07.10.2020 - 11:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Macht der Eichenprozessionsspinner Corona-Pause?

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Der Eichenprozessionsspinner sorgte in den vergangenen Jahren regelmäßig für Schlagzeilen. Heuer hört man nichts von der Raupe mit den für Menschen gefährlichen Haaren. Ist sie im Corona-Jahr 2020 plötzlich kein Problem mehr?

Hier sieht man, woher der Eichenprozessionsspinner seinen Namen hat: Die Raupen mit den gefährlichen Haaren krabbeln wie in einer Prozession am Stamm eines Baumes nach oben - bevorzugt an Eichen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Corona spiele beim Thema Eichenprozessionsspinner keine Rolle, sagt Thomas Penzkofer vom Stadtplanungsamt Amberg im Gespräch mit der Redaktion. Als zertifizierter Baumkontrolleur ist er in seiner Behörde der Fachmann für den Eichenprozessionsspinner. Dass Letzterer in diesem Jahr kein allzu großes Problem in Amberg ist, bestätigt der Experte: Die Raupen, deren Haare beim Menschen gefährliche allergische Reaktion auslösen können, seien heuer tatsächlich sehr viel weniger verbreitet als in den zurückliegenden Jahren.

Nach Penzkofers Einschätzung liegt das am Wetter: Im späten Frühjahr, etwa um die Eisheiligen herum, habe es heuer noch einmal einen Kälteeinbruch mit Nachtfrost gegeben, der offenbar den zu diesem Zeitpunkt bereits geschlüpften Raupen-Nachwuchs stark dezimiert habe. In diesem Stadium seien die Tierchen sehr temperaturempfindlich, erklärt Penzkofer – dann seien schon ein, zwei Minusgrade tödlich für sie. Das funktioniere allerdings nur genau in diesem Stadium, also wenn der Nachwuchs geschlüpft ist. Harte Winter mit kräftigen Minusgraden dagegen seien kein Problem: Die Eier, die der "Spinner" zu diesem Zeitpunkt gelegt hat, würden problemlos bis zu 30 Grad unter Null aushalten.

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"60 bis 70 Prozent weniger"

Die Kälte im Frühjahr habe dafür gesorgt, dass in den Folgemonaten weniger Eichenprozessionsspinner unterwegs waren, meint Penzkofer und bilanziert: "Wir hatten deutlich weniger Probleme als in früheren Jahren." Er konkretisiert das mit "60 bis 70 Prozent weniger". So habe es sogar an manchen Stellen in Amberg, an denen sich der "Spinner" 2019 noch munter tummelte, "gar keinen Befall gegeben".

Der Spielplatz an der Friedlandstraße sei so ein Beispiel, sagt Penzkofer: Die Anlage ist schon seit längerem gesperrt – wegen des Eichenprozessionsspinners. Doch der hat sich heuer dort nicht blicken lassen, zumindest nicht auf dem Spielplatz. In dem angrenzenden Waldstück dagegen schon. Deshalb sei man in Kontakt mit dem Forstamt, inwieweit man dort etwas gegen die Raupen unternehmen könnte, denn dann könnte das Spielgelände wieder aufgemacht werden. Das müsste dazu allerdings nach der langen Sperrung wieder hergerichtet werden, da sich die Natur das Gelände inzwischen schon ein bisschen zurückerobert habe.

Auch im Landkreis Entspannung

Ähnlich entspannt wie im Amberger Stadtgebiet scheint es in Sachen Eichenprozessionsspinner auch im Landkreis zu sein. Dessen Pressesprecherin Christine Hollederer muss bei Detailauskünften passen, denn der "Spinner" ist, abgesehen von Liegenschaften und Infrastruktur, für die das Landratsamt zuständig ist, Sache der jeweiligen Gemeinde oder der betroffenen Privatleute. Von der Gartenfachberatung des Landkreises weiß Hollederer aber, dass es dort deutlich weniger Nachfragen zum Eichenprozessionsspinner gab als üblich. Die Tiefbau-Experten des Landkreises hatten auch nur mit "einzelnen Nestern" zu tun.

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