14.09.2021 - 17:10 Uhr
AmbergOberpfalz

Landesdenkmalrat auf Visite in Amberg: Ortstermin auf dem Bürgerspitalareal

Die Bürger werden am 26. September entscheiden, wie die Zukunft des Amberger Bürgerspitalareals aussehen wird. Doch auch der Bayerische Landesdenkmalrat interessiert sich für das Gelände. Er besucht Amberg und informiert sich sehr genau.

Derzeit lagern nur Baumaterialien für die benachbarten Drei Höfe auf dem Bürgerspitalareal. Der Bayerische Landesdenkmalrat schaute sich das Gelände aber an, weil hier das Ten-Brinke-Projekt verwirklicht werden soll.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Es war schon ein kleiner Paukenschlag gewesen, dass das Landesamt für Denkmalpflege im Frühjahr in seiner von der Stadt Amberg geforderten Stellungnahme die auf dem ehemaligen Bürgerspitalgelände geplante Bebauung rundherum ablehnte. Alfons Swaczyna, dem Ur-Amberger und ehemaligen Leiter des Regensburger Tiefbauamts sowie heftigen Kritiker der Ten-Brinke-Pläne, war das aber nicht genug. Er schrieb den Bayerischen Landesdenkmalrat an, das höchste beratende Gremium in Sachen Denkmalschutz im Freistaat und bat ihn, sich der Angelegenheit anzunehmen. Dessen für Amberg zuständiger Regionalausschuss Mittelfranken/Niederbayern/Oberpfalz machte sich jetzt vor Ort ein Bild.

Ortstermin in Amberg

Wie Alfons Swaczyna selbst schriftlich mitteilt, hatte der Landesdenkmalrat seine Zuständigkeit im Juli bejaht und wegen der strikten Ablehnung des Ten-Brinke-Projekts auf dem Bürgerspitalareal durch das vorgeschaltete Landesamt für Denkmalpflege eine Behandlung der Angelegenheit noch vor dem Bürgerbegehren gefordert. Aus diesem Grund weilte der zuständige Ausschuss unter dem Vorsitz von Albrecht Graf von und zu Egloffstein am Montag in Amberg, um sich umfassend informieren zu lassen. Wie von Egloffstein auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bestätigte, wird es am kommenden Freitag – also noch vor der Wahl – eine abschließende Resolution dazu geben.

Mit von der Partie war übrigens auch der derzeitige Vorsitzende des Bayerischen Landesdenkmalrats, der ehemalige Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU), dem die Stadt Amberg die Ansiedlung der Fachhochschule zu verdanken hat. Wie Albrecht von Egloffstein auf Nachfrage weiter ausführte, waren darüber hinaus das Landesamt für Denkmalpflege ebenso eingebunden wie Oberbürgermeister Michael Cerny, Baureferent Markus Kühne und andere Vertreter der Stadt Amberg. Aber auch Alfons Swaczyna selbst als "Petent" und der Vorsitzende der IG Menschengerechte Stadt, Achim Hüttner, waren geladen.

Sachlich informiert

Wie Teilnehmer der rund drei Stunden dauernden Veranstaltung übereinstimmend ausführen, fand diese zum Großteil im Rathaus statt, wo die Parteien dem Landesdenkmalrat gegenüber ihre Argumente ausgetauscht haben. Alle Teilnehmer seien sehr gut vorbereitet und interessiert gewesen. Anschließend ging es dann zum Vor-Ort-Termin auf das Bürgerspitalareal, um sich einen Eindruck vom historischen Ensemble rund um das Gelände machen zu können.

"Wir wurden sachlich informiert, die Meinungen wurden ausgetauscht", bestätigt auch Albrecht von Egloffstein den Ablauf. Mehr wollte sich der Ausschuss-Vorsitzende mit Hinweis auf die erst bevorstehende Sitzung seines Gremiums am Freitag, 24. September, nicht entlocken lassen. Egloffstein, der übrigens nicht zum erstem Mal in Amberg war, schwärmte aber regelrecht von der Schönheit der Stadt. "Das ist ein richtiges Juwel", sagte er und fügte hinzu: "Das ist eines der städtebaulichen Highlights in Bayern." Unter den vergleichbaren Ensembles im Freistaat nehme die Amberger Altstadt mit Sicherheit einen der vorderen Ränge ein.

Seele der Altstadt

Oberpfalz-Medien werden noch am Freitag, 24. September, online (onetz.de) und am Samstag, 25. September, in der Amberger Zeitung die Einschätzung des Landesdenkmalrats bekannt geben.

In einer früheren Version des Artikels stand die Angabe, der ehemalige Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) habe bei der Besichtigung des Bürgerspitalgeländes als Mitglied des Landesdenkmalrats geäußert, dieses Areal sei "die Seele der Amberger Altstadt". Auf Nachfrage der Redaktion stellte Goppel richtig, er habe gesagt: „Während der Denkmalschutz – das Amt – das Herz des Denkmalschutzes ist, ist der Denkmalrat die Seele.“

Thomas Goppel erläutert sein Zitat auf dem Bürgerspitalgelände in Amberg

Amberg

Das Landesamt für Denkmalpflege lehnt das Ten-Brinke-Projekt ab

Amberg

"Das ist ein richtiges Juwel."

Albert Graf von und zu Egloffstein über die Amberger Altstadt

Kommentar:

Denkmalschützer ernst nehmen

Der Bayerische Landesdenkmalrat ist das höchste Beratergremium im Freistaat in Sachen Denkmalschutz. Was diese klugen und unabhängigen Köpfe aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sagen, hat Gewicht in Bayern. Es ist also kein x-beliebiges Larifari-Gremium, das da am Montag zu Besuch in Amberg war. Die Mitglieder des Rats um Ex-Minister Thomas Goppel schauen sich genau an, über was sie reden und beurteilen, sie wägen ab, sie lassen sich informieren und informieren sich selbst. Sie berücksichtigen sowohl die wirtschaftlichen Notwendigkeiten, lassen aber den Schutz historischer Gebäude oder Ensembles wie der Amberger Altstadt nicht außer Acht. Deshalb sollte man auch genau hinschauen, wenn der Denkmalrat am kommenden Freitag seine Entscheidung in Sachen Bürgerspitalareal bekannt gibt.

Von Andreas Ascherl

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.