27.04.2020 - 10:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Sudhang-Premiere beim Amberger Bergfest fällt heuer aus

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1000 Masskrüge aus Ton sind bestellt, das Malz für das Bier lagert im Keller. Doch seine Premiere als Bräu und Wirt beim Amberger Bergfest muss Arno Diener, Chef der Hausbrauerei Sudhang, wegen Corona auf nächstes Jahr verschieben.

Arno Diener in seiner Sudhang-Brauerei. Für ihn fällt in diesem Jahr die Premiere beim Amberger Bergfest aus.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Seit Jahren bewirbt sich Arno Diener mit seiner Sudhang-Hausbrauerei nun schon für das Amberger Bergfest. In diesem Jahr hat es jetzt endlich geklappt, die Kirchenstiftung der Mariahilfbergkirche hat ihm den Zuschlag erteilt. Der Hintergrund: Beim Bergfest sollen möglichst nur Amberger Brauereien zum Zuge kommen - mit Ausnahme der Brauerei Bischofshof, die sich in Besitz der Diözese Regensburg befindet und damit praktisch Hausrecht am Berg genießt.

Auch wenn Sudhang "nur" eine Hausbrauerei ist, im Prinzip nur ein Hobby von Arno Diener, so hat er in der Vergangenheit schon immer wieder größere und kleine Feste wie das Asphaltkapellenfest oder auch den Paradiesplatz beim Altstadtfest beliefert. Aber auch im Café Zentral oder am Radlbahnhof in Theuern wird sein Bier verkauft. "Ich hätte das locker geschafft", sagt Arno Diener selbstbewusst. Seiner Rechnung nach hätte er fast 100 Hektoliter Bier produzieren müssen, um die Nachfrage in seinem Sudhang-Zelt befriedigen zu können. Wobei das Weizen und die Limo für das Radler aus Zukäufen stammen würden.

Warum Sudhang beim Bergfest dabei sein sollte

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"Das Malz steht da, ab Ende April hätte ich gebraut", beschreibt Arno Diener seine eigentlichen Planungen für dieses Jahr. Doch nun bleibt der Sudkessel am Südhang wohl länger kalt. Denn statt Bergfest heißt es Schmalhans für Arno Diener. Nicht nur das Bergfest und andere Festln fallen aus, auch der Hausverkauf hat stark nachgelassen. Was Arno Diener wurmt. "Die Leute trinken jetzt eigentlich mehr, aber sie kaufen sich die bekannten Fernsehbiere." Ein Effekt, der sich seiner Ansicht nach auf alle Amberger Brauereien niederschlägt. "Den Leuten ist nicht bewusst, dass sie damit einen großen Schaden anrichten", sagt Arno Diener und verweist auf erste Insolvenzverfahren kleiner Brauereien im Fränkischen.

Gründe für die Absage des Bergfests

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Arno Diener wird es überleben, für ihn ist das Brauen nur zweites Standbein. Die Tonkrüge, die er hat machen lassen, sind auch im kommenden Jahr noch gut, das Malz kann ebenfalls aufgehoben werden. Festzelt, Garnituren sowie Kühl- und Schankanlage hätte er sich ohnehin nur ausgeliehen. "Das machen inzwischen fast alle so." Seine größte Sorge ist, dass er im Jahr 2021 nicht mehr genommen wird als Brauerei. Denn diese müssen sich - wie alle anderen Beschicker auch - Jahr für Jahr neu bewerben für das Amberger Bergfest.

Sudhang-Chef Arno Diener hatte sich so auf seine Bergfest-Premiere gefreut.

Ein Sorge, die nach Aussage von Franz Mertel, dem Vorsitzenden der Kirchenstiftung Mariahilfberg, aber unbegründet ist. Für 2021 will man nämlich eine Ausnahme machen und auf eine Bewerbungsrunde verzichten. "Alle, die heuer genommen worden wären, sind auch 2021 dabei", garantiert Mertel. Im November werde man abfragen, wer von den ausgesuchten Beschickern des Jahres 2020 auch 2021 kommen will. "Die haben natürlich ein gewisses Vorrecht, die sind automatisch dabei." Für Arno Diener - aber auch für alle anderen Brauereien, für die Bratwurstbrater, Bäcker, Süßigkeitenverkäufer und Devotionalienhändler besteht damit Planungssicherheit.

Die Folgen für die Kirchenstiftung:

Es fehlen rund 60 Prozent der Einnahmen

Nicht nur die kommerziellen Akteure beim Bergfest müssen in diesem Jahr einen kompletten finanziellen Ausfall hinnehmen, auch die Kirchenstiftung selbst erleidet heuer erhebliche Einbußen. Schließlich geht traditionell ein Teil der Erlöse des Bergfestes an das kirchliche Gremium, damit die anfallen Ausgaben für die Kirche und das Umfeld bestritten werden können.

"Wir sind ja schließlich zuständig für den Unterhalt von Kirche und Kloster und für den Berg", schildert Franz Mertel das Spektrum, das die Kirchenstiftung abzudecken hat. Das geht von Renovierungsarbeiten an der Kirche bis hin zur Entsorgung der Abfälle, die nicht immer legal am Mariahilfberg abgelegt werden. "Jetzt kommt beispielsweise wieder ein neuer Blumenschmuck, werden Geranien geliefert."

Nach den Schätzungen des ehemaligen Stadtkämmerers verliert die Kirchenstiftung in diesem Jahr rund 60 Prozent ihrer Einnahmen. Nicht nur durch das ausfallende Bergfest übrigens. Es werden derzeit ja auch keine Kollekten gemacht. "Uns fehlen rund 100000 Euro", überschlägt Franz Mertel die finanzielle Lücke. Geld, das die Kirchenstiftung nicht hat und das erst einmal zwischenfinanziert werden muss. "Wir werden das Bergfest 2020 mindestens noch zwei Jahre lang merken", macht Mertel die Dimensionen deutlich.

Was machen die Süßwarenhändler?:

Notfalls muss ein Bankkredit helfen

Leiden schon die Amberger Brauereien sehr schwer am Seuchenjahr 2020, so bleiben ihnen wenigstens noch die mehr oder weniger üppigen Einnahmen aus den Haus- und Getränkemarktverkäufen. Die haben die Süßigkeitenhändler nicht, die jedes Jahr von Fest zu Fest ziehen, auf jeder Kirwa zu finden sind und auch die Bergfeste beschicken. In Amberg sind es normalerweise die Familien Schmaußer und Illgner, die beim Bergfest ihre Süßwaren anbieten.

"Notfalls muss ein Kredit von der Bank helfen", bringt Petra Schmaußer das Dilemma für ihre Branche auf den Punkt. Der Familienbetrieb aus Ursensollen wurde von der Corona-Krise voll erwischt. Die Waren sind geordert und bezahlt, nach der Winterpause hätte am Wochenende mit dem Krügelmarkt in Amberg die Saison wieder angefangen. "Tatsächlich sind wir aber mindestens bis September lahmgelegt", sagt Petra Schmaußer. "Wir gehen davon aus, dass es in diesem Jahr gar nichts mehr wird", befürchtet sie eine Verlängerung der Festbeschränkungen in Sachen Corona.

Derzeit bemühen sich die Schmaußers um alternative Standorte, um die Verluste wenigstens ein bisschen abzufedern. Entsprechende Anfragen sind gestartet, definitiv ist aber noch nichts. "Notfalls stellen wir uns vor den eigenen Hof und verkaufen da", sagt Petra Schmaußer. "Das wäre aber die denkbar schlechteste Möglichkeit." Trotzdem laufen die Vorbereitung, falls sich in den kommenden Wochen doch noch eine Chance ergibt. Die Verkaufshänger werden mit Plexiglasscheiben gesichert, für das Verkaufspersonal müssen ausreichend Gesichtsschutz sowie Desinfektionsmittel und Gelegenheiten zum häufigen Händewaschen geschaffen werden.

Trotzdem wird es ein ziemlich dürres Jahr für Familie Schmaußer, da ist sich Chefin Petra sicher. Vor allem aber auch für ihre Angestellten, die während der Saison auf geringfügiger Basis arbeiten. Meist sind es Schüler oder Studenten. "Viele haben sich schon gefreut, dass sie nach dem Abitur bei uns auf dem Bergfest arbeiten können", erzählt Petra Schmaußer. Daraus wird nun nichts.

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