29.03.2021 - 12:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Stadträte wollen keine Kleinraigeringer Nordwand wachsen lassen

Nachverdichtung versus Erhalt idyllischer Wohnlagen inklusive unverbauter Natur. An mehreren Stellen im Stadtgebiet knirscht es hier derzeit gewaltig. Beispielsweise in Kleinraigering. Aber ganz so einfach macht man es sich dann doch nicht.

Im Modell zeigt sich nur ansatzweise, wie wuchtig die neu geplanten Wohnblöcke auf die Einfamilienhäuser am Ende des Kirschenwegs in Kleinraigering treffen werden.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Die Idee klingt auf den ersten Blick ganz charmant. Zwischen der in den frühen 1970er Jahren von Architekt Jochen Gräf gestalteten Raigeringer Höhe und dem Kleinraigeringer "Obstviertel" klafft - je nach Sichtweise - eine Baulücke oder ein sehr wertvoller Naherholungsraum in der Größenordnung von rund 9000 Quadratmetern. Ein Amberger Bauträger will nun diese Lücke schließen, wobei er sich bei seinen Entwürfen eher an den Geschosswohnungen von Jochen Gräf orientiert. Was nach Ansicht der Kritiker des Projekts dazu führen würde, dass vor allem die Bewohner des Kirschenwegs künftig gewaltige Wohnblöcke direkt vor ihren Südterrassen stehen haben werden.

Der Bauausschuss diskutierte sich jetzt auch deswegen die Köpfe heiß. Mit der Folge, dass die Preußen bekanntlich nicht so schnell schießen und der Ausschuss jetzt die Aufstellung eines Höhengerüsts vor Ort und fundierte Berechnungen hinsichtlich der Frage verlangt, wie stark die Besonnung der Anlieger durch die Bauten beeinträchtigt wären. Ansonsten, so zeigte die Stimmungslage im Gremium, hätte sich wohl noch nicht einmal im vorberatenden Ausschuss eine Mehrheit für eine Empfehlung an den Stadtrat gefunden.

Nicht ganz unproblematisch

Das potenzielle Baugelände ist nämlich abgesehen von der möglichen Beeinträchtigung des Wohnwerts für die Nachbarn im Obstviertel nicht ganz unproblematisch, wie auch Baureferent Markus Kühne bei der Vorstellung des Projekts einräumte. Der Hang steigt hier von Nord nach Süd relativ stark an, was nach Einschätzung von Stadtrat Rudolf Maier (CSU) die Folge hätte, dass die fünfgeschossigen Gebäude mit Tiefgarage, die hier gebaut werden sollen, sich für die Nachbarn bis zu acht Geschosse hoch auftürmen werden. "Im Prinzip haben die Leute schon recht", sagte Maier, der zugab, dass ihm anstelle der Anlieger da auch "Angst und Bange" würde. Da habe man bei der Planung wohl nicht an die unten liegenden Häuser gedacht, vermutete Maier und forderte - wie Dieter Amann (SPD) schon vor ihm - die Errichtung eines Höhengerüsts, ehe er sich imstande sehe, hier eine Entscheidung zu treffen.

Eines müsse dem Investor aber schon klar sein, machte Rudolf Maier deutlich: "Es könnte sein, dass der Bauherr dann von fünf auf drei Geschosse runter muss. Das muss er schon vorher wissen." Die relative Wucht der Neubauten im Hinblick auf die benachbarte Einfamilienhaus-Siedlung ist aber nicht der einzige Grund, warum andere Stadträte sehr skeptisch auf das Verfahren blicken. So fiel Dieter Amann (SPD) die doch "sehr unglückliche" Erschließung über eine ziemlich steile Straße mit einer Neigung zwischen 9 und 12 Prozent auf. Was dazu geführt hat, dass das Baureferat überlegt hat, diese Straße nicht ohnehin nur als Privatstraße festzusetzen.

50 Parkplätze draußen

100 Parkplätze in der Tiefgarage, zusätzlich 50 draußen an der Grenze zum Obstviertel, dazu die Vernichtung einer Streuobstwiese sowie eines möglichen Bodendenkmals, weil hier historische Gräber vermutet werden - der Preis ist Dieter Amann an sich zu hoch für zusätzlichen Wohnraum. Zumindest in der geplanten Größenordnung. "Man sollte das gar nicht bedienen oder nur als Einzelhaus-Bereich", so sein Appell. Ein Position, die aber beispielsweise der Baureferent für eine falsche hält.

Das Verfahren befinde sich ja derzeit in der Gestaltungsphase, hielt Markus Kühne dagegen. Jetzt könne es nach den Wünschen des Stadtrats und den Erfordernissen der Bauprofis in der Verwaltung aber noch weiterentwickelt werden. "Wir sollten das Projekt jetzt auf keinen Fall stoppen", so Kühnes Position. "Wir würden das gemeinsam mit dem Bauträger optimieren", warb er um die Zustimmung.

Die bekam er dann mehrheitlich, wenn auch deutlich wurde, dass die Mitglieder im Ausschuss bis zur endgültigen Genehmigung schon noch ein bedeutendes Wörtchen mitzureden gedenken. Überhaupt nicht einverstanden mit dem Projekt hingegen zeigte sich am Mittwoch Veronika Niklaus für die Freien Wähler. Sie sieht durch den Neubau die Besitzer der benachbarten Einfamilienhäuser um ihren Lebenstraum betrogen.

"Die Bewohner im Kirschenweg können sich ihr Haus ja nicht auf den Rücken schnallen und wegtragen", sagte sie. Und sie fand drastische Worte für das Projekt: "Wir können hier nicht eine Raigeringer Nordwand errichten." Trotz der großen Skepsis gegenüber dem ersten Entwurf will der Bauausschuss mehrheitlich, dass das Aufstellungsverfahren für diesen vorhabenbezogenen Bebauungsplan erst einmal weitergeht. Zunächst werden in Kleinraigering aber die geforderten Höhengerüste aufgestellt.

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