12.11.2020 - 16:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Sanierung der Wirtschaftsschule in Amberg endet mit Einweihung ohne Gäste

Nur die symbolische Schlüsselübergabe erinnerte an sonst übliche Feiern: Zum Abschluss der Millionen-Sanierung der Städtischen Wirtschaftsschule trafen sich am Mittwochmittag nur vier Offizielle und drei Pressvertreter in der neuen Aula.

von Heike Unger Kontakt Profil

Oberbürgermeister Michael Cerny hätte sich zum Abschluss der Sanierung und Erweiterung der Städtischen Wirtschaftsschule Friedrich Arnold ein großes Schulfest gewünscht. Doch das ist wegen der Corona-Pandemie momentan nicht möglich. Irgendwie werde man eine Feier aber auf jeden Fall nachholen, wenn es wieder geht, versprach Cerny. Selbst der Bauausschuss, der nach der Schlüsselübergabe in der Wirtschaftsschule nebenan im Rathaus tagte, konnte beim offiziellen Rundgang im kleinsten Kreis nicht dabei sein: Cerny berichtete dem Gremium aber, wie groß die Freude bei Schulleiterin Brigitte Conchedda war, als sie durch die neuen Räume führte. Ihr Fazit war eindeutig: "Ich finde, wir haben die schönste Schule." Selbst den schwarzen Steinboden, der den sanierten alten und den modernen neuen Teil des Gebäude optisch verbindet, und ihr anfangs gar nicht gefiel, schließt Conchedda inzwischen ausdrücklich in dieses Urteil ein.

Bau mit einigen Unwägbarkeiten

Am Ende sind rund 14,5 Millionen Euro in dieses Bauprojekt im Herzen der Altstadt geflossen, wie OB Cerny sagte. 2014 waren dafür noch knapp elf Millionen eingeplant gewesen. (Energetische) Sanierung, Erweiterung, Verbindung von Alt und Neu, Digitalisierung und Ganztagsbetreuung waren Themen dieses Mammutprojekts. Dabei mussten die Verantwortlichen mehrere Unwägbarkeiten meistern. Zum Beispiel einen Tiefgaragenbau, bei dem die Zufahrt viel Stoff für Diskussionen lieferte, oder einen historischen Brunnen, der plötzlich im Keller auftauchte und im wahrsten Sinne mit eingebaut werden musste.

Kommentar: Lüftungsanlage für Schule ist jetzt ein Corona-Glücksfall

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Heiß debattiert wurde auch über eine Lüftungsanlage. Corona war da noch nicht in Sicht: Die Schule wünschte sich einen automatisierten Luftaustausch, weil besonders in den Klassenzimmern an der Ziegelgasse der Verkehrslärm den Unterricht störte, wenn man die Fenster öffnete. Lüftung ja oder nein? Und wenn ja, reicht dann nicht nur eine Teil-Lüftung, nur auf der Ziegelgassen-Seite? Am Ende genehmigte der Stadtrat grummelnd doch die Komplett-Lösung und damit zusätzliche Kosten von rund einer Million Euro. "Das wäre heute einfacher", meinte OB Cerny mit Blick auf das Lüftungs-Problem, das in der aktuellen Pandemie viele Schulen haben. Die Wirtschaftsschule hat jetzt keins mehr, bei ihr regelt die neue Technik die Raumluft sogar so, dass die vorgegebenen Grenzwerte deutlich unterschritten werden. "Wir bräuchten gar kein Fenster mehr aufmachen", berichtete Brigitte Conchedda: "Aber unsere Lehrer sind übervorsichtig und lüften trotzdem."

Wirtschaftsschule: Die Kosten steigen

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Größer als ein großes Fußballfeld

Die 14,5 Millionen Euro sieht Michael Cerny als "sicher gut angelegtes Geld" für eine mit über 400 Schülern großen Schulen Ambergs, "einem der Hauptzulieferer für die regionale Wirtschaft, der dazu noch junge Leute mitten in der Stadt ausbilde. Hochbauamtsleiter Hubert Meier gratulierte zum "hervorragend geglückten" Projekt, das mit 7600 Quadratmeter Bruttogeschossfläche "größer als ein großes Fußballfeld" sei. 2015 war Baubeginn des Neubauteils mit Quartiertiefgarage, jetzt, mitten in der Coronazeit, seien Sanierung und Erweiterung vollendet. Meier versicherte, dass man dies auch noch feiern werde, "wenn's die Umstände zulassen".

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Architekt Thomas Eckert (Dömges Architekten Regensburg) nannte den Bau bei laufendem Schulbetrieb eine Herausforderung. Er zeigte sich "froh, dass die Schule so schön fertig geworden ist: Das machen wir Architekten ja nicht für uns, Bauen ist immer für die Öffentlichkeit und strahlt in viele Richtungen aus". Er versicherte: "Wir haben hier jetzt optimale Bedingungen für die Schüler." Das gelte selbst, wenn wieder ein Lockdown kommen würde, denn "der digitale Unterricht ist jetzt so aufgestellt, dass er problemlos möglich wäre: Wir sind zukunftsfähig."

Unterricht in der Weinhandlung

Schulleiterin Brigitte Conchedda deutete mit einem scherzhaften Hinweis an, was die Bauarbeiten für den weiterlaufenden Schulbetrieb bedeuteten, weil Klassen teilweise beispielsweise ins damals noch benachbarte Bürgerspital ausgelagert werden mussten. "Da haben wir als Lehrer gesagt, wir gehen ins Altenheim." Als dann später ein vorübergehender Umzug in die Grammer-Passage nötig wurde, "haben wir gesagt: Wir gehen in die Weinhandlung". Jetzt, so sagte Conchedda begeistert, "haben wir endlich alle in einem Schulhaus". Auch die neue 6. Klasse, die die Wirtschaftsschule heuer erstmals genehmigt bekommen hat, finde hier Platz. Conchedda hofft, dass ihr bald auch noch eine 5. Klasse folgen darf, die man ebenfalls gut unterbringen können und die dann die Verbindung zur Grundschule schaffen würde.

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