01.06.2020 - 16:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Lieber drei Tage Biergarten als gar keine Pfingstdult in Amberg

Die Umsatzeinbußen durch Corona sind groß. Festwirt Reinhard Geschrey freut sich trotzdem: Seine Idee von der Amberger Pfingstdult "light" hat funktioniert.

von Heike Unger Kontakt Profil

Reinhard Gschrey ist der neue Festwirt der Amberger Dult: Im vergangenen Jahr haben er und seine Frau Anita die Bewirtung bei den beiden großen Amberger Volksfesten, den Dulten an Pfingsten und im September, übernommen. Ein gelungener Einstieg der Eheleute aus Seubersdorf (Landkreis Neumarkt). Doch dann kam Corona – und die Pfingstdult 2020 wurde abgesagt. Weil inzwischen aber die Biergärten wieder öffnen dürfen, kam Gschrey auf die Idee, einfach eine "Dult light" auf die Beine zu stellen.

"Not macht erfinderisch"

Das hätte wettermäßig natürlich auch schief gehen können, räumt der Festwirt ein, während er am Pfingstmontag auf "seiner" Dult gerade eine Batterie Gockerl vom Drehspieß nimmt. Gschrey Augen über der karierten Maske strahlen: Es hat geklappt, das Wetter hat gepasst, und sein Wagnis mit der kleinen Dult mit Biergarten und Festzelt-Verpflegung "to go" hat funktioniert. "Not macht erfinderisch", sagt der Wirt, der hier in der Festzeltküche auf dem Dultplatz in Amberg ganz in seinem Element ist. Und jammern helfe ja auch nichts, fügt er hinzu, mit 30 Jahren Erfahrung im Kreuz: "Wir werden's überleben."

Die Enttäuschung über die Dult-Absage, gerade ein Jahr nachdem er hier neu eingestiegen war, war zunächst "riesengroß". Und weil auch alle anderen Veranstaltungen, auf denen er sonst als Partyservice, Festwirt und/oder Zeltverleiher im Einsatz wäre, wegen Corona gestrichen wurden, sah er sich mit großen Umsatzverlusten konfrontiert. "Ein Wahnsinn", so fasst er das zusammen – und bezieht auch gleich sein Team mit ein: Gschrey hat zehn feste Mitarbeiter, die er wegen der Pandemie alle in Kurzarbeit schicken musste.

Wenigstens drei Fest-Tage

Klein beigeben wollte er trotzdem nicht. "Wir haben Essen to go bei uns am Hof ausprobiert", erzählt er. Weil das "gut angenommen wurde", hat sich Gschrey überlegt, ob man das nicht auch auf andere Bereich übertragen könnte, und sich ein Konzept für eine "Dult light" ausgedacht. Mit Inkrafttreten der neue Vorschriften für die Biergärten, die ihren Betrieb unter Corona-Schutzmaßnahmen wieder aufnehmen durften, kam auch der Festwirt zum Zug. "Das Ordnungsamt war mit meinem Konzept zufrieden", freut er sich – und hat im hinteren Teil des Dultplatzes ein großes Küchenzelt und einen Dult-Biergarten aufgebaut. Wenigstens für drei Dulttage: Von Pfingstsamstag bis -montag, mit Enten, Haxen, Gockerln, gegrilltem Fisch, Bratwürsteln, Limo und Bier. Die Firma Schmaußer sah das ähnlich und hat sich mit ihrem Süßwaren- und Spielzeug-Sortiment gleich dazu gesellt – so war es wirklich eine Mini-Dult, wenn auch ohne Fahrgeschäfte und Losbude.

Auch wenn das Wetter am Samstag und Sonntag ein bisschen durchwachsen daher kam: Die Idee kam gut an, bilanziert Reinhard Gschrey: "Die Leute waren sehr zufrieden." Und der Wirt ist es auch, vor allem, weil ihn der Montag mit strahlendem Biergarten-Sonnenschein für seinen Wagemut belohnte. Tatsächlich waren aber sogar am etwas bewölkten Samstag oft alle Sitzgarnituren belegt. Gschrey hat das schon ein bisschen überrascht, aber er interpretiert das so: "Die Leute wollen raus. Sie waren lang genug eingesperrt."

Hygiene-Auflagen sind kein Problem

Die Hygiene-Auflagen seien kein großes Problem, meint der Festwirt. Die Gäste werden durch Schilder darauf aufmerksam gemacht, dass sie Masken tragen müssen, wenn sie nicht am Tisch sitzen, und dass sie die Desinfektionsmittel-Spender nutzen sollen. Die Küchen-Mannschaft und Bedienungen tragen ebenfalls Masken, die Sitzgarnituren stehen weit genug auseinander, werden nach jedem Besuch desinfiziert, die Laufwege im Biergarten sind so markiert, dass die Abstandsregeln gewahrt bleiben. Da brauche man halt mal "ein bis zwei Kräfte mehr". Das Arbeiten mit Maske sei schon anstregend, vor allem am Grill. Aber: "Alles halb so wild", winkt Gschrey ganz entspannt ab – glücklich, dass er wieder Wirt sein darf.

Seine Erfahrung aus drei Amberger Tagen "Dult light" lautet deshalb auch "alles positiv". Er zeigt auf die vielen Fahrräder, die um seinen Dult-Biergarten abgestellt sind, und die Autokennzeichen daneben: Amberg-Sulzbach, Neumarkt, Neustadt/Waldnaab – seine Idee hat sich offenbar auch außerhalb Ambergs herumgesprochen. Und weil es so gut gelaufen ist, kann er nun auch auf mehr hoffen: Andernorts wollten die Volksfest-Genehmigungsbehörden "erst einmal abwarten, wie es in Amberg läuft". Das Volksfest in Ansbach könnte jetzt mit einer ähnliche Mini-Variante unter Corona-Auflagen folgen, berichtet Gschrey, der auch dort als Festwirt dabei wäre.

Gerne wieder auf der Herbstdult

In Amberg will er auch unbedingt am Ball bleiben, meint er mit Blick auf die Herbstdult. Die könnte dann vielleicht ähnlich laufen wie jetzt die "Pfingstdult light". Wenn es die Pandemie-Entwicklung erlaube, könnte sich Gschrey aber neben dem Biergarten auch ein Festzelt vorstellen – als eine Überdachung, wenn das Wetter nicht mitspielt, und groß genug, um die Sicherheitsabstände zwischen den Gästen einhalten zu können. Durch den eignen Verleih habe er ja alles, was er dazu brauche. Aber, so schränkte er ein: "Das muss man jetzt einfach abwarten." Ein Kritikpunkt fällt ihm dann doch noch ein: Der Corona-Lockdown hätte vielleicht nicht gleich für eine so lange Zeit verhängt werden müssen, meint Gschrey – die Politik hätte kürzere Zeiträume vorgeben und dann jeweils schon früher prüfen können, ob Lockerungen möglich sind.

Doch Reinhard Gschrey hält sich mit diesen Gedanken nicht lang auf, er freut sich über drei gelungene Biergarten-Tage auf dem Dultplatz. Jammern sei nicht sein Ding, meint er dann noch, bevor er die nächsten Gockerln auf die Teller legt. "Und wenn man nichts macht, weiß man auch nicht, ob's funktioniert."

Wegen Corona: Die etwas andere Pfingstdult

Amberg

Reinhard Gschrey ist der neue Dultwirt

Amberg

Auch eine Idee: Drive-in-Dult in Landshut

Landshut
Im Blickpunkt:

Zufriedene Gäste

Helena, Angelina und Ivan sind am Pfingstmontag zufällig im Dult-Biergarten gelandet. Die Ambergerin Helena, ihre inzwischen in der Nähe von Bochum lebende Schwester und deren Mann, die gerade in der alten Heimat zu Besuch sind, wollten eigentlich nur einen Spaziergang zum Landesgartenschaugelände machen. Dabei kamen sie am Dult-Biergarten vorbei – und nutzten die Gelegenheit gleich für ein Mittagessen in der Sonne: Fisch, Bier, Brezen und Bratwürstl, da konnten sie sich das Kochen daheim sparen.

"Wir haben ein bisschen gelacht – soll das jetzt die Dult sein?", verrät Helena ihre erste Reaktion, doch dann haben sich die drei Dult-Fans gefreut. Sie lieben das Amberger Volksfest. Und sind auch mit der Mini-Version zufrieden. "Ein bisschen komisch ist es schon, aber immerhin etwas." Und das Wetter spiele ja auch mit. Eine Dult wie immer wäre natürlich schöner, meint Angelina, aber so sei es auch gut. "Die Leute haben schon Sehnsucht nach so etwas." Die beiden Wahl-Ruhrpottler auch: "Sowas gibt es in Bochum nicht."

Martin Schafbauer, sonst gerade Koordinator im Corona-Team der Stadt, ist heute privat unterwegs. Die "Dult light" ist für ihn und seine Familie zwar nicht der erste Biergarten-Besuch, seit es die Corona-Vorgaben wieder erlauben. Aber doch etwas Besonderes. Und auch kein Zufall: Die Familie hat sich hier verabredet, allerdings vorsichtshalber mit kleiner Brotzeit im Rucksack, weil sie nicht sicher war, was sie erwarten und ob sie einen Platz bekommen würde. "Dann hätten wir ein Picknick im Gartenschaugelände gemacht." Stattdessen wurde es doch ein Biergarten-Besuch. Eine "ganz kreative Idee", wie die Runde meint – und dabei auch noch "der günstigste Dult-Besuch ever".

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.