18.07.2021 - 09:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Warum es weniger regnet und trotzdem die Gebühren für Niederschlagswasser steigen

Sinkende Regenmengen und gleichzeitig steigende Gebühren für das Oberflächenwasser in der Stadt Amberg – das passt irgendwie nicht. Oder vielleicht doch, wie sich bei einem genaueren Hinsehen zeigt.

Drei Jahrzehnte intensive Nutzung sieht man der Kläranlage in Theuern deutlich an. Die Kosten für die Auffrischung schlagen sich natürlich auch in den Abwassergebühren nieder.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Heuer mag nach dem bisherigen Verlauf eine Ausnahme werden. Doch tatsächlich ging auch in Amberg in den vergangenen Jahren die Niederschlagsmenge zurück. Gut 700 Liter Regen und Schnee werden im langjährigen Mittel (Quelle: Deutscher Wetterdienst) in der Wetterstation Unterammersricht erfasst. In den Jahren 2018 bis 2020 waren es aber zum Teil deutlich weniger, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Trotzdem müssen die Amberger seit diesem Jahr eine höhere Gebühr für das Niederschlagswasser bezahlen. Die stieg von 40 auf 43 Cent pro Quadratmeter und Jahr. Das passt aber nur auf den ersten Blick nicht zusammen.

Egal, wie viel es regnet

Denn tatsächlich hat die Berechnung der Niederschlagswassergebühren erst einmal nichts damit zu tun, wie viel es regnet. Erste Grundlage dafür ist vielmehr die Anzahl der versiegelten Quadratmeter auf dem eigenen Grundstück. Die Stadt Amberg errechnet diese regelmäßig über die Auswertung von Luftbildern oder Drohnenaufnahmen. Zweite Basis ist die Tatsache, dass die Abwasserbeseitigung laut Kommunalabgabengesetz kostendeckend sein muss. Gemeinden oder Zweckverbände dürfen also für den Unterhalt ihrer Kanalnetze und Kläranlagen am Ende nicht draufzahlen.

Wie die städtische Pressestelle auf Nachfrage erklärt, haben aber jetzt die steigenden Kosten für den Unterhalt des Amberger Kanalnetzes sowie ein Anstieg der Betriebskosten im Theuerner Klärwerk dazu geführt, dass die seit Jahren stabile Niederschlagswassergebühr auf den Prüfstand musste. Die Anlage ist vor exakt 30 Jahren in Betrieb gegangen und verursacht allein schon durch den ihrem Alter geschuldeten Unterhalt zusätzlich Kosten. Außerdem könne der hier produzierte Klärschlamm nicht mehr wie früher auf Feldern entsorgt werden, erklärt die städtische Pressesprecherin Susanne Schwab. "Der Klärschlamm muss inzwischen im Müllkraftwerk in Schwandorf getrocknet und dann verbrannt werden." Auch das kostet zusätzlich Geld.

Weitere Verluste vermeiden

Das hat dazu geführt, dass der Stadtrat im Oktober 2020 einstimmig dafür votiert hat, den Quadratmeterpreis für Niederschlagswasser von 40 auf 43 Cent anzuheben. Damit regnet es zwar wohl tatsächlich seit Jahren weniger, auf die einschlägigen Gebühren hat das aber keinen Einfluss. Vielmehr gelte es zu vermeiden – so hieß es in der entsprechenden Beschlussvorlage für den Stadtrat – nach 2018 und 2019 sowie wohl auch 2020 am Ende wieder mit einem Verlust rechnen zu müssen. Aus diesem Grunde musste auch die Gebühr für das "normale" Schmutzwasser erhöht werden: von 1,66 Euro pro Kubikmeter auf jetzt 2,04 Euro.

Mehr zur anstehenden Sanierung der Kläranlage in Theuern

Kümmersbruck
Info:

Kosten für Kanal und Kläranlage sind schuld

  • Die Kläranlage in Theuern ist 1991 in Betrieb gegangen.
  • Sie soll in den kommenden Jahren für 6,6 Millionen Euro auf den neuesten Stand gebracht werden.
  • Um die Kläranlage energieeffizienter zu gestalten, müssen Druckbelüftung, Vorklärung, Belebungsbecken und Pumpentechnik auf den neuesten Stand gebracht werden.
  • Die Stadt Amberg kassiert seit 1. Januar 43 Cent Niederschlagsgebühr pro Quadratmeter, Weiden 37 Cent, Regensburg 53 Cent, Nürnberg ebenfalls 43 Cent und München 1,30 Euro (alle Stand 2020).
  • Pro Kubikmeter Schmutzwasser sind in Amberg jetzt 2,04 Euro fällig, in Weiden 2,12 Euro, in München 1,56 Euro und in Regensburg 1,47 Euro (Stand 2020).
  • Schweinfurt ist bei den Abwassergebühren in den Vergleichsstädten am günstigsten. Hier zahlte der Bürger 2020 nur 15 Cent Niederschlagsgebühr und 1,12 Euro pro Kubikmeter Schmutzwasser.

"Der Klärschlamm muss inzwischen im Müllkraftwerk in Schwandorf getrocknet und dann verbrannt werden."

Susanne Schwab, städtische Pressesprecherin

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