06.10.2020 - 16:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Tödlicher Verkehrsunfall am Amberger OTV-Kreisel erneut vor Gericht

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Wenn die 3. Strafkammer des Landgerichts Amberg im November zu einem Verkehrsunfall und dessen Folgen verhandelt, wird sie das fast vier Jahre nach dem Ereignis tun. Es geht um einen Zusammenstoß, bei dem zwei Menschen starben.

Bei dem Unfall am Kreisverkehr beim OTV-Gebäude (links) kamen am 26. November 2016 zwei Menschen ums Leben.
von Autor HWOProfil

Diese Daten müssen genannt werden: Das spektakuläre und in ganz Bayern für Aufsehen sorgende Unglück geschah am 26. November 2016 um 10.36 Uhr an einem Kreisverkehr beim Amberger Katharinenfriedhof. Drei Jahre brauchte die Justiz, bis am 17. Dezember 2019 eine erste Verhandlung mit dem Urteil endete. Jetzt, ab Mittwoch, 4. November 2020, wird sich das Landgericht als Berufungsinstanz noch einmal mit dem Geschehen befassen.

Knapp vier Wochen vor Weihnachten 2016 vollzog sich am Kreisel vor dem Gebäude des lokalen Fernsehsenders OTV eine Tragödie: Aus zunächst unerfindlicher Ursache rammte ein stadteinwärts fahrendes Auto das Heck eines vorausfahrenden Wagens, der daraufhin in die Breitseite eines gerade am Kreisverkehr anhaltenden Pkw krachte.

Zwei Senioren sterben

Was folgte, war noch weitaus tragischer: Das unfallverursachende Fahrzeug überquerte die Mittelinsel des Kreisverkehrs und drückte etliche Meter weiter zwei zu Fuß des Weges kommenden Senioren an die Hausmauer des OTV-Senders. Der 81 Jahre alte Mann und die 83-jährige Frau starben noch am Unglücksort. Außerdem kamen mehrere Verletzte aus den beteiligten Autos ins Klinikum. Teile der Mauer stürzten ein.

Bei den Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft stellte sich heraus, dass der Verursacher seit langer Zeit an Epilepsie litt und sich bei ihm, als er mit seinem Wagen in die Innenstadt wollte, ein Anfall einstellte. Durch diese gesundheitliche Attacke wurde er handlungsunfähig und konnte keinen Einfluss mehr auf das Fahrverhalten seines Autos nehmen.

Vor dem Amberger Amtsrichter Ludwig Stich gab der Mann im Dezember 2019 den Sachverhalt zu und entschuldigte sich bei den Hinterbliebenen der Getöteten. In der zweitägigen Verhandlung musste er sich sagen lassen, dass er von seinem Leiden seit Jahren gewusst habe und sich trotzdem ans Lenkrad begab. "Sie haben sich über ärztlichen Rat hinweggesetzt", schrieb ihm bei dem Prozess der Leitende Oberstaatsanwalt Joachim Diesch kritisch ins Stammbuch. "Mein Mandant hat sich fit gefühlt und war wirksam eingestellt", entgegnete Verteidiger Christian Meisl (Regensburg).

Freiheitsstrafe zur Bewährung

Zwei Jahre Haft ohne Bewährung für den Unfallfahrer forderte der Leitende Oberstaatsanwalt in dem Verfahren. In krassem Gegensatz dazu stand der Antrag von Anwalt Meisl. Zum Zeitpunkt des Unglücks habe Schuldunfähigkeit vorgelegen, argumentierte er und verlangte Freispruch. Richter Stich verhängte dann zwar zwei Jahre Freiheitsentzug, er setzte diese Ahndung aber zur Bewährung aus.

Zum Urteil in diesem Fall

Amberg

Der Anklagevertreter legte daraufhin Berufung zum Landgericht ein. Das tat dem Vernehmen nach auch der Anwalt des Angeklagten. So gibt es nun einen weiteren Prozess. Diesmal vor der 3. Strafkammer des Landgerichts, die für Berufungen zuständig ist. Käme es in diesem Verfahren zu einer erneuten Verurteilung, bliebe dem 69-Jährigen nur noch der Weg in die Revision zum Oberlandesgericht.

Warum der Staatsanwalt in Berufung ging

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Aus der ersten Gerichtsverhandlung zum Unfall am OTV-Kreisel

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