01.06.2020 - 12:48 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Heimische Pflanzen und ihr Wirkungen: Der Löwenzahn

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Die heimische Pflanzenwelt bietet Erstaunliches. In einer neuen Serie stellen zertifizierte Kräuterführerinnen Pflanzen, ihre Geschichte und Rezepte dafür vor. Den Anfang machen sie mit dem Löwenzahn.

Die gelben Farbtupfer des Löwenzahns sind nicht zu übersehen. Für alle, welche die Blüten im Rasen nicht schätzen, haben die Kräuterführerinnen einen Tipp: die Blüten einfach in der Küche verwenden.
von Redaktion ONETZProfil

Von Regina Herrmann und Ulrike Gschwendtner

Die Wahl kommt nicht von ungefähr. Nicht nur, dass den Löwenzahn jeder kennt, er ist auch gut für die Gesundheit. "Löwenzahn enthält 30 Mal mehr Vitamin C und 25 Mal mehr Magnesium als Kopfsalat", wissen die Kräuterführerinnen.

Kein Blatt gleicht dem anderen. Jedes hat seine individuellen Zähne oder Buchten. Die sonnengelben Blüten öffnen sich am Morgen und schließen sich gegen Abend oder bei Regen. Zur Zeit der Reife schließt sich der Hüllkelch um die Blüte und der Stängel neigt sich nach unten. Sind die Löwenzahnfrüchte reif, hebt sich das Köpfchen wieder nach oben und öffnet sich zu einem wunderschönen Kunstwerk - der Pusteblume. Der Wind löst die Früchte ab und trägt sie fort. Damit zeigt der Löwenzahn seine große Wandlungsfähigkeit, die wir für uns nutzen können.

Der Löwenzahn ist eine der wirkungsvollsten Leber- und Gallepflanzen. Die Blätter enthalten etwa Bitterstoffe, viel Vitamin C und Kalium, das entwässernd wirkt. In der Umgangssprache wird der Löwenzahn neben vielen anderen Namen wegen der Harn treibenden Wirkung auch Bettsoicher genannt. Eine Kur mit ungesüßtem Tee oder Frischpflanzensaft wirkt anregend auf Nieren, Blase, die Verdauung und den Stoffwechsel.

Der Löwenzahn ist zudem ein wirkungsvoller Begleiter einer Diät. In der Volksheilkunde hat sich der Löwenzahn bei Rheuma und Gicht als blutreinigendes Kraut bewährt. Nach der Einnahme von Antibiotika hilft er, den Darm zu sanieren und unterstützt die Ausleitung von Schwermetallen. Die Wurzel enthält im Frühling mehr Bitterstoffe, im Herbst mehr Inulin. Vorsicht bei sehr empfindlichen Magen: "Bitterstoffe können Beschwerden verursachen", so die Kräuterfrauen.

Mehr über die Kraft der Kräuter und Regina Herrmann lesen Sie hier:

Erbendorf

Ein Stoffwechsel-Booster

Im Frühling täglich (maximal 6 Wochen) fünf Blätter roh verzehrt, gibt Löwenzahn dem Körper einen guten Entgiftungsimpuls. Sobald man auf Bitteres beißt, fließt mehr Speichel und die Verdauungssäfte werden angeregt. Der Löwenzahn kann auch auf der seelischen Ebene Veränderungen bewirken. Bei Ärger und Bitterkeit kann diese Pflanze Verhärtungen und Erstarrungen lösen und alles wieder in Fluss bringen. Dadurch vermittelt sie neue Lebenskraft.

Löwenzahn-Kosmetik

Der Löwenzahntee eignet sich auch als reinigendes Gesichtswasser bei Hautproblemen. "Alle Angaben zu Heilwirkungen stammen aus der Volks- und Erfahrungsheilkunde", betonen die in Waldsassen ausgebildeten Kräuterführerinnen.

Löwenzahn-Lyrik

Auch in der Lyrik hat der Löwenzahn seinen Platz gefunden. Ein alter Poesiebucheintrag lautet: "Die goldene Pracht hat ausgeblüht, die kleinen Sonnen sind verglüht. In silbernen Laternen glimmt ihr Licht, bevor es Abschied nimmt, bevor der Wind es rings verweht und neue goldene Sonnen sät."

Löwenzahn für Kinder

Löwenzahnstängel kringeln sich im Wasser. Stängel halbieren oder nur die Enden einschneiden, ins Wasser legen und beobachten. Das geht auch schon mit kleinen Kindern. Den umweltfreundlichen Strohhalm liefert der Löwenzahnstängel als Löwenzahnpipeline.

Löwenzahn in der Küche

Die Blätter können das Gemüse, den Salat ergänzen oder in Bratlingen, Pesto, Füllungen für Quiche/Strudel verarbeitet werden oder einfach das Butterbrot verfeinern. Die gelben Zungenblüten geben ein leckeres goldenes Gelee oder einen Sirup. Aus den Wurzeln lässt sich ein Kaffee-Ersatz herstellen.

Löwenzahn in Volksheilkunde

Warzen hat man früher bei abnehmendem Mond mit dem Löwenzahn-Milchsaft (deshalb auch der Name "Mülchscheck") bestrichen. So wie der Mond weiter abnimmt, sollte auch die Warze schrumpfen. Hieronymus Bock beschreibt eine Anwendung mit Kraut und Wurzel, die Frauen früher gegen unreine Haut, Sommersprossen und Rötungen benutzt haben.

Regina Herrmann mit Löwenzahn.
Info:

Rezepte mit Löwenzahn

Löwenzahn ist auch in der Küche vielseitig einsetzbar. Hier sind ein paar ungewöhnliche Rezepte der Kräuterpädagoginnen aus der Region für die Pflanze, die in fast jedem Garten und auf jeder Wiese anzutreffen ist.

Tee aus Löwenzahn

Dazu nimmt man eine frischen vollständigen Löwenzahnpflanze. Die Wurzel säubern und zusammen mit den Blättern und der Blüte klein schneiden. In einem großen Krug oder eine French-Press geben und mit kochendem Wasser übergießen, 8-10 Minuten ziehen lassen. Genießen Sie den frischen Geschmack und die Wirkung.

Löwenzahnkapern

Rezept für fünf Gläser mit 100 Milliliter. Blütenknospen (geschlossener, praller Zustand vor dem Aufblühen) pflücken, in 100-Milliliter- Gläschen füllen. Je Glas einen gestrichenen Teelöffel Wildkräutersalz, einige Pfefferkörner und eine Scheibe frischen Knoblauch zufügen.

Anschließend 350 Milliliter hellen Balsamico oder Apfelessig und 200 Milliliter Wasser aufkochen. Essig-Sud in die Gläschen füllen. Fest verschließen und etwa 8 Minuten auf den Deckel stellen. Die Kapern sollten mehrere Wochen durchziehen.

Löwenzahn-Crostini

Zutaten: 4 bis 5 reife Tomaten, 1 Zwiebel, 1 Tasse Löwenzahnkapern eingelegt, 10 Löwenzahnblätter, 1 Zehe Knoblauch, Wildkräutersalz, Pfeffer, Balsamico, Olivenöl.

Zubereitung: Tomaten sehr klein schneiden, Kerne und Saft entfernen, Zwiebel und Knoblauch sehr fein schneiden, Kapern zufügen, mit Salz und Pfeffer, Balsamico und Olivenöl würzen. 30 Minuten ziehen lassen. Löwenzahnblätter fein geschnitten zufügen. Baguette in Scheiben schneiden, im Ofen etwa bis 8 Minuten aufbacken und mit einer Knoblauchzehe abreiben. Masse auf die Brotscheiben verteilen.

Sonnentee

Löwenzahnblüten pflücken und auf einem Küchentuch luftig im Schatten trocknen. In einem Glas oder einer Papiertüte aufbewahren. Ein Tee aus diesen Sonnen ist eine Wohltat im Winter und duftet fein nach Honig.

Gefüllte Champignons

Zutaten: 500 Gramm größere, braune Champignons, 70 Gramm Löwenzahnblätter (am besten vor der Blüte sammeln), 3 Knoblauchzehen, 5 bis 6 Esslöffel Olivenöl, Kräutersalz, Pfeffer, Saft einer halben Zitrone, 40 Gramm grob gehobelter Parmesankäse

Zubereitung: Pilze grob abreiben. Stiele entfernen, Löwenzahn kurz waschen, trocken schütteln und grob hacken. Knoblauch abziehen, fein hacken. 2 Esslöffel Öl in einer Pfanne erhitzen. Knoblauch und Löwenzahn hinzufügen, salzen und pfeffern und circa eine Minute schwenken, bis der Löwenzahn zusammenfällt, herausnehmen. Übriges Öl erhitzen, Pilze darin rundum 2 bis 3 Minuten anbraten. Salzen, pfeffern und mit Zitronensaft ablöschen. Pilze weiter ein bis zwei Minuten dünsten.

Mit der Öffnung nach oben auf einer Platte anrichten. Rucola einfüllen, mit Bratfond beträufeln. Vor dem Servieren mit gehobeltem Parmesan bestreuen. Schmeckt lauwarm oder kalt.

Champignons mit Löwenzahn.
Im Blickpunkt:

Sammeltipps

Ideal ist das Sammeln auf unbelasteten Wiesen, Waldlichtungen oder im eigenen Garten. Lässt man im Garten aus dem Rasen eine Wiese werden, sind die unbelasteten Wildpflanzen auf kurzem Weg frisch gepflückt. Artenvielfalt an Wildpflanzen im Garten schafft Nahrungsquellen für unsere Insekten. Nicht von gedüngten Wiesen, Feld- oder Straßenrändern ernten.

Kräuterpädagogin Ulrike Gschwendtner aus Weiden
Info:

Den Kräutern auf der Spur

Cornelia Müller aus Arnoldsreuth (Gemeinde Pullenreuth), Regina Herrmann aus Erbendorf und Ulrike Gschwendtner aus Weiden sind zertifizierte Kräuterführerinnen. Sie kennen sich aus mit Pflanzen, ihrer Geschichte und Rezepten. Für Oberpfalz-Medien geben sie einen Einblick in die heimische Flora und erklären, welche Pflanze welche Wirkungen haben.

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