20.03.2020 - 16:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Unternehmen in Amberg: Kurzarbeit und Home-Office

Das war absehbar: Das Coronavirus infiziert auch die Wirtschaft in der Region. Bänder stehen still, Mitarbeiter werden in Kurzarbeit geschickt. Für die Unternehmen ist aber ein anderes Thema vordringlich.

Am Parkplatz der Firma Siemens in Amberg sind derzeit nicht so viele Autos wie gewohnt. Etwa die Hälfte der Belegschaft arbeitet von zu Hause aus.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Die Coronakrise hat Grammer, Siemens, HKT und Co. längst erreicht. Teils brechen Aufträge über Nacht reihenweise weg, für einige Mitarbeiter gibt es kaum oder gar keine Arbeit mehr. Oder sie werden reihenweise in Home-Office geschickt. Für die Unternehmen eine wirtschaftliche Herausforderung in besonderem Maße. Dennoch steht für die Chefs, Personalleiter und Betriebsräte vor allem eines im Vordergrund: Die Gesundheit der Menschen.

Das betonten etwa Adolf Hienz und Manuela Schriml, Geschäftsführer und Personalleiterin von HKT Kunststofftechnik. "Es ist entscheidend, dass alle gesund bleiben", erklären sie unisono. Dabei trifft es das mittelständische Unternehmen mit Sitz in der Fuggerstraße heftig. Da sie Design-Kunststoffteile für die Automobilbranche liefern, vor allem Daimler, stehen die Bänder still. "Wir haben die Aufträge über Nacht verloren", berichtet Hienz.

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Deshalb reagiert die Firma und meldet Kurzarbeit an. Betroffen sind 55 Festangestellte, davon allerdings einige 450-Euro-Kräfte, die leer ausgehen. 32 Mitarbeiter bekommen aber 60 beziehungsweise 67 Prozent ihres Nettogehalts weitergezahlt. Die drei Auszubildenden bei HKT sind laut Schriml nach Hause geschickt worden und seien mit Lernaufgaben eingedeckt. Die Regelung gilt erstmal bis zum 19. April. Wie es danach weitergeht, lässt sich schwer sagen, da das Unternehmen eben stark von der Automobilbranche abhängig ist. Geschäftführer Hienz zeigte sich aber zuversichtlich, dass sich die Situation auch wieder entspannen wird und erklärte: "Wenn der jetzige Zustand nicht länger als zwei Monate dauert, haben wir das im Griff." Grammer beschloss, ihre Produktion einzuschränken oder zu stoppen. Was das konkret bedeutet? In Zeiten von Corona nicht so einfach zu beantworten, erklärt Horst Ott, der im Aufsichtsrat sitzt. Eine "sehr seriöse Kurzarbeiterregelung" sei jedenfalls in Kraft getreten. Durch sie können die Arbeitnehmer etwa 80 Prozent ihres Nettogehalts weiter beziehen. Aktuell sind die 2100 Beschäftigten in der Region noch nicht betroffen. Zumal für die Mitarbeiter in der Konzernzentrale in der Krise mehr Arbeit zukommt. Judith Uhlmann, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und Konzernbetriebsratsvorsitzende, erklärte, dass die Kurzarbeit erstmal vor allem an anderen Standorten in Deutschland kommt. Allerdings dürften vor allem die Mitarbeiter in Schafhof auch bald betroffen sein, da sie sehr von der Automobilbranche abhängig arbeiten. Hier gelte es aber, zu allererst die Überstundenkonten anzusehen.

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Siemens-Pressesprecher Bernhard Lott sagte auf Nachfrage: "Die Produktion läuft, wir sind arbeitsfähig." Aktuell hätten vor allem die Themen Gesundheit und Sicherheit höchste Priorität. Deshalb sollen derzeit auch so viele Mitarbeiter wie möglich von zu Haue aus arbeiten. "Ganz grob ist etwa die Hälfte des Standorts in Home-Office", berichtet Lott.

Horst Ott, der auch als Bevollmächtigter der IG Metall Amberg fungiert, versteht, dass aktuell eine riesige Unsicherheit bei den Menschen herrscht. Der Fokus liege derzeit auf dem Virus, das es in den Griff zu bekommen gelte. "Die Kunst wird sein, dass es nicht uns beherrscht, sondern wir die Krise beherrschen", erklärt er.

Für die Grammer-Mitarbeiter sind die Verhandlungen bereits abgeschlossen, die regeln, wie viel Geld es bei Kurzarbeit gibt.
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