19.08.2021 - 16:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Vandalismus am Mariahilfberg hat Konsequenzen für Besucher

In letzter Zeit nimmt die Verschmutzung am Amberger Mariahilfberg immer mehr zu. Hinzu kommen nun auch Sachbeschädigung und Vandalismus. Die Kirchenverwaltung möchte deshalb neue Einschränkungen für Besucher einführen.

Die Sachbeschädigungen am Mariahilfberg nehmen zu. Der Handlauf an der Mariahilfbergkirche wurde aus der Verankerung gerissen.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Der Kirchenpfleger am Mariahilfberg, Franz Mertel, ist frustriert. Jeden Morgen müssen der Parkplatz und der Bereich vor dem Freialtar von achtlos weggeworfenem Verpackungsmüll und Unrat befreit werden. Allein an den Wochenenden komme täglich ein großer Müllbeutel zusammen. "Die Leute werden immer rücksichtsloser", sagt Mertel. Er habe nichts dagegen, wenn die Menschen am Abend auf den Berg fahren um dort mit schöner Aussicht ein Bier oder mitgebrachtes Essen zu genießen. Aber, dass die Besucher dann ihre Fastfood-Verpackungen einfach achtlos aus dem Autofenster werfen oder neben Bänken liegenlassen, dafür habe er kein Verständnis.

Laut Mertel habe es schon immer rücksichtslose Bürger gegeben, die ihren Müll einfach auf dem Berg entsorgen. Aber seit Corona, und vor allem in den letzten Monaten, wurde der Müll immer mehr. Auch an anderen beliebten Ausflugszielen im Landkreis Amberg-Sulzbachdem wie dem Frohnberg, dem Kreuzberg und dem Erzberg in Amberg häufen sich in letzter Zeit die Beschwerden über zu viel Müll. Das Forstamt der Stadt Amberg hat bereits an die Vernunft der Bürger appelliert. Am Mariahilfberg wurde die Situation seit Mitte Juli aber noch extremer. Laut Mertel kamen zu dem Müllproblem auch noch Sachbeschädigungen und Vandalismus an der Wallfahrtskirche Maria Hilf hinzu.

Sachbeschädigung und Vandalismus

"Es macht mich nicht nur traurig sondern wütend", sagt Mertel. Allein in den letzten vier Wochen wurden an verschiedenen Tagen die Grünanlagen beschädigt. Der Handlauf zum Hauptportal wurde aus der Verankerung gerissen, ebenso der Türknauf am Hauptportal. Der Abfluss des Franziskusbrunnen am Treppenaufgang zur Wallfahrtskirche wurde von Unbekannten verstopft. Die Absperrpfosten bei der Zufahrt zur Grabkapelle wurden umgedrückt, um gegen Mitternacht mit dem Auto eine Runde um die Grabkapelle drehen zu können.

Die Grabkapelle war ebenfalls vom Vandalismus betroffen. Alkohol und Wachs der Opferkerzen wurden auf den Fußboden und an den Wänden vergossen, sakrale Figuren beschädigten und eine kleine Madonnenfigur entwendet. Außerdem wurde versucht, einen Karton mit Opferkerzen in Brand zu setzen. "Nicht auszudenken, wenn das gelungen wäre", sagt Mertel fassungslos.

Konsequenzen für Besucher

Der Kirchenpfleger spricht den vier Patern am Mariahilfberg seinen Respekt aus: "Mit ihrer Engelsgeduld sorgen sie jeden Morgen dafür, dass unser Berg nicht zur Müllhalde verkommt und die angerichteten Schäden soweit möglich beseitigt werden." Diese vier Mitbrüder der polnischen Franziskaner seien eigentlich nach Amberg gesandt worden, um auf unserem Mariahilfberg die Wallfahrtstradition zu erhalten und täglich Gottesdienste auf dem Berg zu halten. Um das Müllproblem und Sachbeschädigungen sollten sie sich laut Mertel nicht kümmern müssen. Deshalb appelliert er an die Vernunft der Besucher: "Sollten sich die Zustände nicht bessern, werden wohl Beschränkungen eingeführt, um dieses unsoziale, egoistische Verhalten und Anspruchsdenken in den Griff zu bekommen." Eine erste Einschränkung gibt es bereits für die Besucher der Wallfahrtskirche. Nach den Vandalen in der Grabkapelle und an der Kirche werden diese bereits ab 18 Uhr geschlossen. Vorher waren diese bis 20 Uhr geöffnet.

Die Verantwortlichen für die Sachbeschädigung konnten Polizei und Kirchenverwaltung bisher nicht ausfindig machen. "Dafür müsste man die ganze Zeit am Berg auf der Lauer liegen", sagt der Kirchenpfleger. Aber die Kirchenverwaltung spiele bereits mit dem Gedanken Überwachungskameras auf dem Gelände zu installieren. Auch über eine Parkplatzsperre in der Nacht wird laut Mertel nachgedacht. "Das könnte für einen Riesenaufschrei bei den Besuchern sorgen", sagt Mertel. Deshalb hoffe er, dass sich die Vorfälle nicht wiederholen. Sonst werden "die vernünftigen Besucher des Berges die Leidtragenden sein."

Forstamt Amberg ärgert sich über Müll auf dem Mariahilfberg

Amberg

Auch auf dem Amberger Erzberg gibt es ein Müllproblem

Amberg

Die Wirtschaft am Mariahilfberg bleibt weiterhin geschlossen

Amberg
Kommentar:

Randaliert doch lieber Zuhause

Leere Fastfood-Tüten, weggeworfene Flaschen und anderer Unrat - der Müllberg bei Maria Hilf wächst täglich. Dieses Verhalten mancher Besucher ist rücksichtslos und unsozial. Bereits Kinder lernen: Wenn man in der Natur unterwegs ist, nimmt man seinen Müll wieder mit. So schwer ist das nicht. Sachbeschädigung und Vandalismus ist nun eine ganz neue Dimension. Wir wissen nicht, ob es Jugendliche waren, die auf der Suche nach Abwechslung vom Alltag sind - Clubbesuche sind momentan ja nicht möglich. Vielleicht waren es auch frustrierte Erwachsene. Oder alkoholisierte Draufgänger. Ganz egal. Auch das lernen eigentlich schon Kinder: Fremdes Eigentum beschädigt man nicht. Es kann nicht sein, dass durch den Egoismus und das Fehlverhalten einzelner Personen andere zurückstecken müssen. In diesem Fall sind die Leidtragenden Wallfahrer und friedliche Besucher, die einfach nur die schöne Aussicht des Berges genießen wollen. An all die Vandalen da draußen: Reißt euch zusammen oder randaliert Zuhause.

Mareike Schwab

Info:

Projekt Bergwirtschaft

Seit dem 19. Juli 2020 ist die traditionsreiche Wirtschaft auf dem Mariahilfberg geschlossen. Generationen von Ambergern und Besuchern der Stadt tranken dort gerne ihren Kaffee, verzehrten die legendären Windbeutel der Pächter-Familie Erras und genossen den atemberaubenden Blick über die Stadt. Jetzt müssen sich die Amberger eine Alternative suchen. Viele fahren trotzdem den Berg hoch und genießen dort ihre mitgebrachten Speisen und Getränke. Wie lange sie auf die Wiedereröffnung der Wirtschaft warten müssen ist noch unklar. Der Investor, Michael Fellner, möchte das marode Gebäude aufwendig sanieren. Gegen die von Fellner vorgelegten Sanierungs- und Erweiterungspläne hat sich aber die Interessengemeinschaft (IG) Unser Berg gegründet. Einen Bürgerentscheid lehnte der Stadtrat jedoch ab. Doch die IG Unser Berg lässt nicht locker. Gegen den Beschluss des Stadtrats reichten sie Klage beim Verwaltungsgericht Regensburg ein. Eine Entscheidung des Gerichts ist aber immer noch nicht absehbar.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.