07.10.2021 - 15:59 Uhr
MünchenOberpfalz

Christian Doleschal glaubt nicht mehr an "Jamaika" und lobt Markus Söder

Zwei Wochen nach der Bundestagswahl trifft sich die Junge Union Bayern in Deggendorf zur Landesversammlung. Auf der Tagesordnung stehen Neuwahlen. Ein Gespräch mit JU-Chef Christian Doleschal.

Christian Doleschal, Mitglied des Europäischen Parlaments und Vorsitzender der Jungen Union Bayern, aufgenommen zu Beginn einer Landesversammlung der Jungen Union Bayern im Juni im Stadion der Spielvereinigung Unterhaching.
von Jürgen UmlauftProfil

ONETZ: Herr Doleschal, Sie scheinen sich Ihrer Wiederwahl ziemlich sicher zu sein…

Christian Doleschal: Warten wir mal ab.

ONETZ: Naja, die Tagesordnung weist für den Morgen nach der Vorstandswahl schon die „Eröffnung durch den Landesvorsitzenden Christian Doleschal“ aus.

Christian Doleschal: Oh. Da ist uns wohl ein redaktioneller Fehler unterlaufen. Das ist mir gar nicht aufgefallen.

ONETZ: Aber Sie sind trotzdem siegessicher, oder?

Christian Doleschal: Ich bin zuversichtlich, wieder Landesvorsitzender der JU in Bayern zu werden.

ONETZ: In Berlin ist die Lage etwas weniger klar. Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, dass es mit „Jamaika“ doch noch klappt?

Christian Doleschal: Ehrlich gesagt: Nicht allzu hoch. Es war richtig, dass wir nicht gleich am Anfang gesagt haben, wir gehen mit diesem Wahlergebnis in die Opposition. Wir haben als Union ja auch eine staatspolitische Verantwortung. Aber wir müssen anerkennen, dass sich FDP und Grüne jetzt relativ zügig für die „Ampel“ entschieden haben. Das ist auch in Ordnung. Es gibt schließlich ein Wahlergebnis, bei dem drei Parteien gewonnen haben. Und wir müssen das unsere akzeptieren. Wenn das Modell „Ampel“ am Ende nicht gelingt, dann werden wir überlegen, wie man dieser Situation umgeht. Aber aktuell liegt der Ball ganz klar bei SPD, FDP und Grünen.

ONETZ: Wäre die CDU in ihrem aktuellen Zustand überhaupt koalitionsfähig?

Christian Doleschal: Ich glaube schon, dass die Union am Ende wüsste, welche Verantwortung sie hat.

ONETZ: Was halten Sie von der Überlegung, den geschlagenen Kanzlerkandidaten Armin Laschet bei möglichen Verhandlungen durch CSU-Chef Markus Söder zu ersetzen?

Christian Doleschal: Mit welchem Personal die Union dann möglicherweise Koalitionsgespräche führt, sollte man erst entscheiden, wenn es wirklich so weit ist.

ONETZ: Auch in der CSU schwelt Kritik am Kurs von Markus Söder. Der sei zu ökologisch, zu städtisch. Sehen Sie da Korrekturbedarf?

Christian Doleschal: Es war richtig, gerade bei der Ökologie klare Signale zu setzen. In der jungen Generation ist das eines der drängendsten Themen. Söder hat es geschafft, mit dieser Schwerpunktsetzung als CSU bei jungen Menschen wieder anschlussfähig zu werden. Leider hat sich das im Wahlergebnis noch nicht ausgewirkt. Aber für das liegen die Ursachen auch woanders.

ONETZ: Skeptisch wird auch die Parole „Jünger und Weiblicher“ gesehen. Tut sich in der CSU ein Generationskonflikt auf?

Christian Doleschal: Nein, das glaube ich nicht. Aber es richtig: Die CSU muss erkennbar jünger werden. Bei der SPD stellen die Jusos künftig 49 von 206 Abgeordneten im Bundestag, bei der Union sind nur 13 von 196 im JU-Alter. Wir brauchen einfach mehr junge Kandidaten, um bei jungen Wählern wieder stärker zu ziehen.

ONETZ: Wie will die Junge Union zur Konsolidierung von CDU und CSU beitragen?

Christian Doleschal: Konstruktiv-kritisch. Unser Motto lautet „Next Generation – mutig, frei, selbstbestimmt“. Das verstehen wir durchaus als Auftrag. Wir haben als Union im Wahlkampf bei jungen Leuten zu wenig Lust auf Zukunft gemacht. Freiheit und Eigenverantwortung müssen jetzt gerade nach den Corona-Einschränkungen in den Mittelpunkt gerückt werden. Der Staat muss sich wieder mehr aus dem Privatleben der Menschen zurückziehen. Das ist ein Gefühl, das bei der jungen Generation weit verbreitet ist.

Nach der Bundestagswahl

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Hintergrund:

Zur Person: Christian Doleschal

  • Christian Doleschal ist 32 Jahre alt und lebt seiner Frau und seiner kleinen Tochter in Brand (Kreis Tirschenreuth).
  • Seite August 2019 ist Christina Doleschal Landesvorsitzender der Jungen Union Bayern
  • Seit der Europawahl im Frühjahr 2019 ist Christian Doleschal Abgeordneter im Europäischen Parlament.
  • Bevor er ins Europäische Parlament gewählt wurde, war Doleschal als Rechtsanwalt bei der Bauunternehmen W. Markgraf GmbH & Co KG tätig.

 

 

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