28.02.2020 - 14:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Schnee kippt Bäume im Kreis Amberg-Sulzbach: Züge fallen aus, Autobahn gesperrt

Auf Straßen gestürzte Bäume, Stromausfall, Zugausfälle, quer stehende Lastwagen, die die A6 drei Stunden lang blockieren: Der starke Schneefall in der Nacht zum Freitag hatte Folgen im Kreis Amberg-Sulzbach.

Stau auf der B 85 bei Amberg, nahe des Haidweihers: Hier musste die Feuerwehr, wie vielerorts im Landkreis Amberg-Sulzbach, am Freitag vom Schnee umgeworfene Bäume beseitigen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Das Problem war, dass der Schnee besonders nass und damit sehr schwer war: So erklärt Amberg-Sulzbachs Kreisbrandrat Fredi Weiß, warum dieser Niederschlag, der eigentlich nicht überraschend kam, so viele Probleme verursachte. Der schwere Schnee ließ vielerorts Bäume umstürzen oder brachte sie in eine solch gefährliche Schieflage, dass sie zu fallen drohten. Anders als bei vorangegangenen Unwettern, die nur durch Teile des Landkreises zogen, war laut Weiß diesmal der gesamte Bereich Amberg-Sulzbach, von Nasnitz bis Schmidmühlen, betroffen.

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Gravierend machte sich der Schnee auf der Autobahn bemerkbar: Zwischen den Anschlussstellen Amberg-Süd und -West, im Bereich des Parkplatzes Am Laubenschlag in Fahrtrichtung Nürnberg, blieben gegen 21 Uhr mehrere Lastwagen hängen. Beim Versuch, weiterzufahren, stellten sich dann mehrere von ihnen quer und blockierten die Fahrbahn.Wie die Verkehrspolizeiinspektion Amberg auf Nachfrage mitteilte, war ein Problem, dass einige Lastwagenfahrer unvernünftig waren: Sie versuchten, an den Lkw der liegengebliebenen Kollegen links vorbeizufahren, kamen dann aber selber nicht mehr weiter und blockierten damit auch die zweite Fahrspur. In dem Stau, der sich dadurch bildete, steckte dann auch noch der Winterdienst fest.

Umgestürzte Bäume (hier auf der Panzerstraße beim Haidweiher nahe Amberg) waren das Hauptproblem bei diesem Wintereinbruch: Der Schnee war so schwer, dass ihm viele Bäume nicht standhielten.

Die A6 musste deshalb zwischen Amberg Süd West in Fahrtrichtung Nürnberg drei Stunden lang komplett gesperrt werden. Die Autofahrer brauchten entsprechend viel Geduld: Da die untergeordneten Straßen noch nicht geräumt waren, verzichtete die Polizei darauf, die im Stau Stehenden von den Autobahn herunterzuleiten.

Sturmtief Bianca: Unfälle im Kreis Amberg-Sulzbach

Amberg
Hintergrund:

Winterdienst auf der A 6 im Volleinsatz

Der Autobahnmeisterei Lauterhofen, die die Autobahn 6 betreut, bescherte der massiver Schneefall zwischen Donnerstag, 17 Uhr, und Freitag, 6 Uhr, zwischen den Autobahnkreuzen Altdorf und Oberpfälzer Wald reichlich Arbeit. Bei einer Schneehöhe von mindestens 15 Zentimtern seine "elf Winterdienstfahrzeuge im gesamten Zeitraum ohne Unterbrechung" im Volleinsatz gewesen, informierte die Pressestelle der Autobahndirektion Nordbayern. Eine besondere Herausforderung für den Winterdienst sei dabei ein Lastwagen gewesen: Der Fahrer hatte an der Steigung nach der Baustelle an der Unterriedener Talbrücke zum Überholen angesetzt, blieb dann hängen - und blockierte die Fahrbahn.

Auch im Zugverkehr verursachte der Schnee Probleme. Auf der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Amberg ging bis zum Morgen vorübergehend nichts, weil Bäume aufs Gleis gestürzt waren.

Im Blickpunkt:

Zugausfälle zwischen Nürnberg und Schwandorf

Vom Auto auf den Zug wegen des winterlichen Wetters umzusteigen, war am Freitagmorgen nicht für alle Pendler die geeignete Lösung. Denn nichts ging mehr für Zugfahrer am Donnerstagabend gegen 23 Uhr, die von Nürnberg in Richtung Schwandorf, Weiden oder Bayreuth reisen wollten. Mehrere Bäume versperrten die Gleise.

Während es am Freitag gegen 4 Uhr wieder möglich war, in Richtung Bayreuth zu fahren, mussten die Oberpfalz-Pendler weiter warten. Denn noch immer störte ein umgeknickter Baum auf der Strecke zwischen Hersbruck und Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg den weiteren Zugverkehr. Die Verbindungen aus Nürnberg verkehrten bis Hersbruck und endeten dort vorzeitig. Die Züge aus Richtung Weiden beziehungsweise Schwandorf fuhren nur bis Neukirchen. Dadurch blieb nach Bahn-Angaben weder Zug noch Passagier auf offener Strecke. Aber auch am Vormittag konnte die Bahn hier Entwarnung geben: Die Strecke zwischen Hersbruck und Neukirchen war geräumt.

Auch am Vormittag waren vielerorts noch Feuerwehrleute im Einsatz, um Straßen freizumachen. Dort, wo gesägt wurde, brauchten die Autofahrer etwas Geduld.

Umgefallene Bäume waren auch die Ursache dafür, dass am Donnerstagabend im Vilstal der Strom ausfiel. In Rieden beispielsweise gingen gegen 22 Uhr die Lichter aus. Wie die Pressestelle der Bayernwerk AG auf Nachfrage mitteilte, hatte dort vermutlich ein Baum eine Freileitung gekappt und einen Kurschluss verursacht. Ähnliche Probleme habe es "im ganzen Netz" des Versorgers gegeben. Die Techniker konnten sie bis 23.15 Uhr beheben, werden aber laut Bayernwerk sicher noch eine Weile weitere daran arbeiten. Mit weiteren Stromausfällen sei dabei aber wohl nicht zu rechnen.

Kurz notiert:

Stromausfälle in Ostbayern

In einer Pressemitteilung informierte die Bayernwerk AG über die Stromausfälle infolge der starken Schneefälle von Donnerstagabend. Demnach führte "Sturmtief Bianca im gesamten Netzgebiet des Bayernwerks von Unterfranken bis Oberbayern zu Stromausfällen bei zahlreichen Haushalten". Gegen Mitternacht seien rund 40 000 Haushalte ohne Stromversorgung gewesen. "Zu dieser Zeit waren Ostbayern und Oberbayern die am meisten von Stromausfällen betroffenen Regionen", schreibt Maximilian Zängl von der Pressestelle des Versorgers: "Unter der Belastung durch starke Sturmböen und Nassschnee fielen viele Bäume oder Äste in Freileitungen." Bis 3 Uhr morgens seien die meisten Haushalte dann aber wieder versorgt gewesen. "Derzeit sind nur wenige Haushalte im Bayernwerk-Netzgebiet ohne Stromversorgung. In Teilen kann es vorkommen, dass in den Sturmstunden vorbeschädigte Bäume oder Äste auch jetzt noch fallen und es so auch aktuell zu neuen Stromausfällen kommt. Die Serviceteams des Bayernwerks sind weiter unterwegs."

Viel zu tun hatten die Feuerwehren im Landkreis Amberg-Sulzbach in dieser Nacht: Rund 75 Einsätze hatten sie landkreisweit, dabei waren laut Weiß etwa 500 Kräfte von 51 Feuerwehren aktiv. Dabei ging es vor allem darum, für Verkehrssicherheit zu sorgen, indem die Experten gefährlich geneigte Bäume fällten. Oder auch Exemplare, die die Schneelast schon um- und auf die Straße geworfen hatte, aus dem Weg schafften. "Wahrscheinlich mehrere hundert Bäume" hätten die Feuerwehrleute so entfernt, schätzt Fredi Weiß.

Die Einsatzkräfte seien die ganze Nacht hindurch und auch noch am Vormittag quasi "pausenlos" aktiv gewesen, "quer durch den Landkreis". Überraschend kam der Schnee für Weiß und seine Kollegen nicht, der Wetterbericht hatte sie vorhergesagt. "Die Motorsägen lagen parat", berichtete er. Dadurch, dass der Landkreis flächendeckend betroffen ist, würden sich die Arbeiten aber sicher noch lange hinziehen, fügte er am Freitagvormittag hinzu.

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