20.01.2021 - 13:58 Uhr
FensterbachOberpfalz

Gas-Lkw: Weniger Lärm und Abgase

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Bernd Godelmann setzt auf Vernunft und Information. Die Argumente gegen die Gas-Tankstelle, die der Unternehmer in Högling (Kreis Schwandorf) plant, seien bereits durch Fachleute entkräftet.

Das Unternehmen Godelmann hat bereits eigene Lkw auf Flüssig-Erdgas-Antrieb umgestellt. Noch müssen die 40-Tonner am Nürnberger Hafen tanken.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der Betonsteine-Hersteller Godelmann plant eine Gas-Tankstelle und Mitarbeiter-Parkplätze an der Kreisstraße bei Högling. Dagegen regt sich Widerstand: Drei Initiatoren haben ein Bürgerbegehren auf den Weg gebracht und eingereicht. Im Gespräch mit den Oberpfalz-Medien geht Geschäftsführer Bernd Godelmann auf die Argumente ein.

"Wenn wir noch Platz auf unserem Gelände hätten, wäre die Tankstelle schon längst genehmigt", sagt der Geschäftsführer. Denn schon jetzt hat der Betonsteine-Hersteller zwei Gastankstellen für seine vielen Gabelstapler. Die fahren aber mit LPG (Autogas). Die neue Tankstelle liefert LNG (Flüssig-Erdgas) für Lkw-Motoren. "Von unseren elf Lkw fahren schon fünf mit LNG", sagt Godelmann. Jeder neue 40-Tonner werde mit LNG-Antrieb bestellt. Auch seine Spediteure hat Godelmann gebeten, auf das GAs umzustellen. Grund: Nachhaltigkeit. "Wir wollen weg vom Diesel", sagt Godelmann. Die Gas-Lkw sind leiser, und stoßen obendrein deutlich weniger Kohlendioxid und Feinstaub aus. Rechnen würde sich das erst nach Jahren. Bislang müssen die Lkw nach Nürnberg-Hafen, um zu tanken. "Gottseidank liegt das auf dem Weg zu vielen Kunden", so Godelmann.

Wall nicht gewünscht

Nachhaltig wirtschaften, so Godelmann das sei ein Grundsatz seines Unternehmens, "nicht, weil das Thema gerade sexy ist." Seit 2015 arbeitet das Betonsteinwerk CO2-neutral - ziemlich einmalig in der Branche. Der "Green Brand Award" ist ein Beleg dafür.

Das Unternehmen Godelmann

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Die Argumente der Gegner entkräftet Godelmann: Die Kreuzung zwischen Industrie- und Kreisstraße sowie Tankstelle werde nach den geltenden Richtlinien aufgeweitet, zwei Linksabbiegespuren entstehen. Die zuständigen Behörden hätten das geprüft und gebilligt. Gutachten und Verkehrszählung hätten ergeben, dass so Gefahrenpotenziale minimiert werden. Damit die Mitarbeiter die Kreisstraße sicher queren können, werde eine Unterführung gebaut, wenn es nötig sei. "Die Betonteile dafür haben wir selber", so Godelmann.

Auch auf die andere nördliche Seite der Industriestraße kann Godelmann nicht ausweichen. "Wir haben keinen Zugriff auf die Grundstücke", sagte er. Das überplante Grundstück dagegen gehört Godelmann bereits. Das Sondergebiet werde außerdem nicht das ganze Feld nutzen. Die als Park- und Lagerplatz genehmigte Fläche am Ende der Industriestraße werde als Lagerfläche gebraucht. Die produzierten Steine müssen einige Zeit "ruhen", ehe sie die nötige Festigkeit erreicht haben und verkauft werden können.

Das Anliegen des Bürgerbegehrens

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Ein Schallschutz-Erdwall für die Tankstelle sei geplant gewesen, sei aber nach einem entsprechenden Gutachten nicht notwendig. Ferner wurde er von Einwendern aus dem Dorf abgelehnt. Eine Hecke wird es geben, sie werde die Abstände zu landwirtschaftlichen Flächen einhalten. Das Gelände wird mit einem dafür zugelassenen (Godelmann-)Spezialpflaster belegt, das Schadstoffe aus dem Oberflächenwasser bindet. Regenwasser kann so versickern, für Schmelzwasser werden Retentionsmulden angelegt.

Zwei Säulen nötig

Die Tankanlage brauche zwei Säulen mit vier Spuren, weil die Lkw die Tanks jeweils rechts oder links haben. Der Gastank selbst wird auf dem Gelände stehen. "Da gelten Sicherheitsabstände von 30 Metern zur Wohnbebauung", sagte Godelmann, der nächste Anlieger sei 280 Meter weg. Ausgelegt sei der Tank für 15 Lkw pro Tag. Deshalb sei zu Beginn des Betriebs auch die Abgabe an Fremd-Lkw vorgesehen. Abgerechnet wird über Flottenkarten. Wenn zu wenig LNG getankt wird - etwa in ruhigen Zeiten wie jetzt im Winter - sei eine externe Kühlung durch Stickstoff möglich. "Die Anschlüsse sind an dem Tank vorhanden." Abgelassen werde das Gas nur im absoluten Notfall.

Erkennbar mehr Lkw-Verkehr durch Högling werde es seiner Einschätzung nach nicht geben: Der Weg Richtung Trisching und A6 sei wegen der Steigungen und Kurven für die 40-Tonner unattraktiv. Das habe eine Umfrage unter den Fahrern ergeben. "Die fahren zurück nach Schafhof", also weg vom Dorf.

Diese Fakten seien von ihm und seinen Planern bei der Abwägung der Einwendungen im Gemeinderat schon vorgetragen worden, sagte Godelmann. "Das haben Fachleute geprüft", sagte er. "Wir bauen hier doch keine Horror-Anlage, woanders stehen solche Tankstellen mitten im Wohngebiet". Bernd Godelmann wartet nun die Entscheidung des Gemeinderates ab, dann werde er sich gegebenenfalls mit seinen Argumenten nochmal an die Fensterbacher wenden. Die Verwirklichung der Anlage möchte er so bald wie möglich angehen. Das Geschäft jedenfalls brummt: 2020, so Godelmann, war trotz Corona das erfolgreichste Jahr der Unternehmensgeschichte. Und ein nächster Großauftrag aus Belgien steht schon ins Haus.

Bernd Godelmann deutet auf einen Plan der LNG-Tankstelle, die an der Kreisstraße gegenüber des Werksgeländes entstehen soll.

Debatte im Gemeinderat

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Hintergrund:

Bürgerbegehren

Der Gemeinderat Fensterbach hat den Planungen des Unternehmens Godelmann für die Gas-Tankstelle bereits grünes Licht gegeben. Im April stand das Thema zuerst auf der Tagesordnung.

  • Weil Fragen offenblieben, lud Bürgermeister Christian Ziegler Bernd Godelmann zur Juli-Sitzung. Der Unternehmer schilderte unter anderem, dass seine Firma langfristig auf Gas als Treibstoff für seine Lkw-Flotte setze. Der Gemeinderat billigte das Konzept.
  • Im November gingen die Pläne in die nächste Phase. Eine außerordentliche Sitzung wurde für Anfang Dezember anberaumt. Sie dauerte drei Stunden. Zahlreiche Einwendungen gegen den Plan wurden – größtenteils mit Gegenstimmen – abgewogen.
  • Bis Mitte Januar lagen die Pläne erneut öffentlich aus.
  • Bereits vor Weihnachten sammelten die Vertreter des Bürgerbegehrens rund 500 Unterschriften.
  • Das Begehren wurde am 14. Januar an Bürgermeister Christian Ziegler übergeben. Nun wird es auf rechtliche Zulässigkeit geprüft.
  • In der nächsten Sitzung - voraussichtlich am 10. Februar - wird der Gemeinderat über die Zulässigkeit entscheiden.
  • Ist das Begehren zulässig, findet binnen dreier Monate ein Bürgerentscheid statt. Es sei denn, der Gemeinderat tritt dem Begehren bei und kippt die Pläne - womit angesichts der bisherigen Abstimmungsergebnisse nicht zu rechnen ist.

Unterschriften übergeben

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