09.02.2020 - 11:20 Uhr
Ammersricht bei AmbergOberpfalz

Noch immer kein neuer Vorsitzender: Droht der DJK die Auflösung?

Der Vereinsbetrieb bei der DJK Ammersricht läuft wie geschmiert - weil ein paar wenige Leute die ganze Last des Ehrenamts tragen. Nach einem Jahr mit Übergangslösung hat sich noch immer kein neuer Vorsitzender gefunden.

Die Hände nach oben sind ein klares Zeichen: Die Vorstandschaft der DJK Ammersricht will aktiv das Problem der Nachfolgeregelung angehen und lässt sich auf einen Prozess mit Vereinsanalyse und Beratung durch den BLSV ein.
von Autor HAEProfil

Dienstag, 16 Uhr. In der Ammersrichter Turnhalle tummeln sich 20 knapp zwei bis fünfjährige Kinder und ebenso viele Mütter und Väter. Betreuerin Maria steuert inmitten einer Vielzahl von Gerätschaften, Bänken, Böcken und Matten mit stoischer Ruhe die emsige Meute beim Eltern-Kind-Turnen.

Nach außen hin scheint alles bestens bei der DJK Ammersricht. Die 450 Mitglieder, darunter 130 Kinder und Jugendliche, haben von Montag bis Mittwoch bei zwölf verschiedenen Angeboten die Auswahl, sich sportlich zu betätigen oder etwas für ihre Gesundheit zu tun. Darüber hinaus besitzt der Verein ein Sportheim mit einem bestens ausgestatteten Fitnessraum sowie drei Tennisplätze und ein Beachvolleyballfeld. Doch beim Verein geht die Angst um.

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Vorsitzender Eduard Hanauer meint, dass er sich mit über siebzig Lenzen und sieben Jahren Amtszeit nun etwas zurückziehen darf. Gleiches gilt für Schatzmeisterin Angelika Frei, die nach über 13 Jahren das Amt an Jüngere übergeben will. Doch bei der Jahreshauptversammlung 2019 fand sich weder für den Vorsitzenden noch für die Schatzmeisterin ein Mitglied, das bereit war, diese Aufgaben zu übernehmen. Seitdem ist die Vorstandschaft kommissarisch im Amt und für die anstehende Wahl im Frühjahr hat sich bislang niemand gemeldet. Im schlimmsten Fall droht dem Verein die Auflösung.

Das Manko ist, dass sich die Vereinsarbeit auf ganz wenige Mitglieder in der Vorstandschaft konzentriert und trotz mannigfacher Versuche keine neuen Mitglieder dazustoßen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Neben der Nachfolgeregelung sucht Vorsitzender Hanauer seit zwei Jahren händeringend neue Übungsleiter, vor allem für den Kinderbereich. "Dieses Problem ist bei vielen Sportvereinen derzeit sehr akut. Aktuell haben wir die Vergütung für Übungsleiter deutlich erhöht", erklärt der Vorsitzende. "Aber ohne Bindung an den Verein, kannst du auch damit niemand überzeugen."

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Bei der vergeblichen Suche nach Ehrenamtlichen sieht der DJK-Vorsitzende auch ein gesellschaftliches Problem. "Viele wollen keine richtige Bindung mehr zum Verein eingehen. Daran sind zwar die veränderten Bedingungen in der Arbeitswelt mit Schuld, aber nicht ausschließlich. Das Wort Ehrenamt wird zwar von den Verantwortlichen in der Politik gerne und oft in den Mund genommen, die ehrenamtlich Tätigen auf das Höchste gelobt, aber zu einer spürbar bemerkbaren Anerkennung in finanzieller Hinsicht kann man sich nicht durchringen", sagt Hanauer. "200 Stunden Arbeit im Jahr als Vorstand eines Breitensportvereins und 720 Euro Ehrenamtspauschale stehen in keinem adäquaten Verhältnis."

Dennoch ist man bei der DJK Ammersricht nicht gewillt, einfach so aufzugeben. Hanauer hat eine Beratungsoffensive des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) aufgegriffen und den stellvertretenden Kreisvorsitzenden und Bildungsreferenten Klaus Hernes zu einer Vorstandssitzung eingeladen. Zunächst ging es um die Erwartungshaltungen der Vorstandsmitglieder an eine BLSV-Vereinsanalyse, dann um eine Darstellung der Ausgangslage des Vereins und um eine Auflistung von Stärken und Schwächen. Obwohl natürlich die Nachfolge beim Vorsitz an vorderster Stelle stand, war man sich schnell einig, dass sich dieses Problem nur in Zusammenhang mit weiteren Aspekten wie Vereinsmanagement, neue Sportangebote, Verjüngung der Vorstandschaft oder Überbrückung der Lücke im Mittelbau bei den Mitgliedern lösen lässt.

Erstes Ergebnis der Zusammenkunft ist die Erkenntnis, dass sich die Vorstandschaft zusammen mit dem BLSV auf einen länger dauernden Prozess unter dem Titel "Auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft" einlässt. Daher kann auch der geplante Termin der nächsten Hauptversammlung nicht eingehalten werden. Die Vorstandschaft war sich einig, dass erst nach Abschluss dieses Prozesses und dem Finden von Kandidaten eine Hauptversammlung Sinn macht. Zum nächsten Workshop sind natürlich auch Vereinsmitglieder eingeladen, die an der aktiven Gestaltung der DJK Ammersricht mitarbeiten wollen. Hanauer: "Jeder ist herzlich willkommen, der Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben."

Für den 1. Vorsitzenden Eduard Hanauer ist das mangelnde Engagement der Mitglieder in den Vereinen auch ein gesellschaftliches Problem. Das Ehrenamt braucht eine deutlich höhere Anerkennung durch die Politik.

Wie kann man den Vereinen helfen? Ein Kommentar aus unserer "O-Ton"-Reihe

OTon
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