15.01.2021 - 10:08 Uhr
BärnauOberpfalz

Industriegebiet und Stadtkern in Bärnau im Fokus

Vom Straßenbau über Industriegebiet „Am langen Rain“ und einer Lösung für das Hallenbad hat Bürgermeister Alfred Stier viele Themen auf der Liste für 2021. Im Interview erklärt er, wo seine Prioritäten liegen.

Das Industriegebiet „Am langen Rain“ mit der Ansiedlung der Ziegler-Group (markierte Fläche) nahe der Umgehungsstraße hat für Bärnaus Bürgermeister Alfred Stier 2021 oberste Priorität.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Vom Straßenbau über Industriegebiet „Am langen Rain“ und einer Lösung für das Hallenbad hat Bürgermeister Alfred Stier viele Themen auf der Liste für 2021. Im Interview erklärt er, wo seine Prioritäten liegen.

ONETZ: Herr Stier, wie haben Sie als Bürgermeister das Jahr 2020 erlebt?

Alfred Stier: Das vergangene Jahr war sehr spannend. Besonders auch im Hinblick auf die Kommunalwahlen im März. Ich war ja in der Stichwahl. Die Opposition hat mir zwei sehr starke Kandidaten entgegengestellt. Die ganze neue Amtsperiode war dann von Corona geprägt.
Wir waren die erste Gemeinde im Landkreis, die eine Masken-Aktion durchgeführt hat. Wir hatten uns große Sorgen um die älteren Mitbürger gemacht. Die Stadt hat sofort einen Lieferservice einführt. Zunächst hatte ich mich gefragt, ob wir das überhaupt schaffen können. Doch nur drei Personen haben das Angebot in Anspruch genommen. Das bedeutet aber, dass das Netzwerk, die Hilfsbereitschaft unter Nachbarn und Verwandten, in der Großgemeinde Bärnau funktioniert. Sonst hätte die Resonanz ganz anders ausgesehen.

Per Lieferservice erhielten die Bürger der Großgemeinde Bärnau im Frühjahr 2020 Mund- und Nasenmasken

Bärnau

ONETZ: Konnten trotz Corona auch Projekte abgeschlossen werden?

Alfred Stier: 2020 konnten wir die Bahnhofstraße und die Phillip-Mühlmayer-Straße fertigstellen. Kurz vorm Abschluss ist die letzte Phase der energetischen Sanierung der Grundschule. Nach der Sanierung der Turnhalle und der energetischen Ertüchtigungen mit neuem Dach, neuen Fenstern und Isolierung müsste die nächsten Wochen die Innensanierung abgeschlossen sein. Direkt im Anschluss werden heuer die Außenanlagen der Schule und des Kinderhauses in Angriff genommen. Unsere aktuellen Investitionsprojekte sind trotz Corona ohne Einschränkungen weitergelaufen.

Die fehlende Beleuchtung verzögert die Fertigstellung des Ausbaus der Philipp-Mühlmayer-Straße

Bärnau

ONETZ: Welche Veränderungen in der Großgemeinde gefallen Ihnen als Bürgermeister besonders?

Alfred Stier: Mir gefällt, dass es in Sachen Städtebauförderung so toll läuft. Nicht nur, dass wir die Mittel dafür bekommen, auch dass die Mehrheit des Stadtrats mitzieht. Da sind wir mittendrin und müssen laufend weiter dran arbeiten. Durch die Umgehungsstraße Bärnau haben wir den Verkehr größtenteils aus dem Ort draußen und können uns Projekten im Stadtkern von Bärnau widmen.

ONETZ: Und wo muss die Stadt noch nachbessern?

Alfred Stier: Die Dorferneuerung Thanhausen ist mein größtes zeitliches Problem. Das entspricht nicht meiner Geschwindigkeit. Ich wohne dort ja selbst, ich bin seit neun Jahren Bürgermeister und fühle mich verantwortlich. Insgesamt läuft das Projekt seit elf Jahren, und es ist noch kein Bagger da gewesen. Das ist unvorstellbar. Für Verzögerungen sorgten Unstimmigkeiten mit den Planern. Dann mussten wir auch noch mittendrin das Ingenieurbüro wechseln. Da sind wir wirklich komplett außerhalb des Plans. Die Dorferneuerung wird aber auch 2021 nicht beginnen, vielleicht 2022.

ONETZ: Was hat 2021 für Sie oberste Priorität?

Alfred Stier: Ganz klar das Industriegebiet „Am langen Rain“ mit der Ansiedlung der Ziegler-Group. Das Unternehmen baut dort ein Dämmfaserplatten-Werk auf etwa zwölf Hektar und investiert 60 Millionen Euro. Nach jetziger Sicht wird das Industriegebiet auch genehmigt werden. Gleichzeitig baut die Firmengruppe 40 Häuser auf einen Schlag im Baugebiet „Am Galgen“. Zwar sind hier die Grundstücksverhandlungen noch nicht abgeschlossen, aber das ist machbar. Solche Investitionen sind in Bärnau noch nicht angestanden. In den Wahlprogrammen der vergangenen 50 Jahre stand immer: Industriegebiet, Industriegebiet, Industriegebiet. Ich hab die mehr als historische Chance, das umzusetzen. Die Ansiedlung von Ziegler bedeutet mehr Arbeitsplätze und gibt der Stadt mit Blick auf die Gewerbesteuer zudem eine größere Gestaltungsfreiheit.

Für rund 60 Millionen Euro will das die Ziegler-Group in Bärnau ein Werk für Dämmerfaserplatten errichten

Bärnau

ONETZ: Worin sehen Sie die größten Herausforderungen im neuen Jahr?

Alfred Stier: Eine Herausforderung ist die Endlösung für das Hallenbad. Das möchte ich heuer angehen, da muss endlich mal eine finale Entscheidung her. Zudem brauchen wir dringend einen neuen Bauhof. Das aktuelle Gebäude ist suboptimal. Wir brauchen g’scheite Sozialräume für die Bediensteten. Da ist es meine Absicht – und da hoffe ich, dass die Mehrheit des Stadtrats mitzieht – das Hallenbad zum neuen Bauhof umzubauen. Man müsste das Becken auffüllen und verdichten sowie vier bis fünf Tore einbauen. Aus den Umkleiden könnten Kleinwerkstätten und Sozialräume werden. Ich schätze, das ist ein Invest von 200 000 Euro, da sind wir in vier Wochen fertig.
Sollte Bärnau dann Bedarf an einem neuen Hallenbad haben und es die Finanzen erlauben, könnte man direkt nebenan ein neues Hallenbad nach modernsten Maßstäben bauen – auf ein Grundstück, das die Stadt gekauft hat. Das käme viel, viel preiswerter als eine Sanierung der alten Schwimmhalle.

Eine Herausforderung ist die Endlösung für das Hallenbad. Da muss endlich mal eine finale Entscheidung her.

Bürgermeister Alfred Stier (59)

Bürgermeister Alfred Stier (59)

ONETZ: Welche Maßnahmen stehen heuer noch an?

Alfred Stier: Die nächsten Maßnahmen sind die Sanierung der Bischof-Senestrey-Straße, hier erfolgen Ende Januar die Ausschreibungen. Mit dem Bau sollte April bis Mai begonnen werden. Die Planungen für die Silberstraße laufen parallel. Dann stehen noch die Umbauten des Alten Schlosses und des Bischof-Senestrey-Hauses an. Auch die Quartiersgaragen auf dem Gelände des ehemaligen Klettner-Hauses werden gebaut.
Beim Ackerbürgerhaus Bärnau müssen wir heuer ein gewaltiges Stück vorankommen. Da gehts um 1,8 Millionen Euro Fördergelder, die in einer bestimmten Zeit abgerufen werden müssen. Aber das werden wir schaffen. Die Stadt ist hier indirekt durch die Kommunal GmbH zu 50 Prozent involviert. Worauf ich mich freue, ist das Zaubertheater von Marco Knott. Er ist zu 90 Prozent mit dem Umbau fertig. Das werden richtig tolle Veranstaltungen.

ONETZ: Wie sind die Pläne für das Alte Schloss?

Alfred Stier: Hier entstehen neue Räume für die Stadtbücherei. Eine völlig neu gestaltete und moderne Büchereilandschaft. Die Bücherei ist aktuell im Forstbüro – dort ist angedacht, dass die Ikom Stiftland erweitere Räume bekommt. Im Obergeschoss des Alten Schlosses soll schwerpunktmäßig die Seniorenbetreuung stattfinden. Dort zieht die Verwaltung der Nachbarschaftshilfe ein. Deshalb wird ein Aufzug angebaut. Hier läuft gerade das Vergabeverfahren für Architekten. Ich hoffe, dass das im August abgeschlossen ist.

ONETZ: Im Senestrey-Haus sollen Wohnungen für Senioren und Studenten entstehen. Wie geht es hier voran?

Alfred Stier: Auch hier läuft gerade das Vergabeverfahren für Architekten. Das dauert halt. Da kann ich mich auf den Kopf stellen und käme nicht schneller voran. Eigentlich wollten wir im April mit dem Bau beginnen. Das wird aber so schnell nicht klappen. Baulich werden wir – wenn überhaupt – erst im Herbst beginnen können.

ONETZ: Gibt es neue Entwicklungen in Sachen Ärzteversorgung aus?

Alfred Stier: In den neun Jahren als Bürgermeister war das eine meiner bedeutendsten Erfahrungen. Ich glaube, mittlerweile habe ich sieben verschiedene Ärzte durch, die mir immer wieder abgesprungen sind. Die letzte Ärztin hat mir im März abgesagt. Auch die Ansätze und Standorte haben sich oft geändert. Ich will dieses Problem lösen. Meines Erachtens ist das Chefsache und Aufgabe des Bürgermeisters. Ich bin mit vielen Ärzten und Beratern im Gespräch.
Alle Ärzte, mit denen wir als Stadt bisher im Gespräch waren, wünschten sich eine fertige Praxis, in die sie nur einziehen müssen. Wir haben einen Investor für ein Ärztehaus. Dieser hat dafür schon Pläne eingereicht. Jetzt muss es noch auf dem Gelände der ehemaligen Knopffabrik Forster realisiert werden. Wir haben einen Stadtratsbeschluss, dass die Stadt Bärnau die Defizite des Ärztehauses in den ersten fünf Jahren zahlt, wenn der Investor die Praxis nicht vermieten kann. Ich bin mir aber sicher, dass wir einen Arzt finden werden.

ONETZ: Auch das Rathaus wird 2021 zur Baustelle ...

Alfred Stier: Ja, aber nicht unbedingt nur wegen des barrierefreien Umbaus. Es gibt auch strukturelle Veränderungen. Kurzfristig ist mir die ganze Finanzverwaltung weggebrochen. Unser aktueller Kämmerer Josef Schabner wird krankheitsbedingt ausscheiden. Dafür rückt Christian Grödl nach. Für ihn kommt ein Finanzbeamter aus Tirschenreuth neu ins Team. Ein weiterer Mitarbeiter verlässt uns auf eigenen Wunsch. Auch hier kommt jemand Neues. Wir werden zudem jemanden für EDV-Belange einstellen. Diese Personalien bedeuten einen kompletten Umbau der Verwaltungsstrukturen im Rathaus. Das wird dem Bürger nicht groß auffallen, aber das beschäftigt uns schon.

ONETZ: Welche Projekte wollen Sie im kommenden Jahr noch neu angehen?

Alfred Stier: Ein Investor kaufte in der Bischof-Senestrey-Straße gegenüber vom Ackerbürgerhaus ein leerstehendes Gebäude. Der Investor hat der Stadt angeboten, dass er das Haus nach unseren Wünschen saniert. Das Projekt wollen wir in Planung bringen. Hier ist der Stadtrat noch nicht ganz überzeugt von meiner Idee.
Angedacht ist, dass sich die Stadt für überschaubares Geld ins Gebäude einmietet. Im unteren Bereich soll eine öffentliche Toilette entstehen. Auch eine kleine Selbstbedienungs-Radstation könnte da hin kommen. Im Obergeschoss könnten das „Bäks“, der Bärnauer Jugendclub, einziehen. Der ist aktuell im alten Schloss untergebracht, nach der neuen Planung dort aber nicht mehr vorgesehen.

ONETZ: Haben Sie Wünsche für Ihre Großgemeinde?

Alfred Stier: Mein größter Wunsch wäre, wenn wir in einem Jahr einen Hausarzt in Bärnau begrüßen könnten. Speziell in der Stadt, aber auch in den umliegenden Orten, würde ich mir wünschen, dass die Bürger die angebotenen Städtebau-Programme mit hoher finanzieller Unterstützung in Anspruch nehmen würden. Dann hoffe ich, dass uns der Verwaltungsumbau gelingt und die Stadt ihre Pläne wie beabsichtigt umsetzten kann und dass wir bald wieder zur Normalität zurückkehren können. Das wäre schon sehr wichtig.

In seinen neun Jahren Amtszeit baute Bürgermeister Alfred Stier rund 30 Kilometer Straßen, erklärte er. 2021 ist auch die Bischof-Senestrey-Straße zum Marktplatz hin an der Reihe.
Ideen für das seit über sechs Jahren leerstehende Hallenbad hat Alfred Stier. Der Bürgermeister könnte sich vorstellen, das Gebäude so umzubauen, dass dort der Bauhof einziehen könnte.
Ein Investor kaufte die den Leerstand in der Bischof-Senestrey-Straße gegenüber dem Ackerbürgerhaus. Der Investor will das Gebäude nach den Vorgaben der Stadt sanieren. Hier könnten im Erdgeschoss unter anderem öffentliche Toiletten entstehen.

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Silberhütte soll bei einer Klausurtagung vorgestellt werden

Silberhütte bei Bärnau

 

 

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