01.01.2021 - 13:28 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Im Steinwald auf Tour: Der mobile Tante-Emma-Laden

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Mit dem Projekt "Mobiler Dorfladen" sollen die regionalen Kreisläufe eine Stärkung erfahren und die Lebensqualität in den kleinen Ortschaften gefördert werden. Eine Zwischenbilanz.

Seit knapp zweieinhalb Jahren gibt es mittlerweile den mobilen Dorfladen. Von links: Verkäuferin Gisela Gmeiner, Vorsitzender der Steinwald-Allianz Johannes Reger, Fahrer Karl-Heinz Meier sowie Geschäftsführer Martin Schmid.
von Christa VoglProfil

Es ist kurz vor drei Uhr, als im Dorf plötzlich lautes Hupen ertönt, das rasch näher kommt: Ein weißer Lieferwagen taucht in der Kurve auf, fährt vorbei an der kleinen Kapelle, vorbei am früheren Wirtshaus und stoppt - immer noch laut hupend - in der Ortsmitte, zwischen Brunnen und Feuerwehrhaus: Heute ist Montag, heute kommt nach Guttenberg der mobile Dorfladen. Der Fahrer steigt aus und klappt die Trittstufen herunter, die Verkäuferin verlässt ebenfalls das Führerhaus und nimmt schnell ihren Platz hinter der schmalen Ladentheke ein, zwischen Kasse und den frischen Backwaren. Jetzt kann es losgehen, eigentlich fehlt nur noch das Schild „Geöffnet“.

Staatliche Unterstützung

Und wie auf Kommando erscheinen auch schon die ersten Kunden. Fast zeitgleich mit ihnen treffen Johannes Reger und Martin Schmid ein, die beiden Leiter der Steinwald-Allianz: Reger ist Vorsitzender und Schmid Geschäftsführer des Kommunalen Zweckverbands, der das Projekt „Mobiler Dorfladen“ mit finanzieller Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung ins Leben gerufen hat. Zeit für eine kurze Zwischenbilanz.

Seit knapp zweieinhalb Jahren gibt es mittlerweile den mobilen Dorfladen, begonnen hat er mit 28 Haltestationen, derzeit sind es 42, manche davon werden sogar zweimal pro Woche angefahren. Mit einer Verkaufsfläche von 16 m² fährt er von Montag bis Freitag unermüdlich und nach einem festen Zeitplan die Dörfer ab und bietet dabei Produkte an, wie sie früher im Tante-Emma-Laden zu finden waren. Das ist die eine Seite. Die andere: In jeder Stadt der 17 Mitgliedsgemeinden der Steinwald-Allianz gibt es - oft sogar dicht an dicht - Supermärkte und Discounter und damit ein sehr umfangreiches Angebot an Einkaufsmöglichkeiten.

Produkte aus der Region

Warum sollten also Menschen überhaupt das Angebot eines mobilen Dorfladens annehmen? Johannes Reger ist diese Fragestellung nicht neu. „Manche unserer Kunden können nicht mehr mit dem Auto fahren. Andere wollen ihren Angehörigen eine zusätzliche Einkaufsfahrt ersparen und nehmen deshalb unser Angebot an“, erklärt er und nimmt damit Bezug auf die zunehmende Alterung der Bevölkerung auf dem Land. Sein Kollege Martin Schmid nickt zustimmend und fügt hinzu: „Viele Kunden schätzen es auch, dass hier zahlreiche Produkte aus der Region angeboten werden. Immerhin machen wir über 60 % des Umsatzes mit regionalen Artikeln.“ Und ein weiterer Pluspunkt käme hinzu, nämlich der soziale Aspekt: der Dorfladen als gesellschaftlicher Treffpunkt, als Gelegenheit, vor oder nach dem Einkauf „einen kleinen Ratsch“ zu halten.

Die Produktpalette des mobilen Dorfladens ist vielfältig. Von Backwaren über Bio-Rindfleisch bis hin zu Zahnpasta: insgesamt sind es mehr als 500 Artikel, die im begehbaren Verkaufsraum zu finden sind. Dabei war es nicht von Anfang an klar, wie der Warenkatalog ausschauen wird. „Wir wussten nicht genau, welche Richtung wir einschlagen sollen. Bieten wir hochwertige Bioprodukte aus der Region an oder eher preisgünstige Supermarktartikel?“, erklärt Schmid das anfängliche Dilemma. Heute ist es im Prinzip fast so wie zu Beginn: „Es ist für jeden etwas dabei: Sowohl regionale Produkte als auch Supermarktartikel. Wir führen ein buntsortiertes Warenlager“, sagt Reger und veranschaulicht diese Entscheidung am Beispiel des Produkts Mehl: Hier habe der Kunde die Auswahl zwischen Pizzamehl aus der Schustermühle und Dinkelmehl aus der Senkendorfer Mühle, also zwei regionalen Betrieben. Doch auch das „ganz normale“ Supermarktmehl sei im Regal zu finden. Und diese Auswahl, so erklären Reger und Schmid übereinstimmend, käme bei den Kunden sehr gut an.

Vorbestellung möglich

So vielfältig die Produktpalette ist, so unterschiedlich sind aber auch die Kunden. Schmid überlegt kurz und beschreibt sie dann als „wirklich bunt gemischt“. Und in Bezug auf die Altersverteilung ergänzt Reger: „Naja, vielleicht im Schnitt 1/3 jüngere und 2/3 ältere Leute.“ Der Einkauf selbst laufe aber immer nach dem gleichen Schema ab: Entweder die Kunden kommen in den Dorfladen und suchen sich dort ihre Artikel selbst zusammen. Oder sie schreiben ein Mail beziehungsweise rufen im Büro der Steinwald-Allianz an, geben ihre Bestellung durch und finden dann im Verkaufsraum des mobilen Dorfladens bereits eine für sie fertig gepackte Tüte vor.

Coronabedingt werden inzwischen aber auch Haustürlieferungen angeboten. Wie das funktioniert? „Bestellt wird telefonisch oder per Mail, geliefert wird, wenn der Mobile Dorfladen seine planmäßige Haltezeit im Dorf hat. Dann stellt der Fahrer die Tüte mit den bestellten Waren und der dazugehörigen Rechnung am vereinbarten Platz ab. Zum Beispiel an der Haustür, auf der Terrasse, in der Garage. Bezahlt wird dann einfach per Überweisung“, erklärt Martin Schmid die Vorgehensweise.

Die Kunden haben aber auch Einfluss auf das Warensortiment. Biokaffee? Beifuß? Butter aus der Region? Lotto? Tierfutter? Der gelbe Sack? Eine zusätzliche Haltestelle? Jeder Vorschlag wird im Team diskutiert und nach Möglichkeit umgesetzt. Es gibt aber Grenzen: „Wir würden schon gern noch mehr anbieten, aber wir haben halt nur die 16 m² Verkaufsfläche“, erklärt Schmid.

Dass das Projekt „Mobiler Dorfladen“ kein einfaches Projekt werden würde, war von Anfang an klar. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dafür auf jeden Fall Bedarf besteht“, erklärt Johannes Reger, „das Angebot wird von den Leuten gerne angenommen. Aber natürlich wünschen wir uns noch eine Umsatzsteigerung.“ Schmid bestätigt diese Aussage und fügt hinzu: „Zusätzlich konnten wir mit dem Projekt auch zeigen, dass regionale Produkte eine gute Chance auf dem Markt haben und sich durchaus behaupten können.“ Die Menschen würden dadurch bewusster einkaufen und bewusster essen. Und auch das sei ein Ziel des Projekts. „Wir sind auf einem guten Weg“, erklären beide übereinstimmend.

Dann wirft Johannes Reger einen prüfenden Blick über die Straße zum mobilen Dorfladen, den gerade der letzte Kunde verlassen hat. Reger kramt einen Zettel aus der Jackentasche, es ist ein Lottoschein. „Mein Gewinn“, sagt er und lacht dabei. „Den muss ich heute unbedingt noch einlösen.“ Zwar kein Sechser, sondern nur sechs Euro, aber immerhin. Ein paar Minuten später verlässt der Erbendorfer Bürgermeister den mobilen Dorfladen wieder, in der Hand eine Packung Dinkelnudeln. Natürlich aus der Region.

Christina Murr kauft fast jede Woche im mobilen Dorfladen ein. Auch für ihre Oma, die mit der Familie im gleichen Haus wohnt.
. Vorbestellungen sind unter info[at]steinwald-dorfladen[dot]de, unter 09682/18221925 oder der 0173/5779330 möglich. Für Personen, denen der Weg zum Lkw zu beschwerlich ist, wird auch eine Haustürlieferung angeboten.
Von Backwaren über Bio-Rindfleisch bis hin zu Zahnpasta: insgesamt sind es mehr als 500 Artikel, die im begehbaren Verkaufsraum zu finden sind.
Wird die Bestellung vorab telefonisch oder per Mail aufgegeben, dann wartet ein fertig gepackter Karton mit den entsprechenden Artikeln auf den Kunden. In Zeiten von Corona ist sogar eine Lieferung direkt an die Haustür möglich.

Weitere Informationen zum Dorfladen

Erbendorf
Info:

Der mobile Dorfladen - Kontakt

Eine Vorbestellung ist bis zum Vortag des Halts unter info[at]steinwald-dorfladen[dot]de, telefonisch unter 09682/18221925 oder der unter der Nummer im LKW 0173/5779330 möglich. Die Auslieferung erfolgt am LKW an den jeweiligen Haltestellen. Für Personen, denen der Weg zum LKW zu beschwerlich ist, wird auch eine Haustürlieferung angeboten.

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