19.09.2021 - 10:58 Uhr
AmbergOberpfalz

Dieser Personalbedarf kommt auf Amberg zu

Die Bevölkerungszahl nimmt ab, dafür aber werden die Menschen immer älter. Die Folge: Der Anteil der Pflegebedürftigen steigt. Der demografische Wandel ist also der entscheidende Faktor für die Pflegebedarfsplanung der Stadt Amberg.

Zwar wird in der Zukunft die Bevölkerungszahl in Bayern – und damit auch in Amberg – rückläufig sein, doch werden die Menschen immer älter. Die Folge: Es gibt mehr Pflegebedürftige.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Mit der Fortschreibung der Pflegebedarfsplanung hat sich der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Amberg in seiner Sitzung am Donnerstagnachmittag im großen Rathaussaal befasst. Laut Harald Knerer-Brütting, Referatsleiter für Jugend, Senioren und Soziales, stammt die letzte Version aus 2015 und wurde nun aktualisiert. Grundlage für die Prognose, wie der Bedarf in der Altenpflege (stationär, teilstationär und ambulant) künftig sein wird, seien Daten aus dem Jahr 2017. Die Stadt orientiere sich auch an den bayerischen Zahlen, rechne diese auf Amberg runter. Ausgangspunkt sei die Entwicklung der Bevölkerungszahlen. Diese gingen generell zurück, "da bildet Amberg keine Ausnahme". Ein weiterer Punkt: Die Menschen würden älter. Dies sei, so Knerer-Brütting, erfreulich, lasse aber auch den Anteil der Pflegebedürftigen steigen.

Keine Unter- oder Überversorgung

Aktuell gibt es in Amberg in der vollstationären Pflege derzeit 691 Plätze, die sehr gut ausgelastet seien. Auch dies wertete Knerer-Brütting als "erfreuliche Tatsache". Das bedeute nämlich, dass es in Amberg keine Unter- oder Überversorgung gibt. Die Auslastung in den stationären Einrichtungen habe 2017 bei 98 Prozent gelegen, in den beiden darauffolgenden Jahren bei jeweils 97 Prozent. Nach 95 Prozent gehe es jetzt in Richtung 92 Prozent. Grund dafür sei Corona. Nur: "Um ein Haus wirtschaftlich führen zu können, muss die Auslastung bei mindestens 92 Prozent liegen." Deshalb hoffe man, dass sich die Auslastung ab 2022 "wieder im normalen Bereich wiederfindet".

Für ambulante Pflegeplätze gab Knerer-Brütting den Ist-Stand mit 558 an, die bayerische Pflegebedarfsprognose rechnet künftig mit 457 Plätzen. "Das halten wir für nicht zutreffend", so der Referent, der für die Tagespflege vom selben Effekt sprach. Aktuell gebe es 45 Plätze. Das Staatsministerium prognostiziert einen Bedarf von 34 Plätzen (in der Basisversorgung 17). "In unseren Planungen gehen wir von einer Erhöhung auf 75 Plätze aus", sagte Knerer-Brütting, betonte aber, dass man in diesem Bereich "gut aufgestellt" sei. In der Kurzzeitpflege gebe es aktuell 23 Plätze, die gut ausgelastet seien. Die ministerielle Berechnung kommt für das Jahr 2040 auf einen Bedarf von 20 Plätzen. Anderes sieht es die Stadt: "Nichts zurückfahren, sondern moderat erhöhen."

Ausbildungsverbund für Pflege

Knerer-Brütting ging bei der Ausschusssitzung auch auf den Personalbedarf ein: 2017 seien im Pflegebereich 374,1 Mitarbeiter tätig gewesen. Für das Jahr 2040 werden 503,8 Pflegekräfte prognostiziert. Knerer sprach davon, dass Hausaufgaben zu machen seien, zeigte sich zugleich zuversichtlich, "dass sich hier personelle Kapazitäten eröffnen". Zur Ausbildung in der Pflege erwähnte er den Ausbildungsverbund Pflege, dem in der Region zwischenzeitlich 40 Träger mit 61 Einrichtungen beigetreten sind.

Oberbürgermeister Michael Cerny sieht die Stadt Amberg im Bereich der Pflege auf einem guten Weg. Er sprach aber auch den Personalmangel in der Pflege an und skizzierte einen Extremfall: Jemand brauche dringend einen Heimplatz, ein Zimmer sei frei, könne aber nicht belegt werden, weil das Personal fehle. Seine Sorge um die Personalgewinnung verhehlte Cerny nicht. In den Augen von SPD-Fraktionsvorsitzender Birgit Fruth muss auch ein Fokus auf Tages- und Verhinderungspflege gelegt werden. Schlüssel zum Erfolg sei, Personal zu gewinnen. Fruth mahnte in Bezug auf Pflege auch kommunales Engagement an – und erinnerte, dass ein SPD-Antrag dazu in der Vergangenheit mehrheitlich abgelehnt worden sei.

Im Beschlussvorschlag der Verwaltung hieß es, die Pflegebedarfsplanung spiegle den Bedarf und Wünsche der Bürger wieder und "dient als Basis für künftige Entscheidungen in der kommunalen Seniorenpolitik der Stadt Amberg". Dem stimmten alle zu. Am 27. September befasst sich noch der Stadtrat mit der Pflegebedarfsplanung.

Sulzbacher Straße: Umleitung macht Probleme

Auf Probleme mit der Umleitung wegen der Sperrung der Sulzbacher Straße machte Matthias Schöberl (CSU) aufmerksam. Aus Karmensölden habe er besorgte Anrufe bekommen, weil zwischen Karmensölden und Poppenricht und Schäflohe und Poppenricht viel Verkehr sei – teilweise große Lkw in Kolonnen. Ob man dagegen was machen könne, wollte Schöberl wissen. „Vielleicht den Verkehr auf 7,5 Tonnen beschränken?“ Sein Fraktionskollege Christian Schafbauer sprach das Problem mit den Bussen an. Kleinere könnten über die Kokereistraße ausweichen, größere hätten fast keine andere Möglichkeit als über Karmensölden. Das Baureferat soll schauen, was man optimieren beziehungsweise verbessern könne.

Matthias Schöberl (CSU) lobte den Fahrradstreifen an der Dreifaltigkeitsstraße. Der an der Merianstraße jedoch sei weniger gelungen, Radfahrer müssten in Schlangenlinien fahren. „Schaut’s es euch mal an“, forderte Oberbürgermeister Michael Cerny die Verwaltung auf. „Fahrradfahrer wollen einigermaßen geradeaus fahren, nicht in Schlangenlinien.“ Rechtsreferent Bernhard Mitko merkte dazu an, dass an der Merianstraße ein Beschluss des Verkehrsausschusses umgesetzt worden sei.

Für Autofahrer würden Umleitungen ausgeschildert, Fahrradfahrer vergesse man aber immer, monierte Dieter Mußemann (CSU) und hatte dafür ein Beispiel parat: Wer von der Werner-von-Siemens-Straße über die Brücke zum Eisstadion radeln wollte, „stand wochenlang vor einem gesperrten Weg“, kritisierte Mußemann. „In diesem Fall war’s die Justiz“, entgegnete Cerny, räumte aber ein: „Bei einer Straße hätte man das nicht gemacht.“

An der Breslauer Straße entsteht ein Senioren-Service-Haus

Amberg
Hintergrund:

Bauvorhaben in der Pflege

  • Senioren-Servicehaus: geplant an der Breslauer Straße sind für Betreutes Wohnen 70 barrierefreie Appartements; Baubeginn war 2020, Eröffnung ist voraussichtlich heuer im November.
  • Die Diakonie plant einen Umbau mit Erweiterung ihres Seniorenheims an der Hellstraße (circa 20 weitere Plätze); das Projekt ist in der Planungsphase, realisiert werden soll es bis 2024/25.
  • Seniorenwohnheim Köferinger Höhe: geplant sind 80 stationäre Plätze und 40 für betreutes Wohnen; Bauantrag für den Neubau wurde im Frühjahr eingereicht, Baubeginn soll im Herbst sein, Fertigstellung ist für 2023 geplant.

 

 

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