss das bei uns flutschen."

Raus aus Komfortzone

Richtig, wir alle müssen raus aus unserer verkehrstechnischen Komfortzone, stimmte ihm Parteikollegin Michaela Frauendorfer zu. Trotzdem müsse man natürlich sehr genau darauf achten, dass die Erschließung der Marienstraße funktioniere. Erfolg haben müsse nicht nur das, der gesamte Versuch sei zum Gelingen verdammt, merkte Oberbürgermeister Michael Cerny an. "Der Test muss so erfolgreich sein, dass es klappt", forderte er eine umfassende und vor allem lückenlose Vorbereitung ein. "Denn einen zweiten Test zu machen, das wird schwierig", warnte er vor einem Scheitern. Packen wir es doch jetzt einfach mal an, so das Stimmungsbild im Ausschuss.

Hier geht es zur Abstimmung

Das soll dann in einer gemeinsamen Videoschaltung mit den Kollegen vom Verkehrsausschuss noch vertieft werden, reale Ortstermine inklusive. Doch tatsächlich zeigten die Mitglieder des Bauausschusses übereinstimmend den Willen, diesen Versuch einfach mal zu wagen. Auch wenn es sicher nicht einfach für die Auto- und Busfahrer sein wird, über diese "Protected Bike Lane" hinweg nach rechts abzubiegen und dabei gleichzeitig die Fuß- und Radfahrer im Auge zu behalten, wie Dieter Amann (SPD) einwandte - ohne hier als Spielverderber auftreten zu wollen. Wichtig war es den Stadträten, dass der Test unter Realbedingungen stattfindet. Während der Sommermonate - und möglichst ohne die verkehrsreduzierenden Auswirkungen der Corona-Pandemie. "Sonst verschieben wir das halt auf das nächste Jahr", schlug Rudolf Maier (CSU) als Alternative vor.

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