24.05.2021 - 15:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Wirtschaftsvertreter zu Ten-Brinke-Projekt: Frequenz ist das Wichtigste

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Während die Gegner des Bauprojekts am Bürgerspitalgelände in Amberg die Unterschriften für ein Bürgerbegehren zusammenhaben, weisen Vertreter der Wirtschaft auf die Bedeutung des Vorhabens hin. Wir haben nachgefragt.

Der Eckert-Bau (rechts) ragt in die Brachfläche in der östlichen Altstadt, die als Bürgerspital-Areal bekannt ist. Hier soll nach dem Willen der Stadt ein Gebäudekomplex entstehen.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Demnächst kommen die Projektleiter von Ten Brinke wieder nach Amberg. Diesmal auch, um den Dialog mit der Redaktion der Amberger Zeitung zu suchen, die natürlich den Fortgang der Planungen zur Bebauung des Bürgerspital-Areals in der Altstadt verfolgt. Wir haben vorab bereits bei Vertretern der Amberger Wirtschaft nachgefragt, wie sie zu dem Projekt stehen. Die Positionen dazu sind eindeutig.

Einer, der die Ten-Brinke-Pläne lieber heute als morgen verwirklicht sähe, ist Dr. Ulrich Schmid, Eigentümer etlicher Immobilien in der Altstadt und direkt angrenzender Nachbar. Schmid gehört der Eckert-Bau, den er erst in den vergangen Jahren saniert und erweitert hat. Schmid stellt fest, dass viele Ärzte, Anwälte, Notare und andere Dienstleister der Innenstadt den Rücken gekehrt, Läden und Geschäfte geschlossen haben. "Für die Altstadt ist es lebenswichtig, dass wieder Leben einkehrt", sagt er aus seiner Warte.

Genau das erhofft er sich von dem Gebäudekomplex, so wie die Stadt und Ten Brinke ihn planen. Er verweist auf die geplanten 50 Wohnungen: "Leben in der Altstadt heißt Menschen in die Altstadt zu bringen." Schmid betont: Frequenz sei für die Geschäftsleute das A und O. Rückläufige Frequenz bedeute weniger Attraktivität mit all ihren negativen Folgen wie Leerstand, weniger Kunden und generell weniger Besucher auch für die Gastronomie und die verbleibenden Dienstleister. Mit der Aufgabe der Storg-Immobilie als großflächigen Handelsstandort habe die Altstadt ohnehin schon Attraktivität verloren. "Diese Abwärtsspirale muss dringend gestoppt werden." Dabei dürfe ein so "eminent wichtiges Vorhaben" nicht an Fragen der Fassadengestaltung scheitern. Schmid warnt vor den Folgen eines Scheiterns. "Sollte das Ten-Brinke-Vorhaben nicht realisiert werden, müssen neue Planungen erfolgen. Gegebenenfalls wird ein neuer Bebauungsplan aufgestellt und möglicherweise müssen auch noch Rechtsstreitigkeiten mit Ten Brinke ausgefochten werden. Weitere zehn Jahre Stillstand wären dann möglicherweise programmiert."

"Leben in der Altstadt heißt Menschen in die Altstadt zu bringen."

Dr. Ulrich Schmid

Dr. Ulrich Schmid

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat eine klare Position. Markus Frauendorfer, Chef des gleichnamigen Möbelhauses und Vorsitzender des IHK-Gremiums Amberg-Sulzbach, sieht nach Corona noch schwierigere Zeiten auf die Innenstädte zukommen. Der Handel werde an Bedeutung verlieren, das Thema Wohnen gewinnen. "Neue Bewohner werden in die Altstadt ziehen. Ein Nahversorger innerhalb der Stadtmauer wird dadurch immer wichtiger", zeigt er sich überzeugt.

Frauendorfer sagt: "Um die Frequenz in der Bahnhofstraße zu erhöhen, ist die Bebauung des Bürgerspitals in der von Ten Brinke vorgesehenen Art und Weise zu begrüßen." Das Projekt stärke den östlichen Teil der Innenstadt und helfe den dort ansässigen Geschäften. Dabei drückt Frauendorfer auf das Tempo. Eine zügige Umsetzung sei wichtig, da sich sonst die Kundenströme noch mehr verlagerten und eine Umkehrung dieses Trends immer schwieriger werde. Eine florierende Innenstadt sei auch für die Unternehmen drumherum wichtig - als positiver Standortfaktor, um neue Fachkräfte in die Region zu holen.

Auch Karlheinz Brandelik, Wirtschaftsförderer der Stadt Amberg und Chef der städtischen Tochtergesellschaft Gewerbebau, hat eine klare Meinung: "Die Amberger Wirtschaftsförderung spricht sich ausdrücklich für die Folgebebauung auf dem ehemaligen Bürgerspitalareal aus und fordert im Namen der Gewerbetreibenden der Altstadt eine rasche Umsetzung."

Das bei Ten Brinke durch die Stadt bestellte Vorhaben entspreche "zeitgemäßen Stadtentwicklungstrends", erklärt Brandelik. Auf was sich diese Annahme konkret bezieht? Auf "bestmögliche Raumausnutzung" und das Angebot einer gemischten Nutzung aus Wohnen, Dienstleistung und Versorgung, erklärt der Wirtschaftsförderer. Mit dem Vorhaben erhalte die Stadt eine historische Chance, wieder Frequenz und Vitalität in die Bahnhofstraße zu bringen.

Bürgerbegehren gegen das Ten-Brinke-Projekt

Amberg

Chronologie der Ereignisse

Amberg

"Um die Frequenz in der Bahnhofstraße zu erhöhen, ist die Bebauung des Bürgerspitals in der von Ten Brinke vorgesehenen Art und Weise zu begrüßen."

Markus Frauendorfer

Markus Frauendorfer

"Mit dem Vorhaben erhält die Stadt eine historische Chance, wieder Frequenz und Vitalität in die Bahnhofstraße zu bringen."

Karlheinz Brandelik

Karlheinz Brandelik

 

 

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