15.06.2021 - 16:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Der neue OTH-Präsident will eine "Mitmach-Hochschule"

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Nach sechs Jahren wird Andrea Klug als OTH-Präsidentin abgewählt. Der Hochschulrat votiert am Montag für Clemens Bulitta. Der hat schon klare Vorstellungen, wie er die Hochschule in den kommenden Jahren gestalten will.

Hochschulrats-Vorsitzender Reimund Gotzel (rechts) gratuliert Prof. Dr. Clemens Bulitta, der ab 1. Oktober das Amt des OTH-Präsidenten übernimmt.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Es kann getrost als Paukenschlag bezeichnet werden: Am Montag tagte der Hochschulrat der OTH Amberg-Weiden und wählte dabei einen neuen Präsidenten. Professor Dr. Clemens Bulitta übernimmt ab 1. Oktober das Amt von Prof. Dr. Andrea Klug.

Im Vorfeld gingen drei Bewerber ins Rennen. Neben Bulitta und Klug warf noch Dr. Maximilian Kock, Professor an der Fakultät Elektrotechnik, Medien und Informatik (EMI), seinen Hut in den Ring. Er blieb allerdings ohne Stimmen.

Für die drei Präsidenten-Anwärter war es am Montag ein langer Tag. Um 8.30 Uhr trat der Hochschulrat zusammen. Bulitta, Klug und Kock legten ihre Visionen für die OTH Amberg-Weiden in „facettenreichen Vorträgen“ dar, wie aus Kreisen des Hochschulrates zu vernehmen war. Um 17 Uhr verkündete OTH-Kanzler Ludwig von Stern schließlich das Ergebnis: Elf Stimmen entfielen auf Bulitta, acht auf Klug. Von Stern erklärte: „Das ist eine Situation, die uns alle berührt.“ Letztlich liege der Entscheidung aber eine demokratische Wahl zugrunde.

Bereits 2008 Vizepräsidentin

Klug hatte am 1. Oktober 2015 das Präsidenten-Amt von Professor Erich Bauer übernommen. Zuvor hatte sie eine steile Karriere hingelegt. Nach ihrer Zeit als Staatsanwältin und Richterin an den Landgerichten Regensburg und Erfurt sowie im Thüringer Ministerium für Justiz und Europaangelegenheiten, wurde sie im Jahr 2000 für das Lehrgebiet „Gewerblicher Rechtsschutz und Wirtschaftsprivatrecht“ an die Hochschule berufen, bereits 2008 stieg sie zur Vizepräsidentin an der OTH auf.

Unter anderem fällt die Gründung des digitalen Campus’ in die Amtszeit von Klug. Von Stern erklärte, dass Klug die OTH stets „weiterentwickelt und auf neue Füße gestellt“ habe. Aktuell zählt die Hochschule 3594 Studierende und 94 Professoren. Zu ihrer Abwahl war Klug am Dienstag nicht zu sprechen. Sie weile im Urlaub, hieß es auf Nachfrage.

Dass sich gleich drei Bewerber für das Präsidenten-Amt fanden, sah Hochschulrats-Vorsitzender Reimund Gotzel als „hohes internes Potenzial interner Kandidaten“, wie er bei einer Pressekonferenz am Montagnachmittag erklärte. Mit Bulitta übernimmt nun ein Mann die Präsidentschaft, der ebenso auf ein bewegtes Berufsleben zurückblicken kann: Medizinstudium (dabei unter anderem zwei Jahre an der Harvard Medical School), Führungspositionen bei der Siemens AG, Dekan der Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen und Gesundheit an der OTH Amberg-Weiden, Leitung des Instituts für Medizintechnik (IfMZ), stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer in Bayern e.V. (VHB).

Nun also OTH-Präsident. „Das Amt sehe ich in allererster Linie als Verantwortung. Es ehrt mich, dass man Vertrauen in mich hat, dass ich die Hochschule in den nächsten sechs Jahren voranbringen soll“, erklärte Bulitta am Montag. Er sehe sich nicht als Gewinner und Klug als Verliererin. „Wir stehen beide im Dienst der Hochschule und haben beide ein Angebot gemacht.“ Letztlich gebe es ein Gremium aus internen und externen Mitgliedern, das den Auftrag hat, zu entscheiden, was für die Hochschule am besten sei. Die Wahl an sich sieht Bulitta als demokratischen Prozess und Fundament einer Hochschule.

Klares Profil und breites Netzwerk

Die Bewerbung an sich sei für den studierten Mediziner ein ein- bis zweijähriger Prozess gewesen. Vor allem als die Diskussion um das neue Hochschulinnovationsgesetz aufkam, habe er entschlossen, bei der Wahl anzutreten. Das sieht vor allem vor, die Eigenverantwortung der Hochschulen zu stärken. „Ein großer Auftrag für die Hochschulen wird es sein, wenn sie mehr Autonomie bekommen, sich selbst in ihrer Organisation neu zu finden. Da werden viele Dinge nicht mehr so konkret definiert sein, wie das heute der Fall ist.“ Deshalb möchte Bulitta ab Oktober die OTH vor allem in vier Bereichen vorantreiben. Sie soll eine Hochschule mit klarem Profil für lebenslanges Lernen und mit einem breiten Netzwerk sein. Außerdem soll die „interdisziplinäre, fakultäts- und standortübergreifende Zusammenarbeit“ forciert werden, eine „Mitmach-Hochschule“ soll die OTH werden.

Der neue Präsident erklärte: „Wir sind an vielen Stellen gut unterwegs. Wir sind an vielen Stellen aber sicher so aufgestellt, dass wir uns da zielführend weiterentwickeln müssen. Wir brauchen ein Stück weit neue Rezepte für diese neuen Strukturen, die auf uns zukommen.“ Es brauche Transparenz bei allen Entscheidungen. Das schaffe letztlich Akzeptanz und Vertrauen. Es brauche eine breite Beteiligung; „wenn alle eingebunden sind, klappt das mit der Umsetzung“.

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Kanzler Ludwig von Stern verkündet am Montag um 17 Uhr das Ergebnis der Wahl.

Ein großer Auftrag für die Hochschulen wird es sein, wenn sie mehr Autonomie bekommen, sich selbst in ihrer Organisation neu zu finden.

Prof. Dr. Clemens Bulitta

Prof. Dr. Clemens Bulitta

Info:

Die Mitglieder des Hochschulrats

  • Der Hochschulrat besteht aus 20 Mitgliedern.
  • 10 davon entsendet der Senat der Hochschule, 10 weitere bestellt der Kultusminister als externe Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.
  • Mit Wirkung zum 1. Oktober 2019 hat der Minister folgende externe Mitglieder bestellt: Dr. Michael Anheuser (Siemens, Amberg), Lars Engel (BHS Corrugated, Weiherhammer), Reimund Gotzel (Bayernwek, Regensburg), Dr. Johann Grienberger (Huber SE, Berching), Thomas Hanauer (EMZ-Hanauer, Nabburg) Prof. Dr. Andreas Hornung (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Institut Fraunhofer Umsicht, Sulzbach-Rosenberg), Jürgen Kilger, (Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz), Viola Vogelsang-Reichl (Oberpfalz-Medien, Weiden), Michael Wiglenda (Gerresheimer, Regensburg) und Ludwig Zitzmann (Sparkasse Nordoberpfalz, Weiden).
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