19.07.2021 - 13:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Wegen Cannabispflanze: Acht Monate auf Bewährung

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Das vom Gesetzgeber vorgegebene Limit einer "nicht geringen Menge" war mit knapp 170 Gramm Cannabisprodukten überschritten. So wurde dann aus der Aufzucht einer einzigen Hanfpflanze tatsächlich ein Verbrechenstatbestand.

Wegen einer Cannabispflanze musste ein 51-Jähriger sich vor Gericht verantworten.
von Autor HWOProfil

Der 46-Jährige, jetzt auf die Anklagebank vor das Amberger Schöffengericht zitiert, hatte im März vergangenen Jahres ein paar Cannabissamen in einem Gewächshaus mit Erde bedeckt. Nur eines der Körnlein ging auf. Es wuchs und wuchs. Als Sulzbach-Rosenberger Polizisten zu einer Nachschau kamen, stand da eine Art stattlicher Busch. Fotos davon konnten sich die Richter jetzt ansehen.

Zunächst war unklar, wem dieser grüne Hanf-Riese gehörte. Doch dann offenbarte sich: Es musste sich wohl um einen 46-Jährigen handeln, der gleich daneben wohnte. Die Ermittler setzten zu einer Wohnungsdurchsuchung an, sahen sich auch im Kellerabteil um. Ergebnis: Knapp 170 Gramm verwertbares Marihuana-Material kam ins Sicherstellungsverzeichnis.

Vor dem Schöffengericht gab sich der 46-Jährige jetzt als Besitzer der Ein-Pflanzen-Plantage zu erkennen. Dies geschah mit dem Hinweis darauf, ausschließlich für den Eigenbedarf den zu stolzer Größe geratenen Hanf-Spross gehegt und gepflegt zu haben. Ein Handel mit gewonnenem Marihuana sei nie beabsichtigt gewesen, erfuhr die Gerichtsvorsitzende Kathrin Rieger.

Die Strafsache war in zwei Stunden verhandelt. Allerdings mit erstaunlichen Erkenntnissen für juristische Laien. Wer zuhörte, nahm zur Kenntnis: Die vom Gesetzgeber als Obergrenze vorgegebene „geringe Menge“ war überschritten. Von daher handelte es sich um den Tatbestand eines Verbrechens.

„Für mich erkennbar ein minderschwerer Fall“, ließ Staatsanwalt Holger Bluhm in seinem Schlussvortrag anklingen. Dieser Umstand, so der Anklagevertreter, führe dazu, dass die Ahndung für den bis dahin nicht vorbestraften Arbeiter unter einem Jahr Haft bleiben könne. Sein Antrag: Zehn Monate Gefängnis mit Bewährung und 3000 Euro Geldauflage. Das Schöffengericht blieb unter dieser Forderung. Es verhängte acht Monate mit Bewährung, setzte 2000 Euro Auflage hinzu und schickte den 46-Jährigen zu mehreren Gesprächen bei der Suchtberatung. „Mit Geldstrafe kann das nicht abgehen“, sagte Richterin Rieger in der Urteilsbegründung. „Denn so harmlos war es nun auch wieder nicht.“

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