12.06.2021 - 15:16 Uhr
AmbergOberpfalz

Wasserschaden am Max-Reger-Gymnasium Amberg: Jeder zweite Internatsschüler zieht um

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Zehn Tage nach dem Wasserschaden im Amberger Max-Reger-Gymnasium ist das Ausmaß nun bekannt. Im Westflügel müssen auf vier Etagen die Decken erneuert werden. Auch das Internat ist betroffen. Etwa die Hälfte der Schüler muss nun umziehen.

Diese Fünftklässlerin ist eines von 28 Kindern, die wegen des Wasserschadens im Internat des Max-Reger-Gymnasiums umziehen müssen.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Aufmerksamen Nachbarn ist es zu verdanken, dass der Wasserschaden im Amberger Max-Reger-Gymnasium (MRG) überhaupt entdeckt wurde. Anwohner hatten sich am Feiertag Fronleichnam, 3. Juni, mitten in den Pfingstferien bei der Polizeiinspektion Amberg gemeldet, weil ihnen an den Fassaden entlang der Kugelbühlstraße überdimensionale nasse Stellen aufgefallen waren. Die Ursache stand schnell fest: In der Heizungsanlage im 4. Stock hatte sich ein Schlauch gelöst. Laut Schulleiter Georg Meyer bahnten sich mindestens 30.000 Liter ihren Weg durch das 2008 sanierte Gebäude.

Als der Schaden bekannt war, musste alles sehr schnell gehen: Der betroffene Abschnitt wurde sofort vorsorglich gesperrt. Der Schulbetrieb konnte am Montag, 7. Juni, dennoch regulär starten. Mit einer Ausnahme. Die etwa 50 Oberstufenschüler aus der Q11 wechselten in das 1723 erbaute Bergamt am Malteserplatz, um dort unterrichtet werden zu können. Am Wochenende ließ Schulleiter Georg Meyer wissen, dass am Mittwoch ein Sachverständiger in der Schule war, um ein Gutachten zu erstellen, auf dessen Grundlage ein Sanierungskonzept ausgearbeitet werden soll: "Wir haben gehofft, dass wir bis zu den Ferien durchhalten können, aber das ist nicht der Fall. Wir müssen den Gebäudeteil räumen." Davon betroffen ist nun in erster Linie das Internat, das Michael Meier leitet.

Spezialfirma aus Nordrhein-Westfalen

Während Arbeiter der Spezialfirma Polygonvatro aus dem nordrhein-westfälischen Olpe damit beschäftigt waren, Trocknungsgeräte im gesamten Westflügel zu platzieren, fand der Internatsleiter Zeit für ein Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Eine der ersten Aussagen: "Jetzt müssen alle etwas enger zusammenrücken." Denn von aktuell 55 Internatsschülern leben 28 in Zimmern, in denen es einen Wasserschaden gibt beziehungsweise Trocknungsgeräte aufgestellt werden müssen. Die Kinder müssen nun hausintern umziehen. Laut Michael Meier ist das kein großes Problem: Aus Doppelzimmern, die trotz des Vorfalls genutzt werden können, werden nun Dreierzimmer. Außerdem gibt es im MRG drei Zimmer, die für junge Leute reserviert sind, die in Sulzbach-Rosenberg die Berufsschule besuchen. Wer von weiter weg kommt, muss nach Unterrichtsende nicht nach Hause fahren, sondern kann in Amberg übernachten. Oder besser gesagt: konnte. Denn: "Diese Schüler können wir bei uns momentan nicht unterbringen, weil wir die Zimmer für unsere Schüler selbst benötigen." Weil das alles zusammen noch nicht reichte, baute Michael Meier mit seinen Kollegen den Aufenthaltsraum neben der Internatsküche kurzerhand zu einem Schlafraum für drei Jungs um.

Trocknungsgeräte in den Schlafzimmern

Der Internatsleiter blickte am Wochenende eine Woche zurück: "Am Donnerstag war der Schaden, am Sonntag kamen die Schüler aus den Ferien und haben als Erstes erfahren, dass es einen Wasserschaden gibt." Die Kinder bezogen ihre Zimmer dennoch, weil der Gutachter erst für Mittwoch angekündigt war. Danach hieß es: "Raus aus den Zimmern. Die Trocknungsgeräte müssen laufen." Zwar hätten die Gymnasiasten in ihren gewohnten Räumen bleiben können, weil es laut Michael Meier keine gesundheitlichen Bedenken gegeben hätte, aber: "Die Trocknungsgeräte sind relativ laut und müssen Tag und Nacht laufen." Das habe den Schülern niemand zumuten wollen. Was dem Leiter des Internats dabei stets wichtig war und ist: "Bei uns stand dennoch das Pädagogische im Vordergrund. Zum ersten Mal waren alle wieder zusammen und dann das." Er habe befürchtet, dass die wegen der Wiedersehensfreude gute Stimmung kippen könnte, aber genau das Gegenteil sei der Fall gewesen: "Die Kinder haben's eher sportlich genommen. Das war für sie eher ein Abenteuer. Das Abenteuer Umzug." Die Mädchen und Buben hätten sich bereits an die neue Situation gewöhnt und wüssten, dass sich bis zu den Sommerferien, die am 30. Juli beginnen, voraussichtlich auch nichts ändern wird: "Bis dahin wird das alles noch auf jeden Fall dauern. Die Schüler haben sich darauf schon eingestellt."

Warten auf Gutachten und Sanierungskonzept

Dass sich die Sanierung bis in die Sommerferien und sogar darüber hinaus erstrecken wird, glaubt auch Roman Beer, der Leiter des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach. Da es sich beim Max-Reger-Gymnasium um eine staatliche Schule handelt, ist nicht die Stadt als Sachaufwandsträger im Schadensfall zuständig, sondern Beers Behörde, in der es nach dem Gutachterbesuch vom Mittwoch einen ersten Überblick gibt. Als vorrangigste Maßnahme sei die Elektronik wieder auf Vordermann gebracht worden. So mussten laut Beer zum Beispiel die Sicherungen erneuert werden. Wenig später stand fest: „Zum Glück sind die Wände verschont geblieben.“ Auch wenn es von außen zunächst nicht so ausgesehen habe. Schäden seien dennoch vorhanden, und zwar in allen Decken auf allen Etagen des Westflügels: „Da stand das Wasser drin.“

Wie es nun weitergeht? Der Sachverständige sei zwar am Mittwoch vor Ort gewesen, das Gutachten aber noch nicht fertig. „Das müssen wir abwarten, um daraus dann ein Sanierungskonzept zu entwickeln.“ Gehandelt werden müsse aber schon jetzt, denn die Wärme- und Schalltrittdämmung sei aufgeweicht. Laut Roman Beer ist die Bestandsaufnahme insofern abgeschlossen: „Jetzt beginnt die Auswertung.“ Die erste Maßnahme: „Wir müssen schauen, dass wir die Feuchtigkeit aus dem Gebäude bekommen. Die Geräte müssen Tag und Nacht laufen“ – weshalb 28 der 55 Internatsschüler umziehen mussten. Beer: „Wir möchten die Belastungen für Schüler und Schulbetrieb so gering wie möglich halten. Aber das haben wir im Griff.“

Zeitplan noch nicht in Sicht

Ein Problem gebe es dennoch. Eigentlich eher zwei: „Ich weiß gar nicht, ob ich so schnell die Firmen bekomme, und selbst wenn, ob die Firmen so schnell die Materialien bekommen, die sie benötigen.“ Stichwort Baustoffmangel. Natürlich wäre es sinnvoll, die Ferienzeit für die Arbeiten zu nutzen, aber ob das so machbar ist, stehe jetzt noch nicht fest: „Das werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.“ Nun gehe es darum, auf das Gutachten zu warten, um dann die Aufträge ausschreiben zu können. So lange das nicht geschehen ist, gibt es im Internat des Max-Reger-Gymnasiums noch Dreier- statt Zweierzimmer. Und Betten im Aufenthaltsraum neben der Küche.

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Die Kinder haben's eher sportlich genommen. Das war für sie eher ein Abenteuer. Das Abenteuer Umzug.

Michael Meier, Leiter des Internats am Max-Reger-Gymnasium Amberg

 

 

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