23.03.2020 - 10:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Mariahilfbergfest: Kein Wingershofer-Zelt mehr

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Ob es heuer überhaupt ein Mariahilfbergfest gibt? Plötzlich scheint angesichts der Coronakrise nichts mehr ausgeschlossen. Sollte die Wallfahrtswoche Anfang Juli stattfinden, wird sich das Angebot ändern.

Der Berg hat seine eigenen Gesetze, das wissen die Brauer und Wirte des Mariahilfbergfestes nur zu genau.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Das Wingershof-Zelt ist heuer nicht mehr auf dem Bergfest vertreten. Das bestätigte Franz Mertel von der zuständigen Kirchenverwaltung auf dem Mariahilfberg. Damit verschwindet der Name einer Amberger Traditionsbrauerei aus der Bierzelt-Staffel der beliebten Festwoche Anfang Juli.

Hintergrund ist laut Mertel die Regelung, dass grundsätzlich nur Bier auf dem Berg verkauft werden soll, das auch in Amberg gebraut worden ist. Das ist beim Wingershofer Bier längst nicht mehr der Fall. Den Gerstensaft mit dem Amberger Label stellt die Brauerei Naabeck im Kreis Schwandorf her.

Alle anderen Biere sieden noch in Sudhäusern innerhalb der Stadt Amberg. Auch jene, die es nur noch als Marken gibt. Brauhaus-Bier wird beim Kummert gebraut, Schießl beim Winkler, Falk beim Bruckmüller. Schloderer und Sterk produzieren selbst. Eine einzige Ausnahme gibt es: Der Brauerei Bischofshof kommt die Kirchenverwaltung aus nachvollziehbaren Gründen entgegen. Das Unternehmen braut zwar in Regensburg, allerdings befindet es sich im Eigentum des Bistums Regensburg. Bischofshof hatte 1993 die Amberger Malteser-Brauerei übernommen. Am meisten betroffen von der Neuerung ist Festwirt Volker Seidl, der das Wingershofer Bier auf dem Berg seit nunmehr 19 Jahren verkaufte. Er kann die Neuordnung nicht nachvollziehen.

"Hat immer alles gepasst"

"In den vergangenen Jahren hat immer alles gepasst. Ich verstehe nicht, warum man da jemanden rausnimmt, der immer zuverlässig und loyal mit der Kirche auf dem Mariahilfberg zusammengearbeitet hat." Die Kirchenverwaltung begründet ihr Vorgehen mit der Bewerbung einer noch recht jungen Brauerei aus Amberg. Die 1985 ins Leben gerufene Hausbrauerei Sudhang hatte vorgesprochen und um Berücksichtigung gebeten. Deren Chef Arno Diener freut sich riesig, dass es heuer geklappt hat. Ob er das Bergfest im Kreuz hat? "Selbstverständlich", sagt er. "Das packen wir." Ab Anfang Mai will er "einen Sud nach dem anderen" brauen, um für den Absatz während der Wallfahrtswoche gewappnet zu sein.

Arno Diener macht selbst den Festwirt. Mit sechs Bedienungen und drei Helfern in der Schankbude will er das Fest meistern. "1000 Steinkrüge habe ich auch schon bestellt", sagt er. Noch eine Änderung steht bevor: Der Stand der Bäckerei Vieracker ist Geschichte, nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet hat. Die Kirchenverwaltung ist auf die Suche nach einem Amberger Bäcker gegangen, der die Lücke füllen kann und ist fündig geworden.

Los entscheidet über Bäcker

"Wir haben eine Ausschreibung gemacht und fünf Angebote bekommen", berichtet Franz Mertel. Am Ende seien zwei Anbieter in die engere Wahl gekommen, dann habe das Los entschieden: Die Bäckerei Meyer aus der Regensburger Straße wird die Lücke schließen, die Vieracker hinterlässt.

Das Ende der Bäckerei Vieracker

Amberg
Hintergrund:

Brauereien auf dem Bergfest

Bischofshof

Bischofshof ist eine Brauerei in Regensburg, die der katholischen Kirche gehört. Genauer gesagt dem Bistum. Die Regensburger haben 1993 die Malteser-Brauerei und damit auch das Zelt übernommen. Außerdem genießt Bischofshof als kirchliches Unternehmen einen Sonderstatus. Brauhaus

Fast 100 Jahre lang existierte das Brauhaus. Es war einst die größte Brauerei der Stadt. Doch 1990 war an den Sudkesseln am heutigen Dult-Gelände Schluss. Der Name existiert weiter. Brauhaus-Bier wird heute beim Kummert gebraut. Bruckmüller

Familie Bruckmüller übernahm 1803 das Brauhaus der Franziskaner in der Altstadt. Seit sieben Generationen wird die Brauerei als Familienbetrieb geführt. Bruckmüller braut selbst und füllt das Falk-Bier ab. Falk

Die Weizenbrauerei Hans Falk gab es von 1890 bis 1984. Das dunkle Falk-Bier, das immer noch auf dem Mariahilfberg ausgeschenkt wird, stellt aber längst die Brauerei Bruckmüller her. Kummert

1927 wurde die Brauerei Kummert an der Raigeringer Straße gegründet. Das Geschäft floriert bis heute. Kummert braut auch das Brauhaus-Bier für das Bergfest. Schießl

Genau 100 Jahre wurde die Brauerei Schießl alt. 1994 musste dieses Traditionsunternehmen schließen. Schießl-Bier wird heute beim Winkler hergestellt. Mit der Winkler-Brauerei hat Schießl schon immer eng zusammengearbeitet. Schloderer

Eine der jüngeren Amberger Brauereien ist der Schloderer-Bräu in der Rathausstraße. 1998 gingen die Sudkessel in der Erlebnisgaststätte in Betrieb. Dort wird auch der komplette Bergfest-Ausstoß der Kleinbrauerei gebraut. Sterk

Die Brauerei Sterk nennt sich auch "der älteste noch bestehende Handwerksbetrieb in Raigering". Auf das Jahr 1723 gehen ihre Ursprünge im Ort zurück. Sterk trat 1992 die Nachfolge der Brauerei Jordan (geschlossen im Jahr 1985) an und braut immer noch selbst. Sudhang

1985 wurde die Hausbrauerei gegründet. Der Name leitet sich vom Standort in der Straße Am Südhang ab. Chef Arno Diener hat die Kapazitäten so eingerichtet, dass er heuer erstmal am Bergfest vertreten sein wird. Sudhang ersetzt Wingershof. Wingershof

Die Brauerei Wingershof war von 1935 bis 1985 in Betrieb. Wingershofer Bier stellt heute die Brauerei Naabeck (Kreis Schwandorf) her. Die Marke ist heuer nicht mehr auf dem Berg vertreten. Winkler

Seit 1617 wird im Schanzgäßchen gebraut, mittlerweile in der vierten Generation unter dem Namen Winkler. Winkler hat die Produktion des Schießl-Biers übernommen - was auf der Hand lag: Schießl hatte zuvor schon im selben Sudhaus gebraut.

Um keinen Festwirt zu benachteiligen, wechseln die Standorte der Zelte nach dem Rotationsprinzip durch - mit einer Ausnahme: Der Schloderer-Bräu bleibt immer oben rechts im Wald. (upl)

Zur Geschichte des Bierbrauens in Amberg

Angemerkt der Serie "Virus und wir"

Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.