13.09.2021 - 12:18 Uhr
Etsdorf bei FreudenbergOberpfalz

Vor der Asphaltkapelle erklingen Handpan und Wildgänse im Duett

Die Vögel zwitschern – echt im Wald, und aufgezeichnet aus den Lautsprechern. Dazu streichelt Frank Wendeberg die Seele, wenn er die Handpan spielt. Und am Ende lässt er beim Asphaltkapellen-Konzert sogar das Meer rauschen.

Frank Wendeberg, hier an der Handpan, webt beim Asphaltkapelle-Konzert einen magischen Klangteppich aus dem Spiel auf seinen Instrumenten und Natur-Aufnahmen aus den deutschen Nationalparks.
von Heike Unger Kontakt Profil

Ja, es gibt den perfekten Sonntagvormittag. In Etsdorf, auf der kleinen Waldlichtung, wo die Asphaltkapelle steht. Hier gibt es das (wegen Corona) heuer wahrscheinlich einzige Konzert der Reihe "1:12". Diese Faustformel stimmt diesmal nicht ganz – ja, es ist ein Musiker, aber der spielt nicht für zwölf, sondern für rund 30 Zuhörer, vor der Kapelle im Grünen. Multitalent Frank Wendeberg aus Regensburg ist Diplom-Psychologe, Musiker, Komponist und Produzent, musikalisch ausgebildet in Orchester-Schlagwerk, Drumset, Mallets und Percussion.

Heute aber, an diesem Sonntag vor der Asphaltkapelle, ist er vor allem eines: Ein Meister der verzaubernden Klänge, die er mit Natur-Aufnahmen aus den deutschen Nationalparks so zu einem musikalischen Ganzen verwebt, dass sie seinem Publikum vom Ohr direkt ins Herz gehen. Die Zuhörer sitzen auf Stühlen im noch morgenfeuchten Gras, die Sonne scheint ihnen auf die Nasen, eine sanftes Lüftchen weht, während sich vor ihnen ein weicher, welt- und naturmusikalischer Klangteppich ausbreitet. Genussvoll geschlossene Augen in Gesichtern, die entspannt lächeln, zeigen: Hier geschieht gerade Magisches.

Der Sound der Nationalparks

Wendeberg war die vergangenen vier Jahre in Deutschland unterwegs, hat mit seiner Frau ein großes Projekt umgesetzt: "Wir haben in allen deutschen Nationalparks Sounds aufgenommen." Wo andere fotografieren, haben die beiden den Zugang über die Ohren gewählt. Wendeberg zitiert einen "weisen Satz", wonach man "über die Augen in die Welt blickt und über die Ohren die Welt ins Herz holt": Damit fasst er perfekt zusammen, was seine Zuhörer in den folgenden rund 60 Minuten erleben im Wald bei Etsdorf.

Wendeberg und seine Frau haben in den Nationalparks die jeweils typischen Natur-Klänge "eingesammelt": Sie haben Vogelstimmen aufgenommen, Wasserplätschern – aber auch Wildschweine, die durchs Unterholz stöbern. Unterwasser- und Ultraschallmikrophone eröffnen neue Hör-Horizonte. Durch solche Spezial-Aufnahmen bekommen die Zuhörer in Etsdorf sogar Fledermäuse zu hören, deren Rufe das menschliche Ohr eigentlich nicht wahrnehmen kann. Wendeberg hat zu jedem Nationalpark Musik komponiert, tritt dabei mit den Tieren und anderen Geräuschen in Kontakt und spielt dann mit ihnen "im Duett". So sind 16 Stücke entstanden, von denen er in Etsdorf einige präsentiert. Normalerweise hat er bei seinem Solo-Projekt "KlangLichtSpiel" einen Aufbau von 30 Instrumenten um sich, diesmal sind es nur ein paar wenige – Vibraphon, Kalimba, Handpan.

Wenn Fledermäuse singen

Nun hat Etsdorf zwar keinen Nationalpark, doch auch die Atmosphäre auf der Lichtung hier genießen Musiker und Publikum gleichermaßen. Wendeberg spielt Handpan zum Gesang des Drosselrohrsängers aus dem Unteren Odertal, der einen perfekten Shuffle-Rhytmus drauf hat, lässt schnatternde Wildgänse vorbeifliegen, nimmt die Zuhörer mit Nachtaufnahmen aus dem Naturpark Eifel und seinem Spiel auf dem Vibraphon mit in die "Klänge der Nacht". Er macht Fledermäuse zu Duett-Partnern und begleitet die Rohrdommel beim "Schilfgeflüster".

Schade, dass der Zauber nach rund einer Stunde endet. Dabei holt Wendeberg sogar noch das Meeresrauschen der Ostsee in den Etsdorfer Wald, bevor er seine Zuhörer mit seinem Vibraphon beschwingt in diesen zweiten September-Sonntag entlässt.

Die Asphaltkapelle in Etsdorf

Etsdorf bei Freudenberg

 

 

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