20.04.2021 - 16:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Neue Fassade für Ten-Brinke-Bau kann Stadträte nicht einen

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Vor fast genau sechs Jahren startete der Wettbewerb für die Bebauung des Bürgerspital-Areals. Seither zieht sich der Planungsprozess dahin, am Ende ist er wohl noch längere Zeit nicht angelangt.

So ist der aktuelle Stand bei der Fassadengestaltung für das Ten-Brinke-Projekt auf dem Bürgerspital-Areal. Der neue Entwurf konnte die Stadträte aber nicht einen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Baureferent Markus Kühne durfte am Montag auch an seinem Geburtstag nicht daheim bleiben. Er sollte und wollte den Stadträten wohl auch erläutern, wie der Planungsprozess für die Bebauung des Bürgerspital-Areals so läuft. Erste Erkenntnis: Er zieht sich. "Wir haben viele Projekte später begonnen, doch die meisten davon früher fertig gebracht." Bevor Kühne auf das aktuelle Projekt einging, schwenkte er noch einmal zurück in die Zeit vor zehn Jahren, als in einem ersten Wettbewerb schon einmal das Büro Wittfoht siegreich daraus hervorgegangen war.

Gebaut wurde dieser Entwurf aber ebenso wenig wie die zweite Version, die auf die nunmehr beauftragte Stadtbau GmbH zurückzuführen ist. Stattdessen fasste der damalige Stadtrat am 20. April 2015 einstimmig den Beschluss, in einen Wettbewerblichen Dialog mit möglichen Investoren zu treten. Hier habe im Gremium zum letzten Mal absoluter Konsens über dieses Projekt geherrscht, stellte Kühne fest.

"Ein geschickter Schachzug"

Sieger des erneuten Wettbewerbs war dann der holländische Investor Ten Brinke. "Es war vielleicht ein geschickter Schachzug, dass sie wieder das Büro Wittfoht genommen haben", mutmaßte Kühne, warum dieser Entwurf das Entscheidergremium letztendlich überzeugt hat. Wobei er nüchtern feststellte, dass dieser Bau in seiner damals geplanten Form "keine adäquate Antwort auf die Architektur Ambergs" gewesen sei. Die angestrebte Nutzung hingegen - Lebensmittel, Dienstleistung, Wohnen - passe in die Vorgaben des Stadtrats, ebenso die jetzt verfolgte Lösung einer Quartiersgarage unter dem Gebäudekomplex. "Bei der Baumasse wäre weniger wahrscheinlich auch besser", zeigte Markus Kühne leichte Kritik, die er in Bezug auf die breiten Fensterbänder der bisherigen Planung verstärkte. "Weil diese Bandfassade nicht sehr schön ist, haben wir versucht, eine Weiterentwicklung anzustreben", sagte Kühne.

Herausgekommen ist tatsächlich eine für die Altstadt typische Lochfassade mit einer deutlichen Zurücknahme der Bänder. Die gewählte Dachform hingegen verteidigte der Baureferent, weil sie seiner Aussage nach in der näheren Umgebung gleichermaßen vorkommt. Letztendlich war seiner Aussage nach die Frage nur, ob man diese verblechen oder begrünen sollte. Man entschied sich für die zweite Lösung. Auch wenn Markus Kühne den Planungsprozess damit auf einem guten Weg sieht, er ist Realist genug zu erkennen, dass damit der Widerstand gegen dieses Projekt auf diesem Gelände nicht gebrochen sein wird. "Ich bin nicht der Traumtänzer, der glaubt, mit diesem Entwurf die Gegner zu Befürwortern zu machen", merkte er an. Aber es bestehe die Möglichkeit, auf diese Weise in einen konstruktiven Dialog mit allen Seiten zu kommen.

"Nur ein grünes Hütchen"

"Ich bin nicht der Traumtänzer, der glaubt, mit diesem Entwurf die Gegner zu Befürwortern zu machen."

Markus Kühne, Baureferent Stadt Amberg

Markus Kühne, Baureferent Stadt Amberg

Naturgemäß bewirkte der nunmehr vorgelegte Entwurf nichts an der grundsätzlichen Einstellung der Stadträte dazu. "Wenn man ein grünes Hütchen überstülpt, ändert das nichts an der architektonischen Wuchtigkeit", gab Rudolf Scharl (Liste Amberg) zu verstehen. Es bleibe auch bei der Verschattung und der Versiegelung des Bodens. Die Veränderungen seien der Versuch, den Bürgern die Größe schmackhaft zu machen, die sie schlucken sollen.

Anders sah es beispielsweise Florian Fuchs (SPD), der im Projekt einen entscheidenden Beitrag erkannte, um die Altstadt zu beleben. "Mit dem Ausdruck Brachial- und Brutal-Architektur will man den Leuten nur Angst machen vor diesem Bauvorhaben." Der Fortgang der Debatte zeigte dann: Jede Fraktion und Partei bleibt bei ihrer Position, das Verfahren geht nun seinen ordentlichen Gang.

So soll der Ten-Brinke-Bau nach dem Entwurf der Stadt Amberg von oben ausschauen. Die Bauverwaltung favorisiert eindeutig ein begrüntes Dach.

Parallel zum Planungsprozess läuft das Bürgerbegehren dagegen

Amberg

 

 

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