15.12.2020 - 14:59 Uhr
AuerbachOberpfalz

Die Wölfe kommen: Wolfsrudel bei Gunzendorf gesichtet

Bei Gunzendorf überquerten am vergangenen Mittwoch vier Wölfe zur Mittagszeit eine Straße. Laut Wolfsexperte sei ein Wolfsrudel am helllichten Tag kein unüblicher Anblick mehr.

Die Wölfe kommen. Bei Gunzendorf wurden vier Wölfe gesichtet. Laut Wolfsexperte sei das kein ungewohnter Anblick mehr.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Der Beobachter traute seinen Augen nicht: Am vergangenen Mittwoch gegen Mittag haben vier Wölfe die Straße zwischen Ohrenbach und Gunzendorf (Gebiet der Stadt Auerbach, ganz im Norden des Landkreises Amberg-Sulzbach) Richtung Westen überquert. Der Mann zückte sein Handy und machte ein paar Aufnahmen.

Waren das wirklich Wölfe? Das Foto mit den grauen Vierbeinern machte schon bald in diversen Whats-App-Gruppen die Runde. Wir sprachen mit dem Wolfsexperten des Bundesforstbetriebs Grafenwöhr, Hubert Anton. Der zeigte sich wenig überrascht von der Beobachtung und rechnete die Tiere eindeutig dem Veldensteiner Rudel zu. "Im Veldensteiner Forst leben derzeit ein Rüde, eine Fähe und vier Junge aus diesem Jahr plus Jährlinge aus 2019", erklärt der Fachmann. Heuer sei dort der dritte Wurf zur Welt gekommen.

"Im Veldensteiner Forst leben derzeit ein Rüde, eine Fähe und vier Junge aus diesem Jahr plus Jährlinge aus 2019."

Wolfsexperte Hubert Anton

Ob es junge oder ältere Tiere waren, könne man so nicht sagen. "Dazu müsste man sie entweder genau beobachten oder ein gutes Foto auswerten können. " Ab dem Herbst seien nämlich die im Frühjahr geborenen Jungtiere rein optisch schwer von den Älteren zu unterscheiden.

Kein ungewohnter Anblick mehr

Wie kommen die Tiere in die Gegend von Gunzendorf? Es sei auch durch genetische Untersuchungen belegt, dass die Veldensteiner Wölfe die sogenannte "Impact Bravo" im Südwest-Drittel des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr als Streifgebiet nutzen. "Manchmal sind sie drei-, viermal in Luisenhof, dann wieder monatelang nicht", meint Hubert Anton. Sie nutzen also auch den Nord-West-Korridor zwischen Auerbach und Michelfeld als Passage und kommen dann eben in die Gegend zwischen Gunzendorf und Ohrenbach.

Für die Sichtung am hellen Vormittag hat Anton auch eine Theorie: "Vermutlich hatten sie sich irgendwo ausgeruht und sind dann gestört worden." 30, 40 Kilometer Strecke sind für einen Wolf ein Spaziergang. Also wohl bald kein ungewohnter Anblick mehr, so eine Gruppe Wölfe am Mittag an der Straße.

Vermehrt Wildriss

Allerdings gibt es auch Begegnungen, die zu denken geben: Bei Schmelzmühle (Gemarkung Freihung) fand ein Landwirt vor einiger Zeit ein zwei Tage altes Kalb seiner Angus-Mutterkuhherde halb aufgefressen. Es lag etwa 250 Meter von einem Wohnhaus entfernt. Vermutet wurde hier ein Wolfsriss, zumal der Tatort ganz nahe am Rand des Truppenübungsplatzes liegt, in dem ein Rudel lebt. Die zuständigen Wolfsexperten vom Landratsamt allerdings wollten diese Theorie nicht bestätigen und sahen bei ihrer Begutachtung keine typischen Anzeichen für einen Wolfsriss, berichtet Bürgermeister Uwe König.

Sein Vilsecker Kollege Hans-Martin Schertl weiß von vielen Meldungen der einheimischen Jäger, die vermehrt gerissene Rehe und auch sonstige Spuren der Anwesenheit von Wölfen feststellen. Neben Biber und Fischotter scheint also auch der Wolf dort zunehmend in den Fokus zu rücken.

Der Wolf auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr

Kirchenthumbach

 

 

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