18.09.2019 - 14:52 Uhr
AmbergOberpfalz

Senioren auf E-Bikes: Mit dem Simulationsrad die Reaktion trainieren

Senioren steigen immer häufiger aufs Rad - mit Elektroantrieb. Gleichzeitig beklagt die Polizei, dass es mehr Unfälle auf den Straßen gibt. Ein Simulationsrad soll die älteren Radler jetzt für Gefahren sensibilisieren und trainieren.

Thomas Lachner, Leiter der Polizeiinspektion Amberg, steigt aufs Simulationsrad, um seine Reaktionsfähigkeit zu testen.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Die Polizei in Bayern stellt einen Trend fest: Es gibt mehr Unfälle im Straßenverkehr mit Fahrradfahrern. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre waren es 28 Prozent mehr im Bereich des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Die Mobilität hat sich verändert - vor allem auch, weil mehr Senioren aufs E-Bike umgestiegen sind. "Die Radfahrer sind mit einer höheren Geschwindigkeit unterwegs", sagt Thomas Lachner, Leiter der Polizeiinspektion Amberg. Um die Unfallzahlen zu reduzieren, "haben wir intensiv an Möglichkeiten gearbeitet". Eine Variante ist ein Simulationsrad, das die Verkehrserzieher entwickelt haben.

99 Wegvarianten

Oberbürgermeister Michael Cerny traut sich als Erster aufs Simulationsrad.

99 unterschiedliche Radstrecken kann der PC abspielen, mit dem ein Fahrrad verkabelt ist. Plötzlich läuft ein Kind auf die Straße oder ein Auto streift den Radweg - ausweichen kann das feststehende Rad nicht. Es gilt, schnell zu reagieren und zu bremsen.

Bei einer Testfahrt in der Polizeiinspektion traut sich Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny als erster auf den verkabelten Drahtesel. Cerny fährt durch eine Siedlung, an den Gehsteigen entlang parken Autos. Nach einigen Sekunden fährt plötzlich eine Gruppe Kinder auf Tretrollern auf die Straße. Sie wurden von den parkenden Autos verdeckt. Der Oberbürgermeister bremst, doch zu früh. Dafür kassiert er ein entsetzt schauendes Smiley auf dem Monitor. "Generell kann man sagen, dass Reaktionen unter einer Sekunde sehr gut sind", erklärt Lachner. Doch Cerny war zu schnell. Sein Bürgermeisterkollege aus Hirschau, Hermann Falk, testet ebenfalls das Simulationsrad. Ihn hätte wohl ein rückwärtsfahrendes Auto erwischt. Auf dem Monitor erscheint der Hinweis: "Zu spät gebremst."

Hirschaus Bürgermeister Hermann Falk wäre wohl gegen ein rückwärtsfahrendes Auto gefahren.

Simulationsrad am Marktplatz

Lachner erklärt, dass die Zielgruppe der mobilen Senioren schwer zu erreichen ist. "Wir können mit dem Verkehrserziehern in Schulen, Kindergärten oder Altenheime gehen. Aber wie erwischen wir diejenigen, die es betrifft?" Daher hofft der PI-Leiter, dass auch die Bürgermeister die Werbetrommel rühren. Ein solches Fahrrad gebe es derzeit im Gebiet des Polizeipräsidiums, das für Aktionen ausgeliehen werden kann.

Ein Bild vom Simulationsrad können sich aber an diesen Freitag alle Amberger machen: Zwischen 9 und 12 Uhr steht das Rad bei schönem Wetter auf dem Marktplatz (ansonsten im Rathausfoyer) für eine kleine Spritztour bereit. Dann kann jeder testen, ob er ein lachendes oder entsetztes Smiley verdient hat.

An diesem Freitagvormittag können alle Amberger auf dem Marktplatz ihre Reaktionsschnelligkeit mit dem Simulationsrad testen.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.