23.05.2019 - 14:59 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Luchs tot im Steinwald gefunden

Das im Steinwald ausgewilderte Luchs-Männchen ist tot aufgefunden worden. Dies gibt das Landesamt für Umwelt in einer Pressemitteilung bekannt.

Das Luchs-Männchen aus dem Bayerischen Wald hatte sich im Steinwald gut eingelebt.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Das im Steinwald ausgewilderte Luchs-Männchen ist tot. Wie das Landesamt für Umwelt am Donnerstag in einer Pressemitteilung bekanntgab, ist der Luchs, den die Begleiter des Ansiedlungsprojekts "Hotzenplotz" getauft haben, bereits am 17. März leblos gefunden worden. Ein Jäger entdeckte das Tier im Wald. Der im April 2018 freigelassene Luchs war stark abgemagert und wies äußere Verletzungen auf. "Hotzenplotz" trug auch noch das Senderhalsband. Es war allerdings beschädigt und sandte deshalb keine Impulse mehr aus.

Weibchen freigelassen

Im Naturpark läuft seit knapp drei Jahren ein Wiederansiedelungsprojekt der Großkatze. Im August 2016 ist im Steinwald ein gesund gepflegtes Luchsweibchen aus dem Bayerischen Wald freigelassen worden. Das "Fee" getaufte Tier hat sich gut eingelebt und ist dem Revier treu geblieben, wie Fotofallen-Bilder beweisen. Das hatte den Vorsitzenden des Naturparkvereins und Chef der Friedenfelser Güterverwaltung Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg und seine Mitstreiter dazu ermutigt, sich um einen weiteren Luchs, diesmal einen männlichen, zu bemühen. Anfang 2018 nutzte man in enger Abstimmung mit dem LfU die sich bietende Chance und wilderte einen aufgepäppelten Findling, der wieder aus dem Bayerischen Wald stammte, im Steinwald aus. Das Tier wurde mit einem Senderhalsband ausgestattet, mit dem die Wege und das Verhalten des Luchses genau nachgezeichnet und erforscht werden konnten.

Zur Freude der Mitarbeiter im Luchs-Arbeitskreis blieb das Männchen dem Steinwald treu und ging dort auch erfolgreich auf die Jagd. Es keimte die Hoffnung auf, dass sich die beiden Pinselohren paaren und für Nachwuchs sorgen könnten.

Doch dann nahm das Wiederansiedelungsprojekt eine unerwartete Wendung. Womit keiner gerechnet hatte: Mitte Oktober 2018 tauchte ein weiterer männlicher Luchs auf, den die Unterstützer des Projekts aufgrund einer möglichen osteuropäischen Abstammung "Iwan" tauften. Bilder aus dem Fotofallen-Monitorin ließen vermuten, dass dieses Tier "Hotzenplotz" körperlich überlegen sein könnte. Anfang des Jahres riss der Funkkontakt zu "Hotzenplotz" ab. Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg vermutete, dass der Luchs abgewandert sein könnte.

Polizei informiert

Hier geht es zum Bericht über das Auftauchen des dritten Luchses

Friedenfels

Einige Wochen später wurde er dann tot entdeckt. Ein Jäger fand das Tier mitten im Staatswald unter dem wegschmelzenden Schnee im Norden des Steinwalds. "Es war ein reiner Zufallsfund", erläutert Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg. Das Forstamt informierte das Landesamt für Umwelt. Da das Tier äußere Verletzungen aufwies, schaltete die Behörde die Polizei ein. "Es wurde alles richtig gemacht", betont von Gemmingen-Hornberg.

Zur Klärung der Todesursache beauftragte die Polizei eine forensische Untersuchung. Die Nachricht vom Ableben des Tieres hielten die Verantwortlichen bis zum Vorliegen dieser Ergebnisse zurück. Der Befund stellt fest: "Ein Beschuss des Tieres kann ausgeschlossen werden." Die festgestellten Verletzungen stammten offensichtlich von Auseinandersetzungen mit einem anderen Luchs. Das Landesamt vermutet, dass sich die Wege von "Iwan" und "Hotzenplotz" gekreuzt haben und die körperlich überlegene Großkatze den Kampf um das Steinwald-Revier für sich entschieden hat. Die Entwicklung sei natürlich sehr tragisch, aber entspreche dem Lauf der Natur, erklärt von Gemmingen-Hornberg. Der Zeitpunkt des Kampfes lässt den Kreisvorsitzenden des Landesjagdverbandes aber hoffen, dass im Sommer irgendwann auch junge Luchse in eine Fotofalle tappen. Zwischen Februar und April ist nämlich die Paarungszeit der Luchse. Und sowohl "Fee" als auch "Iwan" sind immer noch im Steinwald unterwegs. Zuletzt tappten beide Anfang Mai in aufgestellte Fotofallen.

Woher "Iwan" kommt, ist immer noch ein Rätsel. Mittlerweile ist es jedoch dem LfU gelungen, genetische Spuren des Pinselohrs von einem erlegten Reh und Urin des Luchses zu sichern, von dem sich der "Baron" weitere Aufschlüsse über die Abstammung erhofft.

Der Steinwald bietet laut LfU mit seinen großen, wildreichen Wäldern und der überwiegend extensiv genutzten Kulturlandschaft einen guten Lebensraum für Luchse. Und was ebenfalls wichtig ist: Es gibt hier engagierte, einflussreiche Leute, die sich für die Wiederansiedelung von Luchsen engagieren. Die Freilassungen der beiden gesundgepflegten Tiere erfolgten mit tatkräftiger Unterstützung der Güterverwaltung Friedenfels, der Jäger in der nördlichen Oberpfalz und im südlichen Oberfranken sowie in enger Abstimmung mit den Behörden und den Bayerischen Staatsforsten.

Mehr über das Projekt lesen Sie hier:

Friedenfels

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