Amberg
Update 30.01.2019 - 17:00 Uhr

Oder doch lieber New York?

Erst war es Chicago, dann New York. Über Utrecht und Kopenhagen ging es letztendlich aber doch wieder zurück nach Amberg. Denn hier liegt die Wurzel der Diskussion am Montagabend im Stadtrat: das Pflegerkreuz.

Das ehemalige Autohaus Zinkl an der B 85 ist kein besonders attraktiver Blickfang am Stadteingang. Das wird sich wohl auch in absehbarer Zeit nicht groß ändern. Bild: Stephan Huber
Das ehemalige Autohaus Zinkl an der B 85 ist kein besonders attraktiver Blickfang am Stadteingang. Das wird sich wohl auch in absehbarer Zeit nicht groß ändern.

Nach einer ausführlichen Vorbesprechung im Bauausschuss sollte nun auch das gesamte Gremium auf den aktuellen Stand in Sachen Pflegerkreuzung gebracht werden. Das Staatliche Straßenbauamt Amberg-Sulzbach braucht mittelfristig eine Vorauswahl an Varianten für die beiden Kreuzungen am Zinkl-Areal, um diese abschließend berechnen zu können. Der Bauausschuss hatte bereits deutliche Signale ausgesandt, dass ihm das von OB Michael Cerny so getaufte Modell Chicago für die Pflegerkreuzung zusagt. Dabei wird die B 85 mit einer Brücke über den restlichen Verkehr gehoben, der dann mittels Kreisverkehr bewältigt werden kann.

Einig war sich er Stadtrat darin, dass die Lösung eine nachhaltige, zukunftsfähig und die bestmögliche sein muss. Muss es denn unbedingt Chicago sein? Das fragte sich Klaus Ebenburger (Grüne) angesichts eines geradezu monströsen Brückenbauwerks, das dazu errichtet werden muss. "Hat man sich schon mal eine Untertunnelung à la New York überlegt?", reiste Ebenburger verkehrstechnisch die amerikanische Ostküste ab. Überlegt ja, so Baureferent Markus Kühne, doch müsse man dafür mindestens 6,50 Meter in die Tiefe. "Das wird wahrscheinlich technisch scheitern."

Eberhard Meier (Freie Wähler) hingegen sprang über den Großen Teich in die alte Welt zurück und forderte die Planer auf, sich einmal mit Verkehrskonzepten zu beschäftigen, wie sie im holländischen Amsterdam oder Utrecht sowie im dänischen Kopenhagen gelten.

Gerade dort seien mittlerweile rund 62 Prozent der Bürger mit dem Fahrrad unterwegs. Das Auto nutzen seiner Aussage nach dort gerade noch neun Prozent. "Chicago ist für mich der Versuch, eine autogerechte Stadt zu realisieren - der aber immer gescheitert ist."

Sich jetzt schon zu entscheiden, ob es nun Chicago oder New York doch "nur" Amberg heißt, das sei ohnehin zu früh, bremste Dieter Mußemann (CSU) die Euphorie. Es gehe lediglich um eine Vorauswahl, die man dem Staatlichen Straßenbauamt an die Hand geben müsse.

Dieter Amann zürnt wegen des Zinkl-Areals:

Beinahe wäre der eigentliche Anlass für die verkehrstechnische Untersuchung der Pflegerkreuzung auf der Strecke geblieben: das Zinkl-Areal. Doch Dieter Amann (SPD) zürnte genau deswegen gewaltig. Amann warf Baureferent Markus Kühne vor, er habe noch nicht einmal mit dem Investor gesprochen, der auf dem Gelände zwischen 35 und 40 Millionen Euro verbauen will. „Sein Bauantrag ist mit dem Amtsboten an den Architekten zurückgeschickt worden“, so Amann. „Fehlt es an vorausschauender Planung, fehlt es an Anstand?“, so fragte er mit der Vermutung, hier seien Bestrebungen in Gange, dieses Projekt zu verhindern. Alles falsch, so der gescholtene Baureferent. Er habe natürlich mit dem Vertreter des Investors gesprochen. „Ich kann Ihnen Namen, Datum und Uhrzeit nennen“, entgegnete er. Und natürlich sei der Bauantrag zurückgeschickt worden, weil er mangels gültigem Bebauungsplan gar nicht genehmigungsfähig sei. Und das aus einem einfachen Grund: „Wenn es um die Erschließung des Geländes geht, muss natürlich auch der Verkehr einbezogen werden.“ Und das geschehe gerade durch die Überlegungen in Sachen Pflegerkreuzung und Kreuzung an der Fuggerstraße. Souverän sei schließlich der Stadtrat und nicht er als Baureferent. „Wir haben nur umgesetzt, was Sie wollten.“ Hätte er eine Baugenehmigung an den Investor ausgereicht, so Kühne weiter, „dann würden Sie sagen, wir würden Sie unterlaufen.“ Das Projekt durchzuwinken, nur weil es um eine sehr hohe Investitionssumme gehe, das sei aber falsch. „Und wenn anschließend der Verkehr zusammenbricht, dann war es aber mit Ansage“, fügte Kühne hinzu. „Wir haben doch einstimmig beschlossen, den Bauantrag zurückzustellen“, warf auch Dieter Mußemann (CSU) seinem SPD-Kollegen vor. Um sich zugleich vehement gegen neue Sondernutzungsflächen auszusprechen, die durch den Umzug und die Erweiterung der Norma-Niederlassung hier entstehen sollten. „Innenstadt vor Außenstadt“, laute doch das Credo des Stadtrats. Vielleicht sollte man daher an die Überplanung des Geländes gehen und erste Gebäude errichten, die kaum Verkehr erzeugen, so sein Vorschlag. „Es wäre doch schade, wenn das Gelände noch fünf oder zehn Jahre brachliegen muss“, sagte er mit Blick auf die lange Vorlaufzeit, die eine Ertüchtigung der Pflegerkreuzung wahrscheinlich braucht.

Kommentar:

Investor braucht klares Signal

Eines gleich vorweg: Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, es ist ja nur eine Absichtserklärung. Trotzdem darf man sich wundern. Darüber nämlich, dass der Stadtrat ernsthaft überlegt, das Problem Pfleger-Kreuzung mit einem gigantischen Brückenbauwerk anzugehen.
15 Millionen Euro für die Pfleger-Kreuzung plus noch einmal rund fünf Millionen für die angrenzende Kreuzung an der Fuggerstraße sind dabei wohl noch an der unteren Grenze anzusiedeln. Dafür bekommt Amberg dann eine Monsterbrücke über die 20 000 und mehr Fahrzeuge pro Tag rauschen.
Die „Freude“ darüber bei den Anwohnern kann man sich jetzt schon lebhaft vorstellen. Sie werden das nicht einfach so hinnehmen wollen. Oder ist es doch so, wie Stadtrat Dieter Amann vermutet, ohne es unumwunden zu sagen: Dass hier etwas verhindert werden soll? Dass man einen Investor vergraulen will, der vorhat, das Areal aufzuwerten? Aber warum?
Insider reden von einer Verschleppungstaktik, um nicht noch mehr Dienstleistung an den Stadtrand zu bringen und um für die Bebauung auf dem Bürgerspitalgelände und das ehemalige Forum keine zusätzliche Konkurrenz zu schaffen. Das mag Unfug sein, wichtig wäre es dennoch, dem Investor jetzt ein klares Signal zu geben.

Andreas Ascherl

Amberg17.01.2019
 
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