Amberg
04.07.2026 - 16:35 Uhr
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Mehr als nur ein Fußmarsch: Was die Wallfahrt zum Mariahilfberg besonders macht

Aufbruch im Dunklen, Gänsehaut bei Sonnenaufgang: Auf der Fußwallfahrt zum Mariahilfberg teilt die Pfarreiengemeinschaft Johannisberg Schritte, Lieder und Gedanken. Eine Tradition, die den Blick weitet – wörtlich und im übertragenen Sinn.

Pfarrer Moses Gudapati kommt heute mit Stirnlampe. Es ist noch dunkel am Samstagmorgen kurz nach 4 Uhr auf dem Kirchplatz in Wutschdorf (Freudenberg/Landkreis Amberg-Sulzbach): Hier beginnt die Fußwallfahrt der Pfarreiengemeinschaft Johannisberg zum Amberger Mariahilfberg. Mesner Ludwig Heil hat schon alles hergerichtet – die Hefte mit den Liedtexten für die Pilger, das Kreuz, das sie ihrem Zug vorantragen. Mitgehen wird er nicht, "ich muss noch alles für eine Taufe herrichten". Und der Fußmarsch ist ihm inzwischen auch zu beschwerlich.

Kurz vor 4.30 Uhr füllt sich der Kirchplatz langsam. Da hat Pfarrgemeinderatsvorsitzende Johanna Köbler schon die mobile Lautsprecheranlage getestet. Diese wird im Rucksack mitgetragen, damit unterwegs alle die Gebete und Lieder gut hören können. "Jetzt müssen wir mal schauen, wer das Kreuz trägt", sagt sie – und wird schnell fündig: Wolfgang Gerl übernimmt diese Aufgabe nicht zum ersten Mal. Das rosenumrankte Kreuz begleitet die Wutschdorfer seit 1988 und ist eine kleine Besonderheit: Es ist eine Nachbildung des Exemplares, das die Regensburger alljährlich auf der Altötting-Wallfahrt begleitet.

Eine alte Tradition

Pfarrer Moses erteilt der Gruppe den Pilgersegen, dann marschieren die Wallfahrer los, Richtung Amberg, insgesamt rund zwölf Kilometer. Ganz still ist es noch um diese frühe Uhrzeit, als im Dorfzentrum das erste Vaterunser gesprochen wird. Hier schließen sich weitere Gläubige an, bekommen Liedhefte aus dem Rucksack und stimmen ein ins Lied "Lobe den Herren", während es langsam dämmert.

Wie lang gibt es diese Wallfahrt der Pfarrei zum Amberger Bergfest schon? Die Frage kann spontan niemand beantworten – aber alle sind sich einig, dass sie eine sehr alte Tradition ist, seit die einst evangelischen Wutschdorfer wieder katholisch wurden. Womöglich ist ihr Pilgerzug genauso alt wie das Amberger Wallfahrtsfest, ihrem Ziel. Früher gab es zwei getrennte Pilgerzüge, einen aus Wutschdorf und einen aus Lintach, die parallel, in Sichtweite voneinander, Richtung Amberg gingen: Seit etwa 20 Jahren pilgern sie gemeinsam. Auch heute schließen sich die Lintacher den Wutschdorfern an, wenn die durchs Dorf kommen.

"Sonnengesang" zum Sonnenaufgang

Aber zuerst führt der Zug durch Hötzelsdorf. "Die Sonne geht gleich auf", sagt Johanna Köbler – genau der richtige Zeitpunkt, um den "Sonnengesang" anzustimmen, das wohl berühmteste Gebet von Franz von Assisi. Seines 800. Todestags wird heuer auf dem Amberger Bergfest gedacht. Den Text kennen alle im Pilgerzug, da macht es nichts, dass die Lautsprecher-Technik einen Aussetzer hat. Der ist im Gehen schnell behoben, so sind die Vorbeter weiter überall im stetig weiter wachsenden Pilgerzug zu hören. Gebete, Lieder, Litaneien geben den Takt der Schritte vor.

Beim Kreisverkehr kurz vor Lintach wartet schon die dortige Feuerwehr: Ab hier bis Raigering begleitet und sichert sie die Pilger, weil die hier auf der Straße gehen. In Lintach begrüßt Glockengeläut die Wallfahrer – so wie an jeder Kirche und Kapelle, an denen sie unterwegs vorbeikommen. "Ich freue mich immer, wenn sie läuten", sagt Johanna Köbler.

Die Lintacher reihen sich ein. Und sie haben ihr eigenes Wallfahrerkreuz dabei: Ab jetzt führen zwei Kreuze den Pilgerzug an. Ein andächtiger Marsch vorbei an Wäldern und Feldern, der den Blick weitet. Wortwörtlich, aber auch im übertragenen Sinn. Mit den warmen Sonnenstrahlen im Rücken ist plötzlich in der Ferne zum ersten Mal die Amberger Bergkirche zu sehen – das Ziel der Pilger. Zu Gesang und Gebet gesellen sich laut vorgetragene oder auch nur im eigenen Kopf auftauchende Gedanken, sprichwörtlich über Gott und die Welt – und die Wege des Lebens.

Zwölf Kilometer ohne "Gebetspause"

Einer dieser Wege erreicht jetzt, gegen 6 Uhr, den Amberger Stadtteil Raigering. Die Wallfahrer singen "Maria, wir rufen zu dir" – und bekommen Antwort, allerdings nicht von der Gottesmutter: Von einer Wiese am Ortseingang "rufen" weidende Schafe zurück. Einmal noch geht es bergab, durch Raigering, und auf der anderen Seite wieder hinauf, auf den Mariahilfberg.

Das letzte Stück führt steil hinauf durch den Wald. Damit niemand außer Atem gerät, gibt es hier sonst immer eine "Gebetspause". Aber heute bleiben die Vorbeter aus Lintach am Ball, auch wenn mancher im Zug dabei ein bisschen ins Schnaufen kommt. "Vielleicht haben die Lintacher ja mehr beten müssen", scherzt Johanna Köbler.

"Wer glaubt, ist nie allein"

Oben am Festplatz stimmen dann alle wieder kräftig ein: "Wer glaubt, ist nie allein", das Pilgerlied schlechthin, begleitet sie zum Freialtar am Fuß der Bergkirche. Und ja, genauso ist es: Hier ist niemand allein, auf den Bänken im Wald haben sich schon viele andere Gläubige zum 7-Uhr-Gottesdienst versammelt. "Pilgern ist mehr als nur ein Weg", sagt Pfarrer Moses in der Messe. Jeder im Pilgerzug weiß, was er damit meint: Genau deshalb sind sie dabei. "Das ist etwas für die Seele – und das gibt einem wieder etwas zurück", so fasst es Johanna Köbler in Worte. Es gebe ja immer weniger Menschen, die das Miteinander im Glauben noch "leben" – die Teilnehmer der Wallfahrt täten genau das. "Das ist das Schöne."

Zusammen feiern sie Eucharistie unter freiem Himmel, gestaltet von der Pfarreiengemeinschaft Johannisberg und musikalisch begleitet vom Wutschdorfer Kirchenchor. Der singt zu Ehren der Gottesmutter, die auf dem Amberger Berg verehrt wird, heute auch "Maria, breit' den Mantel aus" – aber in einer besonderen Version, mit der "Amberger" Melodie, ganz anders, als die aus dem Kirchengesangsbuch. Diese Musik habe jeder im Ohr, der mit auf die Wallfahrt geht, sagt Uli Piehler, der Freudenberger Heimatpfleger. "Das ist unsere Verbindung zum Berg."

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