26.08.2021 - 14:50 Uhr
Burgtreswitz bei MoosbachOberpfalz

Von gruseligen und hilfreichen Geistern

Heimatmuseum, Veranstaltungsort, Freilichtbühne, "Standesamt" - das Schloss Burgtreswitz bei Moosbach hat viele Facetten. Ein Besuch lohnt in jedem Fall.

Auf das Schlafzimmer im Stil der Gründerzeit, eine Leihgabe des Vohenstraußers Horst Peugler, ist man besonders stolz. Das Schlafzimmer gehört zu den wichtigsten Stücken des Museums in Schloss Burgtreswitz. Peter Garreiss (links) ist Schlossführer und Vorsitzender des Fördervereins Schloss Burgtreswitz. Adolf Graf (rechts) gehört zusammen mit Erhard Burger, Alfred Giisibl und Ernst Fischer zu den helfenden „guten Geistern“. Sie richteten die Museumsräume ein. Heute ist dafür 3. Vorsitzender Wolfgang Mayer zuständig.
von Gabi EichlProfil

Um das Schloss Burgtreswitz kümmert sich ein außerordentlich aktiver Förderverein. Der wird nicht müde, unablässig zu bauen, zu verbessern und neue wissenschaftliche Erkenntnisse umzusetzen. Erst vor zwei Jahren wurde zum Beispiel ein Aufzug eingebaut, wodurch das Schloss und das Museum inzwischen barrierefrei sind. Seit der Markt Moosbach das Schloss 1983 erworben hat, laufen die Instandsetzungsarbeiten, die der aktuell 450 Mitglieder starke Förderverein mit viel Handarbeit unterstützt, aber auch mit hohen Geldzuwendungen. Sage und schreibe 250000 Euro für die weiteren Sanierungsarbeiten hat der Förderverein der Gemeinde im vergangenen Jahr überwiesen.

Förderverein war Retter

Peter Garreiss ist Vorsitzender des Fördervereins und Schlossführer. Er verweist nicht ohne Stolz auf die Verleihung des Denkmalpreises der Hypo-Kulturstiftung 2009 an den Förderverein für dessen Verdienste um die „Rettung von Schloss Burgtreswitz“. Diese Rettung ist überall im Schloss dokumentiert, denn an allen Wänden hängen Fotos, wie es vor der Sanierung hier ausgesehen hat. Einer Sanierung, in der viel Schweiß und schwielige Hände von Mitgliedern des Fördervereins stecken.

Garreiss, bis zu seiner Pensionierung 2006 Kämmerer und Geschäftsleiter des Marktes Moosbach, betont, dass man Wert darauf gelegt habe, in dem Schloss aus dem 12. Jahrhundert vorwiegend Gegenstände aus dem ehemaligen Pflegamt Burgtreswitz zu zeigen. Unter den etwa 500 Exponaten sind viele Leihgaben. Der Vohenstraußer Bäckermeister Horst Peugler etwa hat dem Förderverein eine komplette Schlafzimmer- und Wohnzimmer-Einrichtung im Gründerzeit-Stil überlassen, daraus sind laut Garreiss die wichtigsten und schönsten Zimmer des Museums geworden. In einem repräsentativen Raum des Schlosses können außerdem standesamtliche Trauungen abgehalten werden.

Erfahrene Führer

Peter Garreiss verkörpert das Museum nach außen. Er ist zu seiner Aufgabe gekommen wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. Zwar hatte er als Geschäftsleiter der Gemeinde immer schon mit dem Schloss zu tun, seit der Markt Moosbach dieses übernommen hatte, mehr aber nicht. Nach seiner Pensionierung hieß es, er habe ja jetzt Zeit, sich um das Schloss zu kümmern. Und das tut Garreiss seither. Zusammen mit Helene Rolle führt er seit Jahren durch das Museum.

Die kleine Folterkammer beeindruckt bei Führungen vor allem Kinder, aber die Instrumente sind Nachbildungen, echtes Folterwerkzeug findet sich im Schloss nicht mehr. Kleine „Lauser“, die die Führungen stören, kann Garreiss aber auch mit den Nachbildungen schon mal zu plötzlichem Stillschweigen und weit aufgerissenen Augen bringen. Sehr interessiert seien die Besucher immer an den Modellen einer Spiegelglasschleiferei, sagt Garreiss. In kleinem Maßstab zeigten diese, wie Spiegelglasschleifen und Polierwerke von Mitte des 18. Jahrhunderts an in der Gegend mit Hilfe von Wasserkraft Glas veredelt hätten.

Heirat in Schwarz

Ein Schaukasten zeigt Gegenstände aus der Kapelle in Gröbenstädt, die derzeit in keinem guten Zustand ist. Daneben steht eine Puppe im schwarzen Hochzeitsgewand: Damals hatte man bewusst nicht in Weiß geheiratet, damit man das Hochzeitskleid auch noch über die Trauung hinaus benutzen konnte. Eine weitere Figur trägt das Gewand eines "Pflegers". Der Pfleger war den Worten Garreiss´ zufolge früher eine Art Landrat und Richter in einer Person, also ein wichtiger und mächtiger Mann.

Im Schloss Burgtreswitz lohnt sich auch ein Gang durch den fast 140 Meter langen Dachboden. Es dauert länger, als man denkt, bis man diesen durchschritten hat. Und man bekommt auf diese Weise einen unmittelbaren Eindruck von den Ausmaßen des Gebäudes. Durch die exponierte Lage des Schlosses ist es immer wieder zu Sturm- und Hagelschäden gekommen; kaum seien die letzten Reparaturen abgeschlossen, habe der Pfleger schon wieder über neue Schäden geklagt, erzählt Garreiss. Natürlich ist bei einer Führung durch das Museum auch „Matere“ allgegenwärtig, das Schlossgespenst, das auf einen brutalen Steuereintreiber im 17. Jahrhundert zurückgeht, der wegen seiner Grausamkeiten von einem Untertan mit einem Fluch belegt wurde. Seit seinem Tod muss „Matere“ nun im Schloss umgehen. Adolf Graf, lange Jahre der Mann fürs Technische im Förderverein und multitalentierter Handwerker, hat einen „Matere“ für das Museum geschnitzt.

Noch längst nicht fertig

Innerhalb der Schlossmauern findet neben dem heimatgeschichtlichen Museum auch ein Jagd- und Fischereimuseum Platz, das aktuell neu gestaltet wird. „Es gibt schon noch viel zu restaurieren“, sagt Garreiss, aber auch der Förderverein kann - Schweiß hin, Geld her - nur immer Teilbereiche in Angriff nehmen. Von diesen Dingen merkt der Museumsbesucher allerdings kaum etwas.

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Service:

Schloss Burgtreswitz

  • Führungen müssen vereinbart werden. Kontakt direkt über Peter Garreiss, Tel. 09656/372 oder 0176/23347840, und
    Helene Rolle, Tel. 09656/383 oder 0151/25777017, oder über das Tourismusbüro der Gemeinde, Tel. 09656/920217.
  • Geeignet für Kinder und Erwachsene mit Interesse an Heimatgeschichte; das Museum ist durch einen Aufzug barrierefrei.
  • Parkplätze stehen unmittelbar gegenüber dem Eingang und unterhalb der Burg zur Verfügung.
  • Der Eintritt ist frei, Spenden werden aber gern gesehen.
  • Ausflugstipps in der Region: Wieskirche bei Moosbach, Friedrichsburg Vohenstrauß, Burg Leuchtenberg, Hexengarten Gaisheim, Bocklradweg.

 

 

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