Erbendorf
03.11.2020 - 12:10 Uhr

Die Geschichte hinter dem Schützenmarterl im Hessenreuther Wald

Fast schon 200 Jahre steht die Schützenmarter nordwestlich von Hessenreuth. Die Menschen verbinden mit ihr ganz unterschiedliche Geschichten. Dabei geht es um Dankbarkeit, den Tod und auch um eine aufgebrachte Wildsau.

Auf dem Marterl aus Sandstein ist zu lesen: "Diese Bildsäule wurde aus Jägersnot 1837 vom Revierförster Joh. Angerer gestiftet." Bild: E. Hoffmann
Auf dem Marterl aus Sandstein ist zu lesen: "Diese Bildsäule wurde aus Jägersnot 1837 vom Revierförster Joh. Angerer gestiftet."

Anlässe für das Aufstellen von Feldkreuzen gab es früher genug: Wenn bei einem Forstunfall ein Holzfäller durch einen umstürzenden Baum ums Leben kam. Oder wenn dieser Mann bei diesem Unfall zwar schwere Verletzungen davontrug, aber Gott sei Dank wieder gesund wurde. Oder wenn der Holzhauer genau in der Fallrichtung des stürzenden Baums stand und wie durch ein Wunder völlig unverletzt blieb.

Egal, wie die Sache ausging, letztendlich gab es immer einen Grund dafür, ein Marterl, ein Feldkreuz oder einen Bildstock aufzustellen: zur Erinnerung an den Toten und das Unglück, zum Dank für die Wiedergenesung, zum Lobpreis, weil ein wirkliches Wunder geschehen war. Und natürlich auch, um Menschen zum Gebet, zur Erinnerung und zur Besinnung einzuladen. Kaum einer ging früher an so einem Marterl vorbei, ohne zumindest das Kreuzzeichen zu schlagen und ein kurzes Gebet zu murmeln.

1837 errichtet

Natürlich musste es sich bei den Unglücken nicht immer um einen Holzfäller handeln, Marterl bezeugten vielerlei Katastrophen: umgestürzte Pferdegespanne, im Krieg vermisste Angehörige, überstandene Seuchen, Brände, Überschwemmungen, oder auch die Erinnerung an ein brutales Verbrechen. An viele dieser Kreuze, die oft schon einige Jahrhunderte alt sind, knüpft sich ein besonderes Ereignis.

Oberviechtach04.09.2020

Oft ist der Grund, warum das Marterl aufgestellt wurde, aber bereits in Vergessenheit geraten, es ranken sich abenteuerliche Geschichten darum, die nicht mehr eindeutig nachweisbar sind.

Und auch in Bezug auf das Alter des Bildstocks gibt es Unsicherheiten. Manchmal existieren dazu Hintergrundinformationen, die in mühevoller Kleinarbeit von Heimatforschern zusammengetragen wurden. Zugleich werden aber dazu in der Bevölkerung ganz andere - oftmals sehr abenteuerliche - Geschichten erzählt. Dies gilt auch für ein Feldkreuz im Hessenreuther Wald: das Schützenmarterl, das 1837 errichtet wurde.

Viele Geschichten

Eine Variante, für deren Wahrheitsgehalt es allerdings keine historischen Belege gibt, erzählt von der Schlacht bei Kastl 1796 und den abrückenden Franzosen. Drei Soldaten aus diesem Bataillon sollen dort im Hessenreuther Forst erschlagen worden sein, das Marterl wurde als Erinnerung daran errichtet.

Eine andere Überlieferung berichtet, dass der Revierförster Johann Angerer aus Albenreuth das Marterl aus Dankbarkeit für seine langen unfallfreien Berufsjahre in Auftrag gegeben hat.

In seiner Not versprach der im Geäst sitzende Förster, an diesem Ort ein Marterl zu errichten - falls er mit dem Leben davonkommen würde. Und wirklich, nach einiger Zeit ließ das Wildschwein von ihm ab und verschwand wieder im Wald.

Josef Etterer

"Sauglück" gehabt

Josef Etterer aus Kastl kennt aber noch eine weitere Version der Geschichte zum Schützenmarterl im Hessenreuther Forst, allerdings ist auch diese Version nicht belegt. "An einem Sonntagvormittag soll es gewesen sein", erzählt der frühere Bürgermeister, "als ein Förster, wohnhaft in Albenreuth, von einem Wildschwein angegriffen wurde. Da aber das Gewehr des Försters bereits entladen und somit nicht mehr schussbereit war, blieb ihm nichts anderes übrig, als auf den nächsten Baum zu flüchten. Daraufhin versuchte die Wildsau, diesen Baum niederzureißen. In seiner Not versprach der im Geäst sitzende Förster, an diesem Ort ein Marterl zu errichten - falls er mit dem Leben davonkommen würde. Und wirklich, nach einiger Zeit ließ das Wildschwein von ihm ab und verschwand wieder im Wald."

Anscheinend war das Versprechen des Försters droben im Himmel beim lieben Gott auf offene Ohren gestoßen. Vielleicht hatte er aber auch einfach nur Glück. Ein Sauglück, sozusagen. Grund genug jedenfalls, um an dieser Stelle ein Marterl aufstellen zu lassen.

Hintergrund:

Wo das Schützenmarterl zu finden ist

Wanderer finden das Schützenmarterl von Hessenreuth aus – auf gut ausgebauten Forstwegen durch den Wald – auf ihrem Weg in nordwestlicher Richtung nach Altköslarn. Nach gut zwei Kilometern ist eine Weggabelung, an der sich das Schützenmarterl links auf einer kleinen Böschung befindet. Das Waldgebiet ist dort mit dem Namen „Schützenmarter“ beschildert, zu finden auch im Internet unter www.geoportal.bayern.de/bayernatlas. (cvl)

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