Update 12.02.2020 - 11:16 Uhr
EnsdorfOberpfalz

SPD-Infoveranstaltung Dorferneuerung: "Stillstand muss ein Ende haben"

Landschaftsarchitekt Wolfgang Fetsch findet bei einer SPD-Veranstaltung zum Thema Dorferneuerung deutliche Worte. Architekt Willi Schmid spart nicht mit Kritik.

Zum Thema „Dorferneuerung und Städtebauförderung – eine Chance für Ensdorf“ konnte SPD-Ortsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat Johann Ram als Referenten Architekt Willi Schmid (links) und Landschaftsarchitekt Wolfgang Fetsch (rechts) begrüßen.
von Hubert SöllnerProfil

"Dorferneuerung und Städtebauförderung - eine Chance für Ensdorf" war eine Infoveranstaltung des SPD-Ortsvereins im Gasthaus Dietz überschrieben. Ortsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat Johann Ram freute sich über zahlreiche Besucher, darunter SPD-Landratskandidat Michael Rischke, Architekt Willi Schmid und Landschaftsarchitekt Wolfgang Fetsch.

"Wir müssen auch an unsere Landwirte denken", verwies Ram auf den gewaltigen Rückgang der Holzpreise. Bei einer Dorfnerneuerung - "seit Jahrzehnten ist in der Gemeinde nichts passiert" - sehe er gemeinsame Hackschnitzelheizungen als gute Lösung. Die Wertschöpfung bleibe in der Region.

Die Idee zu dieser Veranstaltung, so Architekt Schmid, sei bei einer ZEN-Veranstaltung zur Wärmedämmung denkmalgeschützter Gebäude in seinem Torbogenhaus in Hirschwald entstanden. Und er ging auch gleich in die Vollen, kritisierte, "dass der Abriss denkmalgeschützter Gebäude wie der Gaststätte Peng in Vilshofen eine städtebauliche Wunde hinterlassen" habe. Hierbei seien Möglichkeiten der Städtebauförderung außer Acht gelassen worden.

Er plädiere für eine Stärkung der Ortsmitte, stellte sich gegen ein Ausfransen der Orte und verwies auf das kommunale Flächenmanagement. Dabei seien Interessenslagen vielfältig und eigene Interessen legitim. Jedoch seien auch gesellschaftliche Anliegen zu bedenken. Schmid zeigte Grundlagen der Städtebauförderung auf und betonte: "Wichtig ist, ein bestimmtes, definiertes Gebiet festzulegen, dem die Maßnahme zugutekommt." Dabei seien die Abläufe festgeschrieben vom Antrag bis zum Abschluss der Gesamtmaßnahme. Idealer Einstieg für Städtebauförderung oder Dorferneuerung sei das kommunale Denkmalkonzept.

Ensdorf brauche einen Ruck sowie mehr Engagement der Bürger und des Gemeinderates, damit es sich entwickeln kann und um die zukünftigen Aufgaben einer funktionierenden Dorfgemeinschaft zu bewältigen, brachte es Landschaftsarchitekt Fetsch auf den Punkt: "Der Stillstand der letzten Jahre muss ein Ende haben." Die Möglichkeiten der Dorferneuerung zeigte er mit Plänen und Bildern im Detail an den Ortsteilen Gunzendorf und Hagenohe der Stadt Auerbach auf.

Neben den Aufgaben der ländlichen Entwicklung listete er den Ablauf der Maßnahmen sowie der Finanzierung und Förderung auf. "Dorferneuerung ist ein Prozess, in dem Bürger mit Gemeinderat und Planern zusammen erarbeiten, wie das Dorf in Zukunft funktionieren und aussehen soll", fasste Fetsch zusammen. Er unterstrich: "Das Amt für Ländliche Entwicklung kommt nicht und fragt nach, ob Ensdorf in die Dorferneuerung aufgenommen werden will." In Tirschenreuth stünden interessierte Bürgermeister Schlange. "Da muss sich der Bürgermeister von Ensdorf schon selbst auf den Weg machen und die Möglichkeiten für eine Dorferneuerung abklären."

Reaktionen:

Bei der Veranstaltung kritisierte Architekt Willi Schmid den Abbruch der Gaststätte Peng in Vilshofen und bezeichnete das Gebäude als „denkmalgeschützt“. Daraufhin meldete sich Grundbesitzer Herbert Scharl zu Wort und dementierte, dass das Gasthaus denkmalgeschützt war.

Schmid berichtigt und führt aus: „Das Peng war nicht denkmalgeschützt im Sinne des Gesetzes, schützenswert war es allemal. Es gehörte sich nicht, es abzureißen. Seine Anfänge reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Das Anwesen war im Mittelalter Raststelle für Salzschiffer, dann Wirtsanwesen mit Braustatt und Brandweinbrennerei und bis in die Neuzeit ein veritabler Gasthof. Der Gewölbekeller diente als Luftschutzbunker und das Obergeschoss als Tanzboden und Kinosaal. Was für eine Geschichte und was für Geschichten – allein schon der Name! Ein über die Jahrhunderte ortsprägendes Gebäude und für Vilshofen identitätsstiftend. Es gehörte geradezu zur historischen DNA des Ortes. Da wo es stand, parken jetzt Gebrauchtwagen.

Bevor wir über Dorferneuerung und Städtebauförderung – also Reparaturmaßnahmen – reden, sollten wir uns zuallererst darum kümmern, die weitere Zerstörung unserer Dörfer zu verhindern. Der Verlust von Heimat geht uns alle an. Möglichkeiten und Handhaben, erhaltenswerte Bausubstanz zu sichern, gibt es genug. Förderungen stehen dem Eigentümer zur Verfügung, aber auch den Kommunen – sie müssen nur handeln.“

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.