09.04.2020 - 16:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Wenig Pilze im Wald: Morcheln fehlt Wasser

Es herrscht Schwammerl-Flaute im Wald. Pilzsachverständiger Herbert Baumanis weiß warum. Er erklärt auch, welche Pilze gerade wachsen und wie man sie von giftigen Doppelgängern unterscheidet.

Pilz-Experte Herbert Baumanis bei einem seiner Streifzüge durch den Wald. In der Hand hält er ein Kuhmaul, einen Verwandten des Steinpilzes. Doch bis dieser Pilz wächst, ziehen noch ein paar Monate ins Land.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Herbert Baumanis ist grundsätzlich jemand, der gerne Spaziergänge macht - völlig unabhängig von Corona. Seine ausgedehnten Streifzüge führen ihn vor allem in den Wald. Kein Wunder, denn die große Leidenschaft des Ambergers sind die Schwammerln. Herbert Baumanis ist Pilzsachverständiger der deutschen Gesellschaft für Mykologie. Und weiß natürlich, was derzeit draußen in den Wäldern wächst. Drei Fragen an den Schwammerl-Experten.

ONETZ: Wie sieht’s draußen im Wald mit den Schwammerln aus?

Herbert Baumanis: Schlecht, mehr als schlecht. Es fehlt einfach das Wasser. Das letzte Mal geregnet hat es am 10. März, rund acht Liter. Aber was ist das schon? Diese Menge an Wasser reicht gerade mal fürs Grabgießen. Momentan ist es so, dass die Waldbrandgefahr deutlich größer ist, als dass man Pilze findet.

ONETZ: Was würde denn jetzt um diese Zeit schon wachsen?

Herbert Baumanis: Momentan Spitzmorcheln. Wenn man die Plätze dafür kennt, würde man sie normalerweise ohne Ende finden. Bei einem meiner letzten Spaziergänge im Wald habe ich welche gesehen. Aber sie hatten erhebliche Trockenschäden. Ein noch früherer Pilz als die Spitzmorchel ist der März-Schneckling - ein schöner, aber eher unbekannter Pilz. Er ist zwar ein Speisepilz, ist aber streng geschützt. Und etwa 14 Tage nach der Spitzmorchel wächst dann auch die Speisemorchel. Sie bevorzugt Auenwälder. Mal sehen, ob ich sie demnächst bei Waldspaziergängen entdecke - sicher bin ich mir aber nicht. Man muss auch bedenken, dass es in der vergangenen Woche nachts teilweise minus sechs Grad hatte. Solche Temperaturen mögen Pilze überhaupt nicht.

ONETZ: Lässt sich jetzt schon sagen, wie gut oder schlecht heuer das Pilzjahr sein wird?

Herbert Baumanis: Zum momentanen Zeitpunkt kann man das überhaupt noch nicht sagen. Das Myzel, also das unter der Erde wachsende Pilzgeflecht, hält sehr lange Trockenheit aus. Ein gutes Tiefdruckgebiet, das uns zwei Tage Schnürchenregen beschert, wäre optimal. Wenn es zwei Tage am Stück so richtig schüttet, würde sich die Erde im Wald gut von der Trockenheit erholen. Interessant für Otto Normalverbraucher wird es Ende Juni, wenn die Pfifferlinge wachsen. Sie mögen Gewitterregen. Wenn es warm ist, viel regnet und die Wälder so richtig dampfig sind: Das liebt das Eierschwammerl. Ein früher Steinpilz ist der Kiefern-Steinpilz. Er wächst nicht vor Anfang Juni.

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Morcheln und Lorcheln:

Verwechslung kann gefährlich werden

Wer Speisemorcheln sammeln will, muss unbedingt die Giftlorcheln als deren gefährliche Doppelgänger kennen, sagt Herbert Baumanis aus Amberg. Denn eine Verwechslung der beiden Pilze, die auch zur gleichen Zeit wachsen, könne fatale Folgen haben. „Die Giftlorchel ist ein potenziell tödlich-giftiger Pilz“, sagt der Experte.

Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist nach Angaben des Pilzsachverständigen der deutschen Gesellschaft für Mykologie der Hut. Die Morchel, die im übrigen ein sehr hochwertiger Speisepilz ist, hat einen wabenförmigen Hut. Die Giftlorchel hingegen hat einen Hut, der aussieht wie Hirnwindungen, erklärt Herbert Baumanis.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, dass der Fruchtkörper der Morchel hohl ist. Der Experte weiß, dass viele Feinschmecker diesen hervorragenden Speisepilz sehr schätzen und bereit sind, horrende Preise dafür zu zahlen. So können für 100 Gramm getrocknete Morcheln durchaus auch 50 Euro und mehr fällig werden. Die Morchel, die von März bis Mai wächst, ist auf kalkhaltigen Böden, häufig in Auenwäldern anzutreffen und schätzt die Nähe von Eschen.

Die Frühjahrs-Giftlorchel braucht saure Sandböden, ihr bevorzugter Standort sind Kiefernwälder, berichtet Baumanis. Eindringlich warnt er vor der Giftigkeit dieses Pilzes. Der Pilz hat Gyromitrin, ein Nerven- und Zellgift. Die Vergiftungssymptome nach dem Verzehr ähneln denen von grünen Knollenblätterpilzen. Mit rund zehn Stunden sei die Latenzzeit außerdem sehr lange. Baumanis verweist darauf, dass es vereinzelt schon Todesfälle gegeben habe. (san)

Eine bei Feinschmeckern geschätzte Delikatesse: die Speisemorchel.
Obacht: Die Giftlorchel hat einen Hut, dessen Windungen an das menschliche Gehirn erinnern.
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