06.04.2021 - 15:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Teurer Streit um Computerspiel-Download

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Ein Unternehmen aus der Schweiz zieht gegen ein Amberger Ehepaar und dessen erwachsenen Sohn vor Gericht. Es geht um ein Computerspiel. Da können aus 20 Euro Kosten schnell 2000 Euro werden.

Wurde ein Computerspiel illegal heruntergeladen oder nicht? Darum geht es aktuell in einem Zivilprozess vor dem Amtsgericht in Amberg.
von Autor HWOProfil

Eines steht jetzt schon fest: Der bis zum Amtsgericht gelangte Streit wird richtig viel Geld kosten. Vier Rechtsanwälte sind mit der Wahrnehmung von Interessen beauftragt. Hinzu kommt jetzt auch noch ein Dolmetscher, der in einer zweiten Prozessrunde seinen Auftritt bekommt.

Mit der Klärung des nicht alltäglichen Falls ist Zivilrichterin Christine Apfelbacher beauftragt. Das gestaltet sich nicht einfach für die Juristin, die sich mit den Wegen befassen soll, die ein Computerspiel nahm. Es wurde vor sechs Jahren vermutlich unerlaubt heruntergeladen. Wäre das normal abgelaufen, hätte besagtes Spiel dem Vernehmen nach knapp 20 Euro gekostet.

Kläger ist ein mit Hauptsitz in der Schweiz niedergelassenes und international agierendes Medienunternehmen. Es hatte wohl durch Nachforschungen herausgefunden, dass das Spiel unbezahlt auf die PCs mehrerer Personen gelangte. Das sind nun die Beklagten: Ein Amberger Ehepaar und dessen erwachsener Sohn. Weil ein Anwalt nicht alle drei zivilprozessual beraten und begleiten kann, hat nun jeder einen eigenen Interessensvertreter.

Sinngemäß sagen die Leute, sie wüssten so recht nicht, wie das Spiel auf ihre Computer gelangte. Doch nicht nur dort, so führte die Anwältin der Medienfirma ins Feld, sei es geortet worden. Für sie lag nahe, dass es auch noch an andere weitergegeben wurde. Die nun vor der Zivilrichterin eingeklagte Rechnung ist heftig: Mit allen Gebühren, darunter auch die einer im Vorfeld erfolgten Abmahnung, will das Unternehmen knapp 2000 Euro.

Die Verhandlung, wegen der Teilnehmerzahl in Verbindung mit Corona-Vorschriften in einem großen Sitzungssaal geführt, war bereits weit vorangeschritten, als sich plötzlich eine nicht zu nehmende Hürde in den Weg stellte. Richterin Apfelbacher wollte den Familienvater vernehmen und merkte schon nach wenigen Sätzen, dass er ihren Ausführungen sprachlich kaum folgen konnte.

Der Mann, nicht in Deutschland geboren, war nur ansatzweise in der Lage, die Fragen der Vorsitzenden zu beantworten. "Das wird so nicht gehen", befand die Richterin. Denn schließlich wollte sie Sachverhalte wissen, "die ins Detail gehen". Hätte das nicht sein juristischer Interessensvertreter vorher wissen müssen? Anwalt Ekkehard Zink verneinte. "Wenn ich bisher mit ihm gesprochen habe, waren immer seine Angehörigen dabei."

So blieb vorerst ungeklärt, ob jemand die verlangten 2000 Euro tatsächlich zahlen muss. Die Causa Computerspiel wurde abgebrochen und beginnt, wenn ein Dolmetscher gefunden ist, von vorn. Dann allerdings mit zusätzlichen Kosten, die den Faktor der Auslagen weiter erhöhen werden.

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