Amberg
18.06.2023 - 12:02 Uhr
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Radverkehr war der große Gewinner der vergangenen fünf Jahre in Amberg

Wir alle sind irgendwo und irgendwie Verkehrsteilnehmer. Stimmt: Mit dieser Aussage können Stadt- und Verkehrsplaner herzlich wenig anfangen. Höchste Zeit mal nachzuschauen, wie sich die Amberger konkret fortbewegen.

Wie bewegen sich die Amberger fort? Eine Umfrage hat ergeben: 56 Prozent fahren mit dem eigenen Auto. Bild: Petra Hartl
Wie bewegen sich die Amberger fort? Eine Umfrage hat ergeben: 56 Prozent fahren mit dem eigenen Auto.

Die gute Nachricht gleich am Anfang: Die Amberger fahren im Vergleich zu 2017 deutlich mehr mit dem Fahrrad, wenn sie zur Arbeit, Einkaufen oder Bummeln wollen. Eine jetzt ausgewertete große Haushaltsbefragung zur Mobilität, die im September 2022 über die Bühne gegangen ist, hat ergeben, dass der Anteil der Radler am Gesamtverkehr inzwischen bei 15 Prozent liegt. 2017 waren es noch acht Prozent gewesen. Die noch bessere Nachricht: Diese Steigerung geht tatsächlich zulasten des MIV, des Motorisierten Individualverkehrs. Die nicht so gute Nachricht: Der ÖPNV, der Öffentliche Personennahverkehr, kann trotz Millioneninvestitionen nicht von diesem Trend weg vom Auto profitieren.

Was war das für eine Befragung?

6000 zufällig ausgewählte Amberger Haushalte erhielten im September 2022 die vom Büro Stadtverkehr aus dem nordrhein-westfälischen Hilden ausgearbeiteten Fragebögen "Haushaltsbefragung Mobilität". In denen sollten die Bürger unter anderem ihr eigenes Mobilitätsverhalten an vier bestimmten September-Tagen (je zwei Dienstage und Donnerstage) festhalten. Um repräsentativ für die Stadt Amberg zu sein, hätte ein Rücklauf von 1490 Personen genügt, tatsächlich gingen aber 2623 Fragebögen aus 1173 Haushalten ein. Damit konnten die Mobilitätsaussagen sogar auf die einzelnen Stadtteile heruntergebrochen werden. "Die Umfrage war wirklich hocheffektiv", so Projektleiter Marius Lenz am Mittwoch im Verkehrsausschuss.

Was war die erste Erkenntnis?

Fahrradfahren wird immer mehr sexy. Gaben bei der letzten Erhebung 2017 rund acht Prozent der Befragten an, mit dem Rad zur Arbeit oder privat unterwegs gewesen zu sein, waren es diesmal bereits 15 Prozent. Gleichzeitig ging der Anteil des MIV (Motorisierter Individualverkehr) um fünf Prozent zurück, obwohl auch die Stadt Amberg immer noch steigende Zulassungszahlen verzeichnet. Fußverkehr und Öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV) blieben hingegen fast völlig unverändert. "Es ist gut, wenn der MIV nicht gleich bleibt und es damit zu einer Kannibalisierung bei den anderen Verkehrsmitteln kommt", kommentierte der Verkehrsgutachter diese Entwicklung. Wobei Oberbürgermeister Michael Cerny schon etwas bedauernd feststellte, dass sich die Investitionen der vergangenen Jahren in den ÖPNV so gesehen nicht so positiv ausgewirkt hätten. In Amberg bewegen sich laut Umfrage 23 Prozent der Menschen zu Fuß fort, 15 Prozent nutzen das Fahrrad, 56 Prozent den MIV und 6 Prozent den ÖPNV. Damit beträgt das Verhältnis MIV zum "Umweltverbund" aus Fußgänger/Radler und ÖPNV in Amberg 56 zu 44.

Ist diese Entwicklung überall gleich?

Die Werte für die Stadt Amberg sind nur eine Gesamtschau. Tatsächlich ergeben sich beim Blick auf die einzelnen Stadtteile zum Teil enorme Unterschiede. So liegt der Anteil der Fußgänger in der Altstadt (38 Prozent) naturgemäß deutlich höher als beispielsweise in Fuchsstein und Karmensölden (zwei Prozent). Dafür fahren hier etwa zehn Prozent der Verkehrsteilnehmer mit dem Bus, während das lediglich drei Prozent der Menschen aus dem Bereich OTH/Eglsee/Eisberg tun. Generell gilt: Je weiter ein Stadtteil vom Zentrum entfernt ist, desto höher ist der Anteil der Leute, die ins Auto steigen, um von A nach B zu kommen. Die meisten Radfahrer, 23 Prozent, gibt es übrigens im Stadtteil Kugelbühl/Obere Hockermühle, die wenigsten (sieben Prozent) steigen in Fuchsstein/Karmensölden aufs Radl. Obwohl rund 4,5 Prozent der Befragten angegeben haben, im Besitz eines oder mehrerer Pedelecs oder E-Bikes zu sein. Laut Gutachter besitzt der "Umweltverbund" (Fuß, Rad, ÖPNV) in Fuchsstein/Karmensölden mit 17 Prozent den geringsten Anteil, in der Altstadt hingegen liegt er bei 56 Prozent.

Was ist los beim ÖPNV?

Ein Blick auf die Altersverteilung der Buspassagiere in der Stadt Amberg bringt wenig überraschende Erkenntnisse: Der Busverkehr ist sehr schülerlastig. Außerhalb dieser typischen Altersgruppen ist der Zuspruch eher gering. Dabei hat die Stadt zwischen 2017 und 2022 sehr viel investiert in den Öffentlichen Nahverkehr. Das Liniennetz wurde verdichtet, die Takte verkürzt und derzeit arbeitet der Zweckverband Nahverkehr an einer besseren Taktung zwischen Bus- und Bahnverkehr. "So richtig gezündet haben diese Maßnahmen am Ende des Tages aber nicht", stellte Oberbürgermeister Michael Cerny am Mittwoch ernüchtert fest.

Wie schaut es beim Zug aus?

Nur rund 1,2 Prozent der repräsentativ befragten Amberger nutzen den Zug, um an ihr Ziel zu kommen. Dabei zeigt sich: Je näher dieses Ziel an Amberg liegt, desto häufiger wird trotz einer guten Bahnverbindung das Auto genommen. Wer nach Sulzbach-Rosenberg (92 Prozent) oder Schwandorf (82 Prozent) will, fährt überwiegend mit dem Automobil. Nach Nürnberg hingegen nehmen 56 Prozent der Umfrageteilnehmer den Zug, nach Regensburg sind es 38 Prozent. Beide Städte sind sehr staugefährdet und bieten für Autofahrer wenig attraktive Parkplätze. Allerdings fand die Umfrage statt, bevor das 49-Euro-Ticket einführt worden ist.

Wie sieht das Fazit aus?

Wichtigste Erkenntnis: "Das Geld für den Radverkehr hat sich gelohnt." Das sagt Oberbürgermeister Michael Cerny. Die Investitionen der Stadt Amberg und des ZNAS in den Öffentlichen Personennahverkehr hingegen, waren nicht so ertragreich. Vielleicht wird es aber besser, wenn die Verzahnung von Bus und Bahn optimiert wird, hofft der OB. Aber nicht nur aus diesem ernüchternden Grund wird das Nahverkehrsnetz wohl nicht weiter ausgebaut – wobei hier derzeit eine große Optimierungsaktion läuft. Tatsache ist auch: Es fehlen hinten und vorne Busfahrer. Der Arbeitskräftemangel schlägt hier voll durch, die vom ZNAS beauftragten Unternehmen kämpfen inzwischen um jede Frau und jeden Mann. Besser haben es da die Radler, wie Michael Cerny meint: "Der Fahrradfahrer ist der König, er braucht kein Personal."

Und wofür ist die Umfrage gut?

Die Verkehrsbefragung dient dazu, zu erfahren, wo die knappen Haushaltsmittel der Stadt künftig gezielt investiert werden. Lohnt es sich, noch mehr Geld in den ÖPNV zu stecken? Oder sollen lieber durchgehende Radwegeverbindungen im Stadtgebiet und zu den Nachbargemeinden gebaut werden? Und wie ist die Verteilung in den einzelnen Stadtvierteln? Wo muss man mehr für Fußgänger tun, wo wird man auch in Zukunft auf den MIV nicht verzichten können? Das sind einige entscheidende Fragen, deren Antworten sich aus dieser Erhebung ablesen lassen.

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