22.03.2021 - 10:41 Uhr
AmbergOberpfalz

Zwei neue Millionen-Projekte am Haager Weg in Amberg

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Eine für die Region bislang einmalige Wohnform plant die Lebenshilfe Amberg-Sulzbach auf der noch freien Fläche zwischen Montessorischule und Haager Weg. Doch damit nicht genug. Die Einrichtung bekommt einen prominenten Nachbarn.

Die neuen Jura-Wohnstätten für Menschen mit Behinderung.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Am Haager Weg im Sebastiansviertel haben dieser Tage nicht zu übersehende Erdarbeiten begonnen. Auf rund 3700 Quadratmetern entstehen zwei neue Gebäude. Die Lebenshilfe möchte dort im Sommer dieses Jahres mit dem 5,3 Millionen Euro teuren Neubau starten, in dem 17 Appartements für Menschen mit Behinderungen untergebracht sind. In direkter Nachbarschaft investiert der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) etwa 3,4 Millionen Euro in ein neues Kinder-, Frauen- und Familienzentrum.

"Wir haben bereits 2016 damit begonnen, zu schauen. Wir sind schon sehr froh, dass es jetzt soweit ist."

Marianne Gutwein, Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen

Marianne Gutwein, Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen

Der SkF muss aus seinem derzeitigen Domizil am Studentenplatz ausziehen. Ein Bauträger hat das Gebäude erworben und andere Pläne. Eine neue Lösung musste her. "Wir haben bereits 2016 damit begonnen, zu schauen. Wir sind schon sehr froh, dass es jetzt soweit ist", sagte SkF-Vorsitzende Marianne Gutwein, als sie das Vorhaben auf Einladung des CSU-Ortsverbandes Sebastian und dessen Vorsitzender Birgit Wittmann beim virtuellen Feierabend-Seidl vorstellte. Wie es hieß, zieht der SkF "mit allen Diensten" vom Studentenplatz an den Haager Weg in sein neues Kinder-, Frauen- und Familienzentrum. Es soll am 1. Juli 2022 bezogen werden. Auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern werden laut Marianne Gutwein 3,4 Millionen Euro verbaut.

Eine Million von Sternstunden

Dabei handelt es sich um eine Summe, die der SkF nicht alleine aufbringen muss. Eine Million Euro steuert die Aktion Sternstunden bei, weitere Zuschüsse kommen von staatlicher Seite sowie der Klaus-und-Gertrud-Conrad-Stiftung. Finanziell sei das Projekt aber immer noch "sehr herausfordernd", wie Marianne Gutwein sagte: "Die halbe Summe ist in etwa zusammen." Der Sozialdienst sei von daher weiterhin auf Spenden angewiesen. Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny, der beim virtuellen Feierabend-Seidl live zugeschaltet war, freute sich, "dass wir das jetzt alles auf die Reihe bekommen haben", denn die Suche nach einem geeigneten Grundstück habe relativ lange gedauert. Möglich wird der Neubau des SkF an dieser Stelle im Sebastiansviertel in erster Linie deswegen, weil sich dort die Lebenshilfe laut ihrem Vorsitzenden Eduard Freisinger nach der Auflösung der Möhlkaserne Mitte der 1990er-Jahre ein 3700 Quadratmeter großes Grundstück gesichert hat.

Möglichst selbstständig wohnen

Auf etwa zwei Drittel der Fläche tritt die Lebenshilfe selbst als Bauherr auf, denn: "Es ist schwer, passende Wohnungen für Menschen mit Behinderungen zu finden. Deswegen ist es notwendig, dass wir selbst bauen." Wie beim neuen Domizil des SkF ist auch in diesem Fall die Amberger Architektengemeinschaft Eberhardt, Vogl und Hirsch beauftragt worden. Laut Freisinger geht es darum, dass Menschen mit Behinderung "möglichst selbstständig" leben sollen und "bei Bedarf Unterstützung bekommen".

"Es ist schwer, passende Wohnungen für Menschen mit Behinderungen zu finden. Deswegen ist es notwendig, dass wir selbst bauen."

Eduard Freisinger, Vorsitzender Lebenshilfe Amberg-Sulzbach

Eduard Freisinger, Vorsitzender Lebenshilfe Amberg-Sulzbach

Die Planungen sehen 17 Appartements und Wohnungen vor, die zwischen 39 und 105 Quadratmeter groß sind. Wie beim Feierabend- Seidl der CSU zu erfahren war, handelt es sich jeweils um Miet- und nicht um Eigentumswohnungen. Zum in der Region bisher einzigartigen Konzept gehört auch eine sogenannte Trainingswohnung, in der vor allem Schüler aus dem Heilpädagogischen Zentrum auf selbstständiges Leben vorbereitet werden sollen. Das Geld für diese Wohneinheit kommt laut Freisinger von der Aktion Sternstunden, die je nach Kosten zwischen 500.000 und etwa 550.000 Euro beisteuert und damit neben dem SkF auch die Lebenshilfe unterstützt. Mit ins neue Gebäude, mit dessen Bau voraussichtlich noch im Sommer 2021 begonnen wird, sollen auch das Büro und die Verwaltung der Jura-Wohnstätten. Wer sich in einer der Wohnungen einquartieren möchte, muss einen Grad der Behinderung nachweisen. Dessen Größenordnung ist laut Franziska Weiß von den Jura-Wohnstätte "noch nicht festgehalten".

"Ein Leuchtturmprojekt"

Weiß war es auch, die beim virtuellen Treffen davon sprach, dass es dieses Konzept in der Region noch nicht gibt: "Es ist ein Leuchtturmprojekt, das auch andere Städte inspirieren könnte." Damit meinte sie auch die unmittelbare Nähe zur am Fallweg ansässigen Offenen Behindertenarbeit der Lebenshilfe, die für ihr Wohnbauprojekt 5,3 Millionen Euro investiert. Wie viel Geld von staatlicher Seite in Form von Zuschüssen fließen wird? Eduard Freisingers Antwort: "Wir wissen noch nicht, wie es sich entwickelt. Es gibt aber sicher einen größeren Teil, den wir auffangen müssen." Schließlich sei ja noch etwas Zeit bis zum geplanten Baubeginn im Sommer. Frühestens Ende nächsten Jahres sollen jedenfalls die ersten Mieter einziehen. Wenn alles gut läuft. Insgeheim geht der Vorsitzende der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach aber davon aus, "dass es Frühjahr '23 werden wird".

Lebenshilfe Amberg-Sulzbach plant Millionen-Projekt

Amberg

Eine Million Euro von der Aktion Sternstunden für den SkF Amberg

Amberg
Kommentar:

Gut, dass sich jetzt so viel tut

Es ist noch gar nicht lange so her, da war es für Menschen mit Behinderung in Amberg fast unmöglich, passenden Wohnraum zu finden. Bevor zum Beispiel die Stadtbau 2012 begann, an der Lessingstraße, und damit nur ein paar Gehminuten vom Haager Weg entfernt, barrierefreie, eingeschossige Häuser zu erreichten, war der Bau von Bungalows im Stadtgebiet schlicht unmöglich. Die sinngemäße Begründung lautete in etwa so: „Die passen nicht ins Gesamtensemble.“ Gott sei Dank hat sich diese Sichtweise geändert. Wo es nur irgendwie möglich ist, wird in Amberg mittlerweile barrierefrei gebaut. Doch damit ist es längst nicht getan. Das neue Wohnprojekt der Lebenshilfe zeigt, wie enorm wichtig es ist, einen Schritt weiter zu denken und Menschen mit Handicaps ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen. Dieses Vorhaben kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Gleiches gilt selbstredend auch für den SkF, der alles unternimmt, damit sich Kinder, Frauen und Familien in Notsituationen 100-prozentig umsorgt fühlen können.

Thomas Kosarew

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