05.07.2021 - 10:34 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

Ebermannsdorf will einen digitalen Dorfladen: Immer geöffnet, ohne Personal

Ein kleiner Supermarkt im Dorf. Ganz ohne Personal. Aber rund um die Uhr geöffnet. In Thüringen gibt es so einen "digitalen Dorfladen" schon. Ebermannsdorf (Landkreis Amberg-Sulzbach) hätte auch gern einen.

Sieht aus wie ein kleiner Supermarkt und ist auch einer: Der erste "Emmas Tag- und Nachtmarkt", der Anfang 2020 in Thüringen eröffnet wurde, ist Vorbild für weitere, die jetzt auch in Bayern folgen sollen.
von Heike Unger Kontakt Profil

"Emmas Tag- und Nachtmarkt" heißt das Konzept eines digitalen Dorfladens. In der 1000-Einwohner-Gemeinde Altengottern nahe Erfurt wurde Anfang 2020 der erste eröffnet – weitere sollen nun folgen. Die Gemeinde Ebermannsdorf (Landkreis Amberg-Sulzbach) interessiert sich auch sehr für die Idee, die hier schon im Gemeinderat Thema war und weiterverfolgt werden soll. Tatsächlich entspricht Ebermannsdorf von der Größe her genau den Gemeinden, die für die "Emmas Tag- und Nachtmarkt" GmbH mit Sitz in Erfurt als Standort infrage kommt.

Ihr Fokus liegt bei kleinen Gemeinden mit 500 bis 2500 Einwohnern ohne Einkaufsmöglichkeit im Ort, wie Peter John aus der Geschäftsführung erklärt. "Wir wollen den alten Tante-Emma-Laden nicht verdrängen", erläutert er zur Unternehmensphilosophie. Deshalb gehe man gezielt in Orte, in denen es keinen Nahversorgung (mehr) gibt. Voraussetzung ist, dass die Gemeinde ein Grundstück anbietet und sich mit 150.000 Euro beteiligt. Im Gegenzug sagt "Emmas Tag- und Nachtmarkt" eine 20-jährige Betreiber-Pflicht zu. Nach dieser Zeit geht das Gebäude ins Eigentum der Gemeinde über.

Ohne Personal

Am ungewöhnlichsten ist sicherlich, dass es in diesem Laden kein Verkaufspersonal gibt: Die Kunden sind über eine spezielle Chip-Karte registriert, mit der sie jederzeit – 24 Stunden, sieben Tage die Woche – Zutritt zum Geschäft haben. Dort finden sie Regale und (Tief-)Kühlschränke, an denen sie sich bedienen können. Ihre Einkäufe scannen sie am Ende selbst an speziellen Kassen und bezahlen mit Karte. "Wir haben kein Bargeld im Laden", betont John.

Im Prinzip sei der Tag- und Nachtmarkt ein kleiner Supermarkt, erläutert John: In einem massiven Gebäude mit rund 100 Quadratmetern fänden die Kunden alles, was sie für den täglichen Bedarf brauchen, auch Tiefkühlkost, frisches Obst, Gemüse und Produkte lokaler Produzenten wie Bäcker und Metzger – nur eben nicht in der Marken-Breite eines großen Supermarktes. "Wir haben nur zwei, drei Sorten Nudeln, wo der Großmarkt 20 hat." Rund 1200 Produkte gehören zum Sortiment.

Künstliche Intelligenz managt

Künstliche Intelligenz hat das Warenmanagement "im Blick", weiß also zum Beispiel, was die Kunden besonders gern kaufen und sorgt für Nachschub. Ein spezielles Sicherheitssystem, auf dessen Details Peter John nicht eingehen will, "begleitet die Kunden und die Ware": Kameras haben das Geschehen im Laden ebenso im Blick wie ein Sicherheitsdienst im Hintergrund. "Wir sind so gesichert, dass wir sehen, wenn etwas gestohlen wird", merkt John an und fügt hinzu: "Jeder Diebstahl wird zur Anzeige gebracht." Bislang sei dies aber kein großes Thema. Für die Sicherheit der Kunden gibt es eine Notruf-Taste und eine Gegensprechanlage. Völlig ohne Personal geht es übrigens nicht: Es gibt eine 450-Euro-Kraft, die die Regale auffüllt und sich auch sonst um den Laden kümmert. John spricht von einer "guten Seele, die nach dem Rechten schaut".

Nach den guten Erfahrungen im ersten "Emmas Tag- und Nachtmarkt" in Altengottern plant das Unternehmen jetzt, weitere Läden zu eröffnen – nicht nur in Thüringen und Bayern, sondern in ganz Deutschland. Das Unternehmen baut für seine Märkte neu, mit einer eigenen Baufirma. "Das hat mit unserer Technik zu tun", erklärt John – "wir arbeiten unter anderem mit Flughafen-Schleusen". Die Liste interessierter Gemeinden sei lang. In Thüringen gebe es für solche Projekte inzwischen sogar ein eigenes Förderprogramm. In Bayern seien derzeit zwei Standorte konkret ins Auge gefasst. Bei Ebermannsdorf sei man noch nicht so weit, hier müsse man noch eine genaue Standortanalyse machen. "Da sind wir in der Vorprojektierung", berichtet John, signalisiert aber grundsätzlich großes Interesse. Bis Ende dieses, Mitte nächstes Jahres wisse man wohl mehr, meint er.

Kommentar: Digitaler Dorfladen – warum eigentlich nicht?

Ebermannsdorf
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Das klassische Modell: Der Marktladen in Hohenburg

Hohenburg
Ein Blick in den digitalen Dorfladen in Altengottern: In Regalen und (Tief-)Kühlschränken lagern die Waren, an den Scanner-Kassen (rechts im Bild) kassieren sich die Kunden selbst ab und bezahlen mit Karte.
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