27.08.2021 - 14:59 Uhr
BirglandOberpfalz

Stärkster Traktor der Welt sorgt für mächtig viel Kleinholz

Schwarz: sechs Meter lang, dreieinhalb Meter hoch. Rothsricht (Kreis Amberg-Sulzbach) ist Heimat des stärksten Standard-Traktors der Welt, Walter Hartmann ist sein Meister. Mit Schlepper und Holzhacker kriegt er jeden Baum klein.

Walter Hartmann besitzt den stärksten Serientraktor der Welt. Und er nutzt die 517 PS auch voll aus.
von Autor geProfil

Schwarz foliert und mit Reifen, die mehr als zwei Meter hoch sind, fällt der Großtraktor schon gewaltig auf – der stärkste im Landkreis. Aber deswegen hat sich Walter Hartmann aus Rothsricht in der Gemeinde Birgland das Riesentrumm nicht gekauft, sondern aus arbeitstechnischen Überlegungen. „Schließlich hat der Fendt 517 PS, und damit kann ich den Holzhäcksler äußerst zügig betreiben und beste Qualität liefern“, meint der 45-jährige Lohnunternehmer, der seit mehreren Jahren selbstständig ist.

517 PS in Aktion

„Hackschnitzel-Hartmann“ steht denn auch auf der schwarzen Kühlerhaube des Riesen, und wie das funktioniert, das führt er uns gleich vor: Auf seinem Lagerplatz türmen sich die dicken Holzstämme. Hartmann schwenkt im Traktor sein Cockpit-Inneres um 180 Grad und bedient von dort aus den Kran, der am Häcksler montiert ist. Die Motoren beginnen zu brummen, der Traktor treibt den Häcksler an, und ein Stamm mit fast 70 Zentimeter Durchmesser schwebt zum 1,4 mal 0,7 Meter messenden Maul vor der mächtigen, bezackten Stahlwalze. Und wirklich – wie von selbst rattert der Stamm in den Hacker hinein und landet als Holzschnitzel-Strahl aus dem Gebläserüssel auf dem riesigen Haufen. Beeindruckend.

Was schafft man da so weg? „In der Stunde produziert das Gespann aus Fendt Vario 1050 und dem großen Jenz-Häcksler zwischen 70 und 160 Kubikmeter Hackschnitzel, je nach Material“, meint Walter Hartmann. Viel Holz, im wahrsten Sinne des Wortes. Abnehmer sind meist Privathaushalte, aber auch Biomasse-Kraftwerke. Viele Waldbesitzer fordern das Team an, um gleich im Forst meist das gefällte Käferholz zu verarbeiten. Da komme er mit dem Allrad-Traktor eben besser hin als mit einem Lastwagen als Häcksler-Antrieb, meint der Unternehmer. Denn er hat einen weiten Tätigkeitsbereich: „Zwischen Hersbruck, Neumarkt, Rieden, Hirschau und Vilseck sind wir im Einsatz.“

800-Liter-Tank

Die Räder fahren da viel auf dem Asphalt, und wenn so ein Profil abgenutzt ist, wird richtig Geld fällig: Schließlich sind etwa die hinteren Reifen aus der Klasse 750/75 R 46 und über zwei Meter hoch. Aber das ist halt so bei Traktoren dieser Größe. Einen mittleren sechsstelligen Betrag hat der schwarze Riese gekostet, der Häcksler fast ebenso viel. Da muss sich schon was bewegen bei der Arbeit, wenn das wieder rumkommen soll. Der Diesel-Tank fasst alleine rund 800 Liter. Schon der Ad-blue-Behälter ist mit seinen 85 Litern größer als fast jeder Pkw-Tank. Der Sprit reicht dem Sechszylinder mit 12 500 ccm Hubraum bei guter Auslastung in der Hauptsaison Juli bis Oktober einen ganzen Arbeitstag. Dann liegt da aber auch ein Haufen Hackschnitzel, so groß wie ein mittleres Einfamilienhaus.

Wenn Hartmann mit seinen beiden 14 bzw. 20 Tonnen wiegenden Einheiten auf der öffentlichen Straße unterwegs ist, muss er sich allerdings schon manchmal ärgern: „Es kommt immer öfter vor, dass einem entgegenkommende Autofahrer den Scheibenwischer machen oder sogar den Stinkefinger zeigen“ – eine klare Missachtung gegenüber landwirtschaftlichen Maschinen, unbegründete Angst oder gar Neid?

Denn seien wir einmal ehrlich: So ein Riesentrumm ist doch das typische Männerspielzeug an sich, oder? Walter Hartmann muss nicht lange überlegen auf diese Frage, dann meint er strahlend: „Schou!“ Schließlich ginge es auch mit anderen Maschinen, aber halt nicht so schön. Und wenn man schon Hobby und Beruf verbinden kann, sollte man es auch tun, meint er. Sein Motto steht ja auch auf dem Lastwagen: „Ich und mein Holz“. Dann klettert er hinauf ins Cockpit, seine Augen strahlen, als sich die beiden Monster dumpf brummend in Bewegung setzen. Gleich gibt‘s wieder Kleinholz, aber so richtig.

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Hintergrund:

Technische Daten Fendt Vario 1050


  • Gewicht: 14 Tonnen
  • PS: 517
  • Länge: 6,1 m
  • Breite: 2,7 m
  • Höhe: 3,5 m
  • Motor: 6-Zylinder-Diesel
  • Hubraum: 12 419 ccm
  • Bereifung hinten: 750/75 R 46
  • Höchstgeschwindigkeit: bis 60 km/h
  • Getriebe: stufenloses Vario-Getriebe

„In der Stunde produziert das Gespann aus Fendt Vario 1050 und dem großen Jenz-Häcksler zwischen 70 und 160 Kubikmeter Hackschnitzel.“

Walter Hartmann

 

 

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