Erinnerungen an die Kindheit und die Liebe zur alten Heimat Ulrichsgrün - das jetzt Oldrichov heißt - lassen Wilhelm Rubick nicht los. Er wohnt jetzt Thalmässing (Mittelfranken) und führte eine Wandergruppe von Interessierten durch Ulrichsgrün. Mit dabei waren auch Nachgeborene aus seinem Geburtsort. Ulrichsgrün hatte eine düstere und wechselvolle Geschichte, wurde mehrmals niedergebrannt oder ausgeraubt. Doch immer wieder wurde die Ortschaft neuer und größer aufgebaut. Nach der Flucht und Vertreibung der Einwohner in 1946 gab es keine Rückkehr. Wegen der Nähe zur bayerischen Grenze wurden die Gebäude gesprengt und das Dorf dem Erdboden gleich gemacht.
Erste Station war die Grenze zu Tschechien. Auf deutscher Seite haben Ferdinand Waidhas und Horst Adler - beide aus Tirschenreuth - mit weiteren heimatverbundenen Landsleuten am 9. Mai 2009 zum Gedenken an Flucht und Vertreibung nach 1945 einen Gedenkstein gesetzt. Dieser war von den "Orten" Maiersgrün, Grafengrün, Tannerweg und Ulrichsgrün gestiftet worden.
Maschinengewehr-Rattern
Rubick hatte 18-seitige Broschüren zusammengestellt: Die Mitwanderer konnten auf diese Weise den Ausführungen des "Wanderführers" folgen. Beim Blick über die Grenze, dort wo einst die Ortschaft stand, war nur noch Gebüsch und Bäume zu erkennen. Niemand konnte erkennen oder erahnen, dass dort einmal eine aufstrebende Ortschaft war. Weiter ging die Wanderung den Weg nach Ulrichsgrün hinab. Bei einem kurzen Halt erzählte Rubick, dass auf diesen Weg im November 1945 seine damals 17 Jahre alte Nachbarin Marianne Renz von den Tschechen auf den Heimweg von Neualbenreuth erschossen wurde. Gleichzeitig erzählte er aus seinen Erinnerungen von der Flucht seiner Familie und der des Brücher-Onkels mit drei Erwachsenen und sieben Kindern. Es wäre furchtbar gewesen, so Rubick, hätte damals ein tschechisches Maschinengewehr zu rattern begonnen.
Am Ortsrand der ehemaligen Ortschaft Ulrichsgrün konnte man nicht erkennen, dass hier einst 17 große Viereckhöfe, eine Schule und weitere Einzelhöfe standen. Selbst die letzten Mauerreste des Tillendorfes waren zwischen Büschen und schnellwachsenden Bäumen, die der böhmische Wind teils umgelegt hat, verschwunden. Die Höfe wurden abgerissen und die Steine abgefahren um sie anderswo zu verwenden. Zu dieser Zerstörung zählte auch der Hof mit Gastwirtschaft der Familie Karl Löw "ban Flula" und der der Familie Schöner "ban Beiml", dessen Nachkommen diese Wanderung mitmachten und die diese unsinnige Zerstörung jetzt miterleben mussten.
Unterkunft für Grenze
Der prächtige Viereckhof von Josef Müller "ban Matzmichl" diente lange Zeit tschechischen Grenzern als Unterkunft und zur Einstellung des Viehs. Daher wurde er erst in den 60er Jahren abgerissen. Nur kundige Leute finden noch Mauerreste im undurchdringlichen Urwald. Beim weiteren Suchen nach Mauerresten war Vorsicht geboten. Plötzlich stand man bis weit über die Knöchel im sumpfigen Gelände. Anhand von Luftbildaufnahmen von 1948 konnte Rubick die Mauerreste den ehemaligen Besitzern zuordnen und so das Tillendorf wieder "auferstehen lassen". Die beiden nächsten Steinhaufen sind die ehemalige Dorfschule und das Gasthaus von Theodor Zuber "ban Dore", eine gesellige Gastwirtschaft. Viele Wanderer kehrten dort ein, bevor sie auf den Tillen stiegen. Theodors Bruder wurde von den Tschechen zu Tode geprügelt, weil sie bei ihm das Buch "Mein Kampf" fanden. Ein paar quer liegende Bäume weiter fanden die Nachkommen von Michl Pötzl "ban Grülln", Günter Pötzel mit den beiden Schwestern Renate und Brigitte, die ebenfalls mitwanderten, das Restmauerwerk des Viereckhofes ihrer Eltern. Kreuz und quer liegen umgestürzte Bäume über den noch sichtbaren Mauerwerk, ein niederschmetternder Anblick. Vor der Weiterwanderung zum Forsthaus wurden noch die Reste des Hofes von Ferdinand Sehr "ban Sehr" inspiziert. Türeinfassungen ragen noch aus den eingestürzten Mauern, ein halb verfallener Keller und ein Brunnen sind die Überreste des letzten Hofes rechter Straßenseite Richtung Maiersgrün. "Es ist ein trauriger Anblick, das untergegangene Tillendorf Ulrichsgrün so zu erleben", so Rubick.
Ebenfalls untergegangen ist die "Erste Böhmerwälder Edelpelztierfarm" von Mayer & Co. aus Eger, die zur Gemarkung von Ulrichsgrün zählte. Sie lag links der Bezirksstraße nach Maiersgrün, ungefähr zwei Kilometer außerhalb der Ortschaft. Richtung Altalbenreuth ging die Tour zum Forsthaus, vorbei am ehemaligen Gelände des Schullandheims. Es war während der Hitlerzeit durch die NS-Frauenschaft geführt worden, wusste Rubick zu erzählen. Das Forsthaus selbst wurde ebenfalls abgerissen. Nur eine Grube blieb vom ehemaligen Gebäude. Eine Schautafel informiert über das Forsthaus und dessen Geschichte.




















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