25.08.2021 - 12:21 Uhr
FlossenbürgOberpfalz

Hunde dürfen nicht mehr im Gaisweiher schwimmen

Seit etwa einer Woche gilt im kompletten Gaisweiher ein Badeverbot für Hunde. Die Warnschilder sind nicht zu übersehen, aber Hundehalter können die neue Regelung nur schwer nachvollziehen.

Es ist nicht zu übersehen, dass Hunde nicht mehr in den Gaisweiher dürfen. An mehreren Stellen stehen entsprechende Hinweisschilder, wie hier beim ehemaligen Bootsverleih.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Mehrere Hinweisschilder weisen auf das Badeverbot für Hunde im gesamten Gaisweiher hin. Für den Campingplatz und die Freizeitanlage gibt es die Regelung schon länger, nun betrifft es auch das Südufer, die sogenannte Waldseite. Die Flossenbürgerin Rita Träger, die ihre Hündin bisher immer ins Wasser gelassen hat, versteht das überhaupt nicht.

Es geht um Haftungsfragen: Der Kommunalservice Flossenbürg (KSF) kann und will nicht dafür verantwortlich sein, wenn ein Badegast im Gaisweiher wegen eines schwimmenden Hunds in Gefahr gerät oder schlimmstenfalls sogar ertrinkt. Daher hat der KSF bei einem Münchener Sachverständigenbüro ein Gefahrengutachten in Auftrag gegeben, das seit Kurzem vorliegt, informiert Vorsitzender und Bürgermeister Thomas Meiler. In der Expertise steht unter anderem, dass es zu gefährlichen Situationen zwischen Schwimmern und Hunden kommen könnte.

Hundehalter verantwortlich

Die Mitglieder des KSF-Verwaltungsrats "wollen und können nicht persönlich haften", falls etwas passieren sollte. Nach langer Diskussion hat sich das Gremium zu diesem Schritt entschlossen, erklärt Meiler. Die Verantwortung liegt daher nun bei den Hundehaltern. "Wenn jemand jetzt seinen Hund reinlässt, dann macht er das auf eigenes Risiko, auch eine Hundehaftpflichtversicherung zahlt dann nicht", betont der Rathauschef. Das Badeverbot für Hunde gilt das ganze Jahr, auch außerhalb der Badesaison. Sogar Bußgelder stehen im Raum. Aus dem Weiher trinken dürfen die Tiere aber nach wie vor, sagt Meiler.

Einen Extrabereich, wo Hunde ins Wasser gehen dürften, hält der KSF-Vorsitzende für schwer umsetzbar. Dazu müsste ein Areal abgetrennt oder abgegrenzt werden, in dem sich dann aber kein Badegast aufhalten dürfte. Außerdem gibt es laut Meiler rund um Flossenbürg genügend Alternativen. Der Bürgermeister, der selbst einen Hund hat, versteht zwar, dass vielen einheimischen Hundehaltern und solchen von außerhalb die neue Situation nicht gefallen dürfte. "Wir wollen niemand verprellen, aber wir müssen das Badeverbot so knallhart aussprechen, sonst sind wir dran, wenn einmal etwas passiert."

"Fast schon Tierquälerei"

"Auf der Waldseite schwimmen und baden Hunde schon seit Jahrzehnten. Jeder Fuchs und jeder Marder geht da rein, warum soll dann ein Hund das nicht dürfen?", wundert sich Träger. Normalerweise haben verantwortungsbewusste Hundebesitzer ihre Tiere auch beim Schwimmen unter Kontrolle, meint sie. Träger kann sich jedenfalls nicht erinnern, dass schon jemals etwas passiert wäre. Söhnke Runnwerth, Herrchen von zwei Jack-Russell-Terriern, ist ebenfalls empört. "Jeder, der selbst einen Hund hat weiß, wie gut es dem Hund tut, im Sommer ins Wasser zu gehen. Alles andere wäre ja fast schon Tierquälerei", findet der Flossenbürger. Seiner Ansicht nach gibt es "ja auch keine Alternative" zum Gaisweiher. Daher wäre er sogar bereit, ein entsprechendes Areal für die Vierbeiner mit zu betreuen. Außerdem fragt er sich, "ob da wirklich eine Gefahr besteht".

Beispiel Störnsteiner Weiher

Der Bayerische Gemeindetag sieht das ähnlich. "Flossenbürg sollte nachweisen können, weshalb ein Hund in diesem Weiher eine Gefahr darstellen würde und ob es in der Vergangenheit gefährliche Vorfälle gegeben hat, die ein Verbot des Aufenthalts von Hunden im Weiher rechtfertigen", informiert Pressesprecher Wilfried Schober. Dass bisher noch nichts passiert ist, spielt jedoch keine Rolle, sagt Meiler. Entscheidend ist, dass etwas passieren könnte. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die immer schwerer werdende Rechtslage und weiter auf den Störnsteiner Weiher. Der ist seit Mitte Juni 2020 offiziell kein Badeweiher mehr, die Gemeinde wollte ein mögliches Unfallrisiko ebenfalls nicht mehr tragen.

Lesen Sie hier den Bericht über den Beschluss des Störnsteiner Gemeinderats in Sachen Badeweiher

Störnstein

Damals war die Satzung aus dem Jahr 1982 aufgehoben worden, erklärt Bürgermeister Markus Ludwig. Im Störnsteiner Weiher durften bisher allerdings auch keine Hunde ins Wasser. Wegen des freien Betretungsrechts lässt die Kommune vom Sachverständigenbüro Otmar H. J. Hillenbrand aus München derzeit ein Sicherheitskonzept für eine künftige Badestelle erstellen. Ob es eine neue Satzung gibt und ob Hunde dann eventuell auch schwimmen dürfen, steht noch nicht fest. Ludwig räumt aber auch ein: "Es besteht die Gefahr, dass wir uns zu Tode regulieren."

Bereich für Hunde möglich

Hillenbrand hat übrigens auch das Gutachten für den Gaisweiher erstellt. "Dass bisher noch nie etwas passiert ist, zieht bei Sicherheitsfragen nie", betont er. Grundsätzlich rät er bei Badeseen daher dazu, "Mensch und Tier auseinanderzuhalten". Da der Gaisweiher frei zugänglich ist, liegt es im Ermessen des Betreibers, wie weit das Badeverbot für Hunde reicht: ob für den gesamten Weiher oder nur für einen Teil. Sprich: Der KSF könnte jederzeit einen Bereich des Gewässers für die Tiere zugänglich machen. "Da gibt es keine Vorschrift, die Entscheidung ist eine rein politische", meint Hillenbrand.

Für einen Hundestrand besteht also womöglich noch Hoffnung. "Der Verwaltungsrat wird sich zu dem Thema Gedanken machen", sagt auch KSF-Vorständin Margit Frauenreuther. Das Gremium macht momentan Sommerpause, weitere Regelungen oder Maßnahmen sollen erst zu Beginn der Badesaison 2022 umgesetzt werden. Frauenreuther weiß auch, dass es "gut erzogene und weniger gut erzogene Hunde" gibt. Wichtig ist ihr jedoch nach wie vor, das Unfall- und Verletzungsrisiko zu minimieren.

Für den Eslarner Atzmannsee gibt es ebenfalls ein Konzept

Eslarn
Hintergrund:

Badeweiher: Hunde müssen meistens draußen bleiben

  • Stadtbad Weiden: Hunde dürfen an der Leine ins Bad, ins Wasser nur außerhalb der Schwimmzone
  • Naturfreibad Vohenstrauß: Hunde nicht erlaubt
  • Badeweiher Waldthurn: Badeverbot für Hunde
  • Atzmannsee Eslarn: Hunde dürfen nicht ins Wasser
  • Tröbeser Weiher bei Moosbach: Hunde dürfen auf die Liegewiese, aber nicht ins Wasser
  • Bursweiher Tännesberg: Badeverbot für Hunde
  • Freizeitsee Dießfurt: hier dürfen Hunde ins Wasser
  • Natur- und Erlebnisbad Rußweiher Eschenbach: Hunde nicht erlaubt
  • Kiesibeach Pressath: Badeverbot für Hunde
Kommentar:

Badestrand für Hunde schaffen

Ein Badeverbot für Hunde im kompletten Gaisweiher gab es 2010 schon einmal, allerdings nur kurz. Es ging nicht von der Kommune aus, sondern vom damaligen privaten Betreiber und hatte keine rechtliche Wirkung. Heute sieht die Sache anders aus: Mittlerweile ist der Kommunalservice Flossenbürg (KSF) für Campingplatz und Freizeitanlage zuständig, der Badebetrieb brummt. Im Bereich der Liegewiese, der Spielelandschaft und für Camper gilt schon länger, dass Hunde nicht in den Weiher dürfen. Das ist völlig in Ordnung. Denn dort, wo Erwachsene und vor allem Kinder sich im Wasser tummeln, muss nicht unbedingt auch noch ein Hund hinein. Das wird jeder vernünftige Halter verstehen.

Nicht ganz nachvollziehbar ist allerdings, was nun für das gesamte Gewässer gilt: Hunde müssen draußen bleiben. Auch am Südufer, an der sogenannten Waldseite, wo Herrchen oder Frauchen ihre Tiere schon seit Jahrzehnten in den Weiher lassen. Ohne, dass bisher etwas passiert wäre. Entlang dieses frei zugänglichen Bereichs wäre es mit Sicherheit möglich, einen Badestrand für Hunde zu schaffen. Das lässt sogar Otmar H. J. Hillenbrand aus München durchklingen. Er hat für den KSF aus Haftungsgründen ein Gefahrengutachten erstellt, weil Schwimmer bei der Begegnung mit einem Hund ja zu Schaden kommen könnten.

Aber wäre statt Verbotsschildern nicht eher gegenseitige Rücksichtnahme gefragt? Ob Hunde im gesamten Gaisweiher oder nur in einem Teil davon nicht geduldet sind, ist "eine politische Entscheidung", sagt Hillenbrand. Das Weidener Stadtbad macht es vor, dort dürfen die Tiere nur außerhalb der Schwimmzone ins Wasser. Der KSF-Verwaltungsrat kann und sollte seinen Beschluss also noch einmal überdenken – nicht nur im Sinne der einheimischen Hundehalter, sondern auch im Interesse des Tourismus. Denn Camper, die ihren Hund zwar mitbringen, aber im Sommer im Gaisweiher keine Abkühlung gönnen dürfen, werden es sich vielleicht überlegen, wiederzukommen.

Von Thorsten Schreiber

"Es besteht die Gefahr, dass wir uns zu Tode regulieren."

Störnsteins Bürgermeister Markus Ludwig

 

 

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