Im 18. Jahrhundert diente das Lindenbrünnerl an der gleichnamigen Allee am Aufstieg zum Mariahilfberg als Wasserversorgung für die adeligen Herrschaften im kurfürstlichen Schloss und dem Regierungsviertel. Heute versorgen die Stadtwerke ganz Amberg mit reinem Trinkwasser, das Lindenbrünnerl ist Ausgangspunkt des Wasserwanderwegs auf dem Mariahilfberg. Stattdessen erholen sich in der kleinen Anlage am Brünnerl die Anwohner, spielen Kinder und gehen Geocacher ihrem Hobby nach.
Radikaler Rückschnitt ärgert Anwohner
Doch seit einiger Zeit herrscht ein bisschen Ratlosigkeit am Brünnerl. Das liegt am radikalen Schnitt, den die Büsche der Anlage im Auftrag des städtischen Teams Grün bekommen haben. Zum Teil wurden die Gehölze bis zum Boden abgeschnitten, kahl und ungeschützt bietet das Lindenbrünnerl derzeit einen nur sehr beschränkten Erholungswert, wie erboste Anwohner gegenüber Oberpfalz-Medien zum Ausdruck bringen. Das Gebüsch sei abgeholzt worden, weil es nicht mehr "modern" gewesen sei, habe man im Baureferat die Maßnahme begründet.
"Aufgrund zahlreicher Anwohnerbeschwerden über eine zunehmende Überwucherung und Verwahrlosung der Grünflächen wurde beschlossen, den Bereich in diesem Frühjahr neu herzurichten."
Das will man beim Team Grün so nicht stehen lassen. "Aufgrund zahlreicher Anwohnerbeschwerden über eine zunehmende Überwucherung und Verwahrlosung der Grünflächen wurde beschlossen, den Bereich in diesem Frühjahr neu herzurichten", begründet man beim Baureferat die Maßnahme. Die selbstverständlich in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde geschehen sei. Weil am 1. März die Brutzeit der Vögel beginnt und damit zum Teil enorme Einschränkungen bei der Grünanlagen-Pflege verbunden sind, musste der Radikal-Schnitt noch vorher erfolgen. Mit den entsprechenden Folgen für das Aussehen.
Mehr Ökologie geplant
"Die Grünfläche am Lindenbrünnerl trägt als wertvoller Bestandteil im Kampf gegen den Klimawandel sowohl positiv zum Stadt- als auch zum Mikroklima bei", heißt es vonseiten des Teams Grün. Es sei daher das Ziel der Instandsetzung am Lindenbrünnerl, hier wieder eine repräsentative Grünfläche mit großem Aufenthaltswert zu bekommen – die darüber hinaus einen hohen ökologischen Charakter aufweise. Die geplante insektenfreundliche Staudenneupflanzung soll noch im Frühjahr erfolgen. Außerdem werde zusammen mit dem Umweltausschuss ein „Baum des Jahres“ gepflanzt.
Von wegen Naturfrevel, es sei genau das Gegenteil geplant. "Ein weiteres Ziel dieser Maßnahme ist es, zu einer Sensibilisierung der Bevölkerung beizutragen und die Wertschätzung des Naturdenkmals Lindenallee und seiner gefährdeten Arten zu steigern", heißt es in der Stellungnahme. Darüber hinaus sei vorgesehen, im südlichen Teil eine Asphaltfläche zu entsiegeln und hier eine weitere Grünfläche zu schaffen. Das Fazit: Statt der sinnlosen Zerstörung einer wertvollen Naturfläche, geschieht hier nach Auskunft der städtischen Grünexperten im Gegenteil eine ökologische und optische Aufwertung der Anlage am Lindenbrünnerl. Es braucht halt ein bisserl Zeit, bis es so weit ist.
Lindenbrünnerl ist nur eines von zwei mit gleichem Namen
- Das sogenannte Lindenbrünnerl am Fuß der Lindenallee ist die schwächere von zwei Quellen mit gleichem Namen. Die stärkere von beiden ist heute verschüttet.
- Ab 1501 wurde Wasser vom Lindenbrünnerl aus ins Kurfürstliche Schloss (Landratsamt) und Teile der Altstadt geleitet. Ambergs erste Wasserleitung.
- Zunächst waren die Leitungen aus Kiefernholz gefertigt, 1576 wurden sie durch Rohre aus Blei ersetzt, die ohne größere Schäden mehr als 300 Jahre hielten.
- 1760 wurde die heute noch vorhandene Lindenallee hinauf zum Mariahilfberg angelegt.
- In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand entlang der Jahnstraße die Bebauung in ihrer heutigen Form.






















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.