28.04.2021 - 09:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Siemens Amberg: Besucherzentrum offiziell eröffnet

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Auch wenn künftig viele Menschen in das Gebäude strömen sollen. Am Dienstag sind nur sehr wenige Gäste vor Ort, als das Siemens-Besucherzentrum in Amberg offiziell eröffnet wird. Wegen Corona läuft die Veranstaltung vorrangig virtuell ab.

Das neue Siemens-Besucherzentrum soll künftig Platz für Gäste, Kunden und Studenten bieten.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Es klingt schon ziemlich widersprüchlich. Siemens eröffnet am Dienstagnachmittag offiziell das Besucherzentrum, eingeladen sind aber nur ganz wenige Gäste. Wohl sicher die klügste Entscheidung, angesichts der dritten Coronawelle, die für die aktuell sehr hohen Inzidenzwerte sorgt. Andererseits soll es doch ein Ort der Begegnung werden.

Dass der Zulauf groß sein wird, ist wohl keine große Weissagung. In der Zeit vor Corona drängten jährlich rund 10 000 Besucher nach Amberg, wie Klaus Helmrich bei der offiziellen Eröffnung erklärte. Er und Joe Kaeser (beide frühere Siemens-Vorstände) waren zwei der nur handverlesenen Menschen, die vor Ort weilten. Sie waren es auch, die die Entscheidung mittrugen, dass das Besucherzentrum in Amberg erbaut wird.

69 Betonpfähle als Fundament

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Der Standort Amberg mit seinen 4300 Mitarbeitern gilt als ein Vorzeigewerk in Deutschland. Die Anfragen von Kunden häuften sich, der Platz fehlte allerdings. Kaeser sagte: "Wenn wir von jedem Eintritt verlangt hätten, der schon hier gewesen ist, wäre das ertragreicher gewesen als manche Sparten, die Siemens schon hatte." Außerdem betonte er: "Wer über Digitalisierung spricht, kommt an Siemens und Amberg nicht vorbei." Viele warme Worte also für die Vilsstadt. Wenig verwunderlich, dass sich das bei den (digital eingespielten) Politiker-Grußworten fortsetzte. Digitalministerin Judith Gerlach erklärte: "Der Standort Amberg ist geradezu prädestiniert. Denn Siemens Amberg gilt international als Vorzeigestandort für Digitalisierung, Automatisierung und Industrie 4.0." Dass sich Landrat Richard Reisinger ("Ein Leuchtturm für die Digitalisierung") und OB Michael Cerny ( "Wir freuen uns schon jetzt auf viele Besucher") für den Bau begeistern, ist selbstredend.

Siemens ließ sich den Bau einen "unteren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag" kosten, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht. Die genaue Summe wollten die Verantwortlichen bei einer Pressekonferenz nicht nennen. Das Gebäude, das offiziell den Namen "The Impulse" trägt und innerhalb von zwei Jahren erbaut worden ist, hat auf drei Ebenen eine Fläche von 5400 Quadratmetern. Als Fundament wurden 69 Betonpfähle mit einer Länge von insgesamt 1,6 Kilometern gesetzt. Für den Rohbau sind rund 3000 Kubikmeter Beton und 400 Tonnen Stahl verbaut worden.

Beeindruckende Zahlen. Was aber viele brennender interessiert, ist sicher ein Blick ins Innere des Besucherzentrums. Markus Siegert, der Leiter des Besucherzentrums, erklärte: "Für unsere Kunden gibt es seit Anfang März die Möglichkeit, Touren zu buchen. Derzeit sind virtuelle Führungen machbar und sobald es die Pandemielage erlaubt, dann auch real vor Ort." Der Neubau - von dem es einen digitalen Zwilling gibt, wie es bei der Presseveranstaltung hieß - ist für Gruppen bis zu 250 Personen ausgerichtet. Das Gebäude hat einen eigenen öffentlichen Eingang sowie direkte Zugänge in die Produktion. Besucher sollen dabei beispielsweise einen Einblick in Zukunftstechnologien wie 5G oder Künstliche Intelligenz bekommen. Einen weiteren Schwerpunkt im Besucherzentrum soll die Zusammenarbeit mit Hochschulen, Start-ups und Kunden in der Entwicklung von Automatisierungskonzepten für Fabriken im sogenannten Digi-Lab darstellen.

Warten auf Lockerungen

Klingt alles vielversprechend. Sobald die Impfquote sich in weniger Infektionen und mehr Lockerungen auswirkt, sollte das Besucherzentrum der von Anfang an zugedachten Bestimmung zugeführt werden und Gäste aus aller Welt willkommen heißen. Somit verliert der Bau dann auch seine derzeitige Widersprüchlichkeit.

Das Gelände der BHS Corrugated in Weiherhammer als Filmkulisse

Weiherhammer
Kommentar:

Digital keinen Charme

Nein, es hat einfach keinen Charme und verfehlt ganz klar die eigentliche Bestimmung: Bei der Eröffnung des Besucherzentrums können sich Presse und Gäste nur digital einklinken. Keine Begehung des Millionen-Baus, keine Begutachtung der Technik und der Räume vor Ort. Alle Einblicke nur digital. Dabei spricht Landrat Richard Reisinger von einem Leuchtturm. Zugegeben eine recht inflationär verwendete Metapher, doch in diesem Fall sicher zutreffend. Aber wer will einen Leuchtturm schon virtuell begehen? Um also das volle Besucher-Erlebnis im Siemens-Neubau auszukosten, bleibt wohl nichts anderes, als abzuwarten, bis sich die Situation rund um Corona bessert. Das hat einfach mehr Charme als die digitale Alternative.

Christopher Dotzler

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