13.08.2021 - 14:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Der sportliche Wettkampf um die besten Laternenpfähle

Am 23. September ist Bundestagswahl. Und in Amberg läuft gleichzeitig der Bürgerentscheid in Sachen Bürgerspitalareal. Das heißt für alle Parteien und Interessensgemeinschaften: Plakate aufhängen. Es ist viel los in dieser Nacht.

Der Laternenpfahl vor dem Café Kult in der Marienstraße ist für die Plakatierer der IG Menschengerechten Stadt mit Achim Hüttner (links) und Norbert Scharf (rechts) der ideale Ort.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Nur noch zwei Minuten bis Mitternacht. Norbert Scharf parkt sein Auto bei der Tankstelle am Kurfürstenring und lädt zwei Plakate aus dem Kofferraum. "Wer braucht noch große Kabelbinder?", fragt er in die Runde – und stellt damit die Frage, die in dieser knappen Stunde wohl am meisten fallen wird. Dann ist es auch schon Mitternacht und die Plakatierungsteams der IG Menschengerechten Stadt fangen im gesamten Stadtgebiet an, ihre Werbung für den Bürgerentscheid in Sachen Bürgerspitalareal am 23. September aufzuhängen.

Das Aufhängen von Wahlplakaten ist in der Stadt Amberg streng reglementiert. Maximal 80 Stück pro Partei oder Interessengemeinschaft, nur außerhalb der Altstadt, nicht größer als DIN A 0. Jedes Plakat muss auf einer Liste erfasst und fotografiert werden. Behindert es Sichtachsen zu Ampeln oder Verkehrszeichen wird es wieder entfernt. "Das Aufstellen der Wahlplakate darf sechs Wochen vor dem Wahltermin erfolgen", heißt es im "Infoblatt für das Aufstellen von Wahlplakaten als Sondernutzung", das von der Stadt Amberg ausgegeben wird. Offiziell vorgegebener Starttermin ist damit Freitag, 13. August, 0 Uhr.

Punkt 0 Uhr geht es los

"Am 13. August beginnt um 0 Uhr der Zeitkorridor für die Plakatierung hinsichtlich der Bundestagswahl 2021 im Stadtgebiet Amberg. Wie wir erfahren haben, werden auch unsere politischen Mitbewerber der anderen Parteien und Interessensgemeinschaften diesen Zeitraum voll ausnutzen", schreibt Konstantin von Randow, der Kreisgeschäftsführer der Amberger CSU zwei Tage vorher an die Mitglieder. Es fehlen noch Leute für ein zweites und drittes Plakatierungsteam, daher bittet von Randow freiwillige Helfer, sich am Donnerstag, 12. August, um 23.30 Uhr in der CSU-Geschäftsstelle am großen Kreisverkehr zu treffen.

Während sich die Christsozialen in ihrem "Hauptquartier" auf den nächtlichen Plakat-Einsatz vorbereiten, treffen sich die Aktiven der IG Menschengerechten Stadt zur gleichen Zeit auf dem Schrannenplatz. Plakate werden auf die einzelnen Teams verteilt, Kabelbinder in unterschiedlichen Größen abgezählt. Wolfgang Schimmel hat einen akribischen Plan ausgearbeitet, welche Gruppe in der Stunde nach Mitternacht wo aktiv sein wird. Daniel Holzapfel, der in der Vergangenheit schon für die SPD und die Liste Amberg Plakate gehängt hat, erklärt, worauf es dabei ankommt. "Da vorne greift der Wind am stärksten an, da müsst ihr einen größeren Kabelbinder nehmen", weiß er aus den Erfahrungen der Vergangenheit.

Der Kampf um die besten Plätze

Bei der CSU und der IG sind in dieser Nacht drei Teams im Stadtgebiet unterwegs, immer wieder treffen die Plakatierer in den nächsten Stunden auf die politische Konkurrenz. "Wir haben die FDP und leider auch die AfD gesehen", schildert Konstantin von Randow am nächsten Tag seine Erfahrungen. Kurz nach Mitternacht steht er mit seinem Wahlkampf-Team mitten im großen Kreisverkehr und hängt Susanne Hierl auf. Natürlich nicht sie selbst, sondern Plakate der Direktkandidatin der CSU.

Auf der anderen Seite des Kreisels sind inzwischen auch Achim Hüttner und Norbert Scharf von der IG Menschengerechten Stadt angekommen. Der Kampf um freie Laternen läuft. Die Kombattanten sehen es sportlich, es wird viel gelacht. Scherze fliegen hin und her. Kurzerhand zwickt Konstantin von Randow die überstehenden Enden der Kabelbinder von Achim Hüttners Plakat ab, weil der grad keine Zange zur Hand hat. Politische Gegnerschaft muss keine Feindschaft sein. Man wünscht sich gegenseitig viel Glück, dann geht es weiter.

Laternenpfähle sind gepflastert

Kurz vor ein Uhr am Morgen hängen schon alle Plakate der Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt. "Da haben wir heute Nacht mal was richtig Gutes getan", sagt Achim Hüttner und geht zufrieden heim. Zu dieser Zeit ist das Wahlkampfteam der CSU noch voll dabei. "Wir haben schon zweieinhalb Stunden gebraucht", erzählt von Randow. "Weil wir uns ganz besonders schöne Orte ausgesucht haben." Am nächsten Morgen sind die Laternenpfähle rund um die Altstadt gepflastert mit Plakaten. CSU und IG sind sowieso dabei, auch die SPD, die Freien Wähler und die AfD waren fleißig. Über Nacht hat der Wahlkampf angefangen in der Stadt Amberg.

Da kann es an den Laternenpfosten eng werden

Amberg
Hintergrund:

Was für das Plakatieren in Amberg gilt

  • Es dürfen maximal 80 Plakattafeln, Plakatgröße DIN A1 oder DIN A0, aufgestellt werden. Dabei gilt ein Plakat, das auf beiden Seiten zu sehen ist, als zwei Plakate.
  • Neben dem formlosen Antrag ist nach erfolgter Plakatierung ein Stellplatzverzeichnis einzureichen,
    in dem die Straßen aufgelistet sind, in denen plakatiert wurde.
  • Das Aufstellen der Wahlplakate darf frühestens sechs Wochen vor dem Wahltermin erfolgen. Starttermin für die Bundestagswahl 2021 war Freitag, 13. August, 0 Uhr.
  • Bis spätestens 2 Wochen nach der Wahl sind alle Plakattafeln wieder vollständig und restlos zu
    entfernen. Andernfalls werden diese kostenpflichtig durch die Stadt Amberg beseitigt.
  • Plakatwerbung in Verbindung mit amtlichen vorfahrtsregelnden Verkehrszeichen oder Einrichtungen, insbesondere an Ampelmasten, ist unzulässig.
  • Wahlplakate dürfen nicht an Brücken, Pfeiler, Stützmauern und Ähnliches geklebt werden.
  • Zugelassen ist das Anbringen an Straßenleuchten oder Verkehrszeichenpfosten und Bäumen. Wichtig ist, dass die Plakate keine Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit bedeuten.
  • Innerhalb der Altstadt ist das Plakatieren nicht erlaubt.

 

 

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