10.02.2019 - 14:38 Uhr
AmbergOberpfalz

Sportpark ist die wohl letzte Chance für die DJK Amberg

Gleich mit zwei Herzen kam Michael Cerny zur Mitgliederversammlung der DJK Amberg: eins schlägt für den Verein, das andere pocht als Oberbürgermeister. Im Gepäck hatte er die vielleicht letzte Chance für die DJK, um weiterzuleben.

Im Moment unterhält die DJK Amberg zwei Fußballplätze (Foto) für eine Mannschaft und eine Vereins-Wirtsstube (Hintergrund) mit nur wenig Gästen. Finanzielle Sorgen belasten den Verein. Ein Ausweg wäre der Zusammenschluss mit den Nachbarn zu einem Sportpark.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Nachdem es in den vergangenen Monaten ein bisschen stiller um die Vision Sportpark Am Schanzl geworden war, nimmt das Projekt nun wieder fahrt auf: Die Stadt Amberg, in Person von Oberbürgermeister Michael Cerny, und der Stadtverband für Sport, vertreten durch Norbert Fischer, gehen in eine sanfte Offensive und beginnen die Gespräche mit den Vereinen - am Freitagabend bei der DJK Amberg.

Sanft deswegen, weil Cerny und Fischer mit viel Vorsicht und immer unter dem Vorbehalt "niemand wird zu etwas gezwungen" und "es sind nur Gedankenspiele" die DJK-Mitglieder überzeugen wollen, beim Sportpark mitzumachen. Offensiv, weil die Zeit drängt: Erst wenn klar ist, welche Vereine mit an Board sind, kann vernünftig geplant und im Stadtrat abgestimmt werden. Theo Daller ist Vorsitzender der DJK und hat zur Zeit keinen einfachen Job. In einer Präsentation skizziert er den Ist-Zustand des Vereins. Der Nachwuchs bleibt aus. Von den 407 Mitgliedern aller Sparten sind 226 über 28. Gerade mal ein Junge (Schach) ab Jahrgang 2013 ist dabei. Am schlechtesten sieht es in der Fußballabteilung mit insgesamt 92 Spielern aus: den größten Teil (28 Männer) machen die "alten Herren" des Jahrgangs 1957 oder älter aus. "Wenn sich nichts ändert, sind wir platt", bringt es Daller auf den Punkt.

Über Rivalitäten hinweg

Der Abteilungsleiter der Fußball-Sparte, Edgar Bauer, weiß um die prekäre Lage. "Wir sind dem Sportpark gegenüber sehr aufgeschlossen, aber das Konzept muss passen", sagt Bauer. Und er wird noch konkreter: "Wenn es dem Verein hilft, werden wir dem Projekt keine Steine in den Weg legen." Über die alten Rivalitäten unter den Vereinen sei die neue Generation Fußballer längst hinweg. "Solange es uns noch irgendwie gibt, ist mir egal, welcher Name darüber steht", sagt der Fußballer in aller Deutlichkeit.

Besser sieht es bei den Volleyballern aus: die 209 Männer und Frauen machen über die Hälfte der Mitglieder aus. An dieser Stärke kann Daller ansetzen. Trotzdem ist es lange nicht genug. Von einer Sparte kann der Verein nicht leben. Und so klingt die Realität hart für die DJKler: Ohne neue Mitglieder, kein Geld. Ohne Geld, kein Verein. Dabei stehen große Vorhaben auf Dallers Liste: die sanitären Anlagen müssten erneuert werden (zuletzt geschah das vor etwa 30 Jahren), die Umkleiden, vor allem für die Frauen, seien nicht mehr zeitgemäß, das Sportheim bräuchte außen und innen eine Renovierung und eine neue Heizanlage wird auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die DJK könnte auf einen Schlag 50 000 Euro verbrauchen und hätte damit nur das Nötigste erneuert.

Eine Umrüstung des Flutlichts auf LED lehnte Daller ab. Trotz Förderung hätte die DJK noch 8000 bis 10 000 Euro dazuzahlen müssen. "Ein Darlehen habe ich mir nicht zugetraut. Das war mir zu riskant", sagt der Vorsitzende ehrlicherweise. Spätestens, wenn die aktuellen Leuchtmittel ausgebrannt sind und nicht mehr hergestellt werden, gehen bei der DJK buchstäblich die Lichter aus.

Ein weiterer Negativ-Faktor sind die fehlenden Einnahmen des Sportheims. Seit 2015 haben sich diese mehr als halbiert, liegen nur noch bei 3000 Euro im Jahr. Die Zeiten haben sich geändert, das ist allen Anwesenden klar. Die Jugend setzt sich nach dem Training nicht mehr in die Wirtschaft. "Trotz aller Anstrengungen könnt ihr den Verein auch nicht gesund trinken", sagt Cerny mit einem Augenzwinkern in Richtung der alten Herren. Zusätzlich haben sich die Unterhaltskosten gesteigert. Für den Verein gibt es aber einen Lichtblick: Der Sportpark Am Schanzl.

Entscheidung fällt

"Ich kann mir keinen besseren Partner als die Stadt Amberg vorstellen", betont Daller. Er habe die Hoffnung, zusammen mit der Stadt alte Hürden zu überwinden, und mit den anderen Vereinen auf dem Areal Schulterschluss zu finden. "Das ist für mich die Zukunft der DJK. Aber die Entscheidung liegt bei euch", richtet er einen Appell an die Mitglieder. Cerny: "Wer den Weg in die gemeinsame Zukunft mitgeht, muss das vom Anfang bis zum Ende tun." Bei der Jahreshauptversammlung Ende Februar oder Anfang März, soll eine Entscheidung getroffen werden.

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Masterplan Sportpark – Was bisher geschah:

November 2011

Bei einer CSU-Visite im Stadion am Schanzl, bei der es auch darum geht, dass die 14 Mannschaften die Kapazität der Trainingsplätze sprengen, ist die Freude groß, als Michael Cerny, damals noch zweiter Bürgermeister, von der Idee eines Sportpark-Konzepts erzählt, das auch einen Kunstrasenplatz beinhalten soll.

Oktober 2018

Zum wiederholten Mal bringt CSU-Fraktionschef Dieter Mußemann bei der Stadtratssitzung den Begriff „Masterplan Sportpark“ in die Diskussion ein. Die Vereine auf dem Areal südöstlich der Altstadt (TV 1861, DJK, ESV, TC am Schanzl, ESC und ERSC) sollen davon profitieren, genauso, wie die Allgemeinheit. Die Vorsitzenden der DJK und des TV zeigen sich dem Plan gegenüber aufgeschlossen.

November 2018

Das Vorhaben wird konkreter: In der Haushaltssitzung wird die Idee erneut diskutiert. Vor allem die CSU setzt sich dafür ein, dass nach neuen Beachvolleyball-Plätzen und einer Skater-Anlage auch ein Allwettersportplatz, Kunstrasen, Toiletten und eine zweite Eisfläche das Areal am Schanzl aufwerten sollen. Dieter Mußemann hätte 2019 dafür gerne eine Summe von 250 000 Euro im Haushalt veranschlagt. SPD, ÖDP und Grüne sind dagegen. Zunächst sollen konkrete Pläne entworfen und mit den Vereinen gesprochen werden, ob diese das gemeinsame Konzept mitmachen wollen und damit ihre Liegenschaften und Eigenständigkeit aufgeben. Das Ergebnis: für eine öffentliche Toilette auf dem Gelände werden 120 000 Euro bewilligt, für erste Planungen des Millionen-Projekts Sportpark 10 000 Euro. Cerny kündigt Gespräche mit den Vereinen an.

Februar 2019

Konkrete Gespräche mit den Vereinen beginnen. Hauptsächlich geht es um den TV, die DJK und den ESV. „Wenn wir nicht bald eine Entscheidung treffen, ist das Projekt für mich tot“, sagt Oberbürgermeister Michael Cerny. (anv)

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