03.12.2021 - 14:14 Uhr
AmbergOberpfalz

Dem Wasser im Stadtarchiv keine Chance mehr geben

Der Wasserschaden im Amberger Stadtarchiv vom Februar dieses Jahres hat wohl nicht nur ein juristisches sondern auch ein bauliches Nachspiel. Damit sich die Katastrophe nicht wiederholt, muss nachgebessert werden.

Über verschiedene Kanäle bahnte sich das Wasser in der Nacht von 15. auf 16. Februar seinen Weg ins neue Stadtarchiv. Jetzt soll das Gebäude baulich nachgerüstet werden, um eine Wiederholung zu verhindern.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Letztlich waren es "nur" gut 30 Kubikmeter Wasser, die in der Nacht von 15. auf 16. Februar dieses Jahres aus einer undichten Leitung im Dachgeschoss des neuen Stadtarchivs am Paulanerplatz gelaufen sind. Von diesen 30 Kubikmetern ist wiederum nur ein kleiner Teil in das eigentliche Archivgebäude eingedrungen, das sich nach dem Prinzip Haus im Haus im alten Wagenhaus der Kurfürsten befindet. Reines Glück also, dass sich die Schäden an den zum Teil unersetzlichen historischen Dokumenten noch im "glimpflichen" Rahmen bewegen.

Aber was wäre gewesen, wenn die undichte Leitungsverpressung, die Ursache für das Unglück war, nicht rechtzeitig entdeckt worden wäre? Was ist, wenn so etwas noch einmal passieren sollte? Oder wenn es im historischen Dachstuhl des Archivs brennt und die Feuerwehr den Flammen mit einem massiven Löschwassereinsatz zu Leibe rückt? Ist Ambergs Stadtgeschichte dann mit einem Schlag vernichtet? Soweit soll und darf es nicht kommen. Das an sich neue Archivgebäude soll für so einen Fall zusätzlich ertüchtigt werden. Auf welche Weise, das erläuterte am Mittwoch der Leiter des städtischen Hochbauamts, Hubert Meier, dem Bauausschuss.

Es besteht Handlungsbedarf

Der sachliche Teil – nämlich die reine Information – lief am Mittwoch im öffentlichen Teil der Sitzung, die – sicher emotional aufgeladene – Aussprache war in den nichtöffentlichen Teil gelegt worden. Trotzdem wurde im Bauausschuss deutlich: Es besteht Handlungsbedarf, will man sich nicht der Gefahr aussetzen, das Ganze könnte sich wiederholen oder gar in einer Katastrophe enden.

Um das zu verhindern, haben die städtischen Hochbauer einen umfangreichen Maßnahmenkatalog ausgearbeitet, der auf den inzwischen gesammelten Erkenntnissen beruht, warum überhaupt Wasser in den eigentlichen Archivbau eindringen konnte. "Schwachpunkt" Nummer eins war nach Einschätzung von Hubert Meier die Betondecke des inneren Hauses selbst. Sie zeigte an einigen Stellen Schwachpunkte, an denen Wasser durch die Decke fließen konnte. Diese Punkte müssen beseitig werden, zusätzlich sollen "Wasserspeier" dafür sorgen, dass Flüssigkeit sofort ablaufen kann, die sich auf der Betondecke sammelt.

100 Prozent Sicherheit nicht möglich

Ein kleineres Problem stellt das barrierefreie Treppenhaus im Gebäude dar. Das kann künftig im Gegenteil dazu genutzt werden, einfließendes Wasser in den alten Brauereikeller darunter abzuleiten und damit von den sensiblen Archivalien fern zu halten. Wäre dann noch die sogenannte Technikbox im Dach, über deren Leitungsverbindungen ebenfalls Flüssigkeit ins Gebäude gekommen ist. Auch sie muss ertüchtigt und vor allem dicht gebracht werden.

"Baulich werden wir eine 100-prozentige Sicherheit wahrscheinlich nicht erreichen können", sagte Hubert Meier am Mittwoch im Bauausschuss. Ziel muss es aber möglichst sein, ziemlich nah an diese 100 Prozent heranzukommen. Dass das auch in der Umsetzung und bei laufendem Archivbetrieb nicht ganz einfach werden wird, räumte Meier ebenfalls ein. "Wir müssen da unter Reinraumbedingungen arbeiten", so sagte er. Kompliziert werde es sicher auch, in dem engen Gebäude Gerüste aufzustellen. Am Ende müsse dann auch noch sichergestellt werden, dass das Stadtarchiv künftig an ein permanentes Warnsystem angeschlossen wird. Beispielsweise bei der Feuerwehr – aber auch das müsse abschließend erst geklärt werden.

Wer bezahlt das alles?

"Wir müssen uns die Frage stellen, welches Sicherheitsniveau wir schaffen wollen", gab Meier den Stadträten als eine Art Hausaufgabe mit auf den Weg. Vorsichtshalber nannte er gleich einmal eine Geldsumme, mit der die Stadt Amberg da zu rechnen hat: 670.000 bis 750.000 Euro. Wofür es möglicherweise noch nicht einmal einen staatlichen Zuschuss geben wird. "Weil der Freistaat kann ja nicht aus öffentlichen Mitteln Fehler ausbügeln, die von anderen gemacht worden sind", machte Oberbürgermeister Michael Cerny deutlich. Womit der Bauausschuss eigentlich schon bei dem Thema angelangt was, das ihn im nichtöffentlichen Teil dann beschäftigen sollte: Wer soll das bezahlen? "Irgendwer muss ja dafür gerade stehen", warf Hans-Jürgen Bumes (Grüne) noch im öffentlichen Teil die zentrale Frage auf.

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Das neue Amberger Stadtarchiv. Das Gebäude wurde als Haus im Haus in das alte Wagenhaus der Kurfürsten eingebaut.

"Baulich werden wir eine 100-prozentige Sicherheit wahrscheinlich nicht erreichen können."

Hubert Meier, Leiter des städtischen Hochbauamts

 

 

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