23.11.2020 - 09:17 Uhr
AmbergOberpfalz

Polizei hält Graffiti-Künstler "Aloha" für Straftäter

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Der TC Amberg engagiert einen Graffiti-Künstler. Ein Spaziergänger sieht den jungen Mann bei der Arbeit und ruft die Polizei. Dann geht alles sehr schnell. Über den Ablauf des Polizeieinsatzes gehen die Meinungen auseinander.

Tennishalle des TC am Schanzl wird offiziel mit Graffiti verziert.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

"Einmal nicht der böse Buhmann sein" - das fand der Amberger Graffiti-Künstler "Aloha" besonders toll, als er ganz offiziell den Auftrag erhalten hatte, die Tennishalle des TC am Schanzl verschönern zu dürfen. Fünf Tage war der 20-Jährige, der seinen bürgerlichen Namen für sich behalten möchte, damit beschäftigt, die Schmierereien zu beseitigen, die illegale Sprayer hinterlassen hatten. Am Sonntag, 15. November, fühlte er sich kurzzeitig selbst wie ein Gesetzesbrecher.

Aloha - Graffiti Writer verschönert das Schanzl

Für jeden Hinweis dankbar

Ein Spaziergänger hatte der Polizei gemeldet, dass er am Schanzl einen Sprayer beobachtet habe. Daraufhin wurden die Beamten laut Thomas Lachner aktiv. Der Leiter der Polizeiinspektion Amberg berichtet auf Nachfrage davon, dass es im Stadtgebiet wegen unerlaubter Graffiti immer wieder "viele und teils auch hohe Schäden" zu beklagen gibt. Erst am 31. Oktober waren drei Jugendliche auf frischer Tat ertappt worden, als sie die Stadtmauer verunstalteten. Der Schaden: 2000 Euro. Vor diesem Hintergrund sei die Polizei sensibilisiert und für jeden Hinweis dankbar. Wie an besagtem 15. November. "Da gilt es, schnell zu sein", sagt Lachner und meint damit die Tatsache, dass die Sprayer meist jung und deswegen auch körperlich fit seien: "Wenn sie merken, dass da jemand kommt, sind sie sehr schnell." Nicht jeder Täter könne folglich auch erwischt werden: "Wir hören auch immer die Vorwürfe, dass wir zu wenig machen und zu wenige überführen."

Von dieser Aktion haben wir leider nichts gewusst.

Thomas Lachner. Leiter der Polizeiinspektion Amberg

Thomas Lachner. Leiter der Polizeiinspektion Amberg

Als der Zeugen-Hinweis auf den Sprayer einging, mussten die Gesetzeshüter laut Lachner davon ausgehen, dass es sich um eine Straftat handelt. Die Kollegen seien vor Ort auf eine Person gestoßen, "von der wir nichts wussten und von der wir auch nicht wussten, wie sie reagiert". Außerdem sei es dunkel gewesen. In diesen Fällen sei es ratsam, die Person festzuhalten. Dabei gehe es auch um die Sicherheit: "Nur, wenn ich die Person anhalten kann, kann ich auch die Identität feststellen", sagt Lachner und fügt hinzu: "Hierzu ist er angehalten worden. Definitiv." Der 20-Jährige sei seines Wissens "freiwillig auf die Knie" und habe von seinem Auftrag berichtet. Für die Kollegen sei das neu gewesen: "Am Tag nach dem Bericht in der AZ haben wir das nicht auf dem Schirm gehabt."

Graffiti-Künstler "Aloha" sprayt im Auftrag des TC Amberg am Schanzl

Amberg

Nach der Vernehmung von "Aloha" seien "einige Telefonate geführt" worden, die die Unschuld des 20-Jährigen belegten. Lachner hat eine Bitte: "Es wäre super, wenn man kurz bei der Inspektion anruft und Bescheid gibt, dass da jemand ganz legal am Sprayen ist. Von dieser Aktion haben wir leider nichts gewusst."

"An den Armen gepackt"

Mit dem Abstand von einer Woche geht Graffiti-Künstler "Aloha" relativ entspannt mit dem Vorfall um und sagt, dass er für vieles Verständnis habe. Doch "das mit dem freiwillig auf die Knie" könne er so nicht stehenlassen: "Ich wurde an den Armen gepackt, angeschrieen und mit meinen Händen am Kopf auf die Knie gezogen." Vorwürfe will der 20-Jährige aber nicht formulieren. Er sagt nur: "Ich hätte es erst einmal mit sprechen probiert. Also erst reden und nachdenken und dann handeln." Seine Arbeit für den Tennisclubs bereut "Aloha" auf keinen Fall. Schließlich habe ihm sein Hallen-Kunstwerk zwei weitere private Aufträge beschert, die nicht vom TC am Schanzl kommen.

Kommentar:

Illegal sieht anders aus

Zeitungsleser wissen mehr. Hätten die alarmierten Polizisten am Tag vor ihrem Einsatz am Schanzl einen Blick in die Amberger Zeitung oder in das Onetz geworfen, hätten sie gewusst, dass sich Graffiti-Künstler „Aloha“ legal an der Tennishalle verwirklicht. Doch selbst dann hätten die Gesetzeshüter nicht mit Gewissheit sagen können, ob es sich bei dem Sprayer tatsächlich um den 20-Jährigen handelt. Schließlich hatte er auf dem Foto in der Zeitung sein Gesicht hinter einer Maske versteckt. Zwei Umstände hätten die Beamten allerdings stutzig machen müssen: Wie Schanzl-Vorstandsmitglieder bestätigen, sei laute Musik gelaufen, als die Polizei zugriff. Außerdem sei die Tür zur beleuchteten Halle offen gewesen. Ein illegaler Sprayer hätte da vermutlich schon längst das Weite gesucht.

Thomas Kosarew

So sieht das Schanzl-Kunstwerk von Graffiti-Sprayer „Aloha“ aus:.

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