05.08.2021 - 08:53 Uhr
AmbergOberpfalz

Rundbau-Nachfolge am Bergsteig: Senioren-Service-Haus kostet 15 Millionen Euro

Dort, wo am Bergsteig in Amberg bis 2016 der für den Stadtteil so typische Rundbau stand, ist nun ein Gebäude zu sehen, das in der Region einmalig ist. Die in Schongau ansässige Domizilium-Unternehmensgruppe investiert 15 Millionen Euro.

Zwischen Stadtteil-Büro (links) und Seelöwenbrunnen (rechts) prägte bis zum Mai 2016 der Rundbau die Bergsteig-Optik. Jetzt steht dort das 15 Millionen Euro teure Senioren-Service-Haus.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Mit Ausnahme der Glaskathedrale, die der 1969 verstorbene Stararchitekt und Bauhaus-Gründer Walter Gropius entworfen hat, prägte kein anderes Gebäude den Stadtteil Bergsteig so sehr wie der Rundbau zwischen Rosenthalstraße, Claudiweg und Breslauer Straße. An der dem stetigen Verfall ausgesetzten Immobilie aus der Nachkriegszeit schieden sich aber stets die Geister – auch beim CSU-Ortsverband, der für Dienstagabend dazu eingeladen hatte, sich den Nachfolger-Bau anzusehen: Das 15 Millionen Euro teure Senioren-Service-Haus, dessen erste Mieter bereits zum 1. November einziehen sollen.

Zum Ortstermin war auch Peter Dankesreiter gekommen, obwohl er aktuell keine Funktion mehr in der CSU hat. Das war früher anders. Als der Bergsteig im Jahr 1999 in das Bundesförderprogramm „Die soziale Stadt“ aufgenommen wurde, war Dankesreiter Ortsvorsitzender und zusammen mit dem 2012 verstorbenen ehemaligen Quartiersmanager Josef Dudala ein aus Sicht der Stadtoberen eher unbequemer Zeitgenosse. Von Dankesreiter stammte unter anderem dieser Satz, mit dem er Stadt und Stadtbau dazu auffordern wollte, mit der Aufwertung des Viertels nicht allzu lange zu warten: „Die Bagger müssen rollen.“

Am Dienstagabend war es Oberbürgermeister Michael Cerny, der an diese Phase erinnerte und mit Blick auf das Hier und Jetzt im Jahr 2021 sagte: „Der Bergsteig hat sich enorm entwickelt.“ Peter Dankesreiter wusste nicht, ob er nicken oder den Kopf schütteln sollte. Einerseits findet er den Neubau „super“, denn: „Das ist die perfekte Nutzung für das Areal.“ Anderseits: „Das ist genau das, was wir über Jahre hinweg immer gefordert haben. Vor 20 Jahren schon.“ Die aktuellen CSU-Funktionsträger gingen hingegen auf diese Vorgeschichte nicht ein.

„Wunderbares Beispiel“

So sprach Ortsvorsitzender Michael Schittko von einem prachtvollen Bau und Fraktionsvorsitzender Matthias Schöberl sagte: „Amberg ist ja eine Stadt, die immer älter wird.“ Darauf müsse baulich reagiert werden. Das habe Amberg schon zur Jahrtausendwende getan, als sich die Stadt für das dezentrales Altenheimkonzept entschied – mit dem Vorhaben, möglichst jedes Viertel mit einem eigenen Heim zu versorgen. Der Bergsteig war da bisher noch ein weißer Fleck auf der Landkarte. Dafür sei er nun aber wegen des neuen Senioren-Service-Hauses „ein wunderbares Beispiel“, denn: „Hier können die Bewohner nicht nur selbstbestimmt leben. Sie beleben dadurch auch noch das ganze Viertel.“ Das sieht auch Andreas Neugirg so. Er ist Leiter des Fachbereichs Senioren und Pflege innerhalb der Sozialteam GmbH der Investoren und sagte: „Das Haus fügt sich wunderbar in die Umgestaltung des Stadtteils ein.“ Er meinte damit das Baugebiet Bergsteig Mitte, das derzeit im Rücken des neuen Senioren-Service-Hauses in Richtung Sportplatz wächst.

Danach kam Neugirg auf das zu sprechen, was das Gebäude in der Region so einzigartig mache: Vom reinen Wohnen bis hin zur Vollversorgung in höheren Pflegegraden sei alles möglich. Jeder Mieter könne frei entscheiden, wann und wie lange er welche Leistungen bucht. Bausteine in den einzelnen Bereichen Pflege, Betreuung und Hauswirtschaft seien individuell wählbar. Mieter hätten die Chance, auch im Falle von Hilfe- oder Pflegebedürftigkeit „unabhängig und selbstständig in der eigenen Wohnung zu leben“. Das mache diese neue Wohnform aus. Kaufoptionen für die 70 Appartements gibt es laut Neugirg aber nicht.

Ein Appartement für 500 Euro

Das Besondere: Wer will, kann auch zwei oder drei Appartements in einer Reihe buchen und damit seinen Wohnraum auf 68 oder 102 Quadratmeter erhöhen. Das biete sich vor allem für Ehepartner an. Sei einer von beiden dann eines Tages alleine, lasse sich die Wohnung wieder auf 68 oder 34 Quadratmeter reduzieren. Laut Neugirg sind noch mehrere Appartements frei. Die Miete betrage rund 500 Euro. Geplant sei der Bezug für den 1. November. Entsprechend zeitnah werde das Haus dann auch offiziell eröffnet. Das barrierefreie Haus habe aber noch viel mehr zu bieten: Praxen für Ärzte und Therapeuten sowie eine Cafeteria mit Mittagstisch, den jeder nutzen kann, der es will – also nicht nur die Mieter. Gleiches gelte für die Angebote der Tagespflege. Neugirg wörtlich: „Wir wollen vor Ort eine sinnvolle Ergänzung sein.“

Darüber freut sich auch Peter Dankesreiter. Er ist mittlerweile in der Nähe von Auerbach Küchenchef in einem Seniorenheim. Bei dem CSU-Ortstermin erinnerte er sich daran, im Sommer 2012 am Bergsteig eine Umfrage gestartet zu haben, ob der marode Vorgänger-Bau abgerissen oder saniert werden soll. Das Ergebnis damals: „Die Mehrheit wollte, dass der Rundbau wegkommt.“

Der Bergsteig verändert sich zur Freude der Bewohner

Amberg

„Das ist genau das, was wir über Jahre hinweg immer gefordert haben. Vor 20 Jahren schon.“

Peter Dankesreiter, ehemaliger CSU-Ortsvorsitzender am Bergsteig

Peter Dankesreiter, ehemaliger CSU-Ortsvorsitzender am Bergsteig

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.