19.07.2018 - 10:22 Uhr
Oberpfalz

Glücksgefühle am Arktischen Ozean

16 Tage war Wolfgang Stöckl auf seinem Carbon-Bike unterwegs - weit über 3000 Kilometer von Rothenstadt bis ans Nordkap in der norwegische Provinz Finnmark. Vergangenen Samstag hat der Rothenstädter diese anspruchsvolle Tour vollendet - als erster einarmiger Sportler.

Welt, lass Dich umarmen – voller Vorfreude ging Wolfgang Stöckl am 14. Juli die letzten Kilometer seiner Rad-Tour ans Nordkap an.
von Autor LSTProfil

(lst) Im Schnitt 200 Kilometer pro Tag absolviert, insgesamt in nur 16 Tagen 3424 Kilometer und 22 655 Höhenmeter bewältigt und dabei 155:33 Stunden im Sattel gesessen - die Zahlen sind unglaublich. Sie spiegeln aber bei weitem nicht das wider, was Wolfgang Stöckl, passionierter Biker, Extremsportler und ehemaliger Paralympics-Teilnehmer, seit dem 29. Juni auf seiner beeindruckenden Rad-Tour ans Nordkap erlebt hat.

Lebenstraum erfüllt

"Die Norweger sagten mir, dass dies ein Weltrekord ist, der nur schwer zu brechen sein wird", berichtet der 51-Jährige glücklich und dankbar. Was ihm aber viel wichtiger ist: "Ich habe mir einen Lebenstraum erfüllt und dabei viele tolle und ungemein gastfreundliche Menschen kennengelernt. Nur das zählt."

Den 14. Juli 2018 wird der Rothenstädter sicherlich nie vergessen. Es war der Tag, an dem er als erster einarmiger Radfahrer auf 71⁰ 10' 21'' Grad nördlicher Breite den 308 Meter hohen Schieferfelsen der Insel Magerøya, auf dessen Plateau eine metallene Kugel das Nordkap kennzeichnet, erreicht hat. Um exakt 20.16 Uhr fuhr er mit seinem speziell aufgerüsteten Ghost Violent Road Rage-Rad am Parkplatz vorbei zum Visitor Center - das Ziel seiner etwas über zweiwöchigen Tour war erreicht.

"Das letzte Stück von 30 Kilometer war wie im Film. Ich war völlig im Flow. Als ich am Nordkap angekommen bin, habe ich das zunächst nicht wirklich realisiert.

Erst jetzt, ein paar Tage später, wird mir klar, was ich geleistet habe", blickt der 51-Jährige zurecht stolz zurück. "Es war unglaublich, am Nordkap waren so viele Leute da, die mir applaudiert haben. Das war Gänsehaut-Feeling pur", so Stöckl weiter.

Einer der vielen Gratulanten war auch Per, Feuerwehrchef von Honningsvåg, der ihn dort empfangen und ihm weiße und rote Rosen schenkte. "Er und ich, wir waren voneinander so begeistert, dass er die 30 Kilometer mit dem Auto fuhr. Ich schenkte ihm eines meiner beiden Radtrikots und signierte es. Es bekommt einen besonderen Platz in der Feuerwehr-Wache", erzählt Stöckl.

Die letzte Etappe war indes die schwierigste und schönste zugleich. Für die 229 Kilometer und fast 3000 Höhenmeter brauchte er 11,49 Stunden, dabei hatte er - wie auf den Großteil seiner Tour - teilweise mit starkem Gegenwind zu kämpfen. "Aber der konnte mich nicht mehr ausbremsen, weil das Ziel greifbar nahe war", betont der Rothenstädter.

"Fast perfekte Reise"

Und wie so oft, traf er auf seiner Tour auch in der Endphase auf viele Menschen, die ihm helfend zur Seite standen. So wie in einem Wanderheim in Honningsvåg die Wirtsleute Ella und Ben, die ihm vor seinem letzten Reisetag ein durchaus luxuriöses Zimmer zur Verfügung stellten.

Das Besondere dabei: Ben informierte dann Feuerwehr-Chef Per, der Stöckl auf seinen letzten Kilometern begleitete, ihn am Nordkap empfing und nach einem 40-minütigen Aufenthalt dort mit dem Pick-up zurücknahm.

"Kurz nachdem ich eingestiegen bin, fing es an zu regnen. Eigentlich unglaublich: Die ganzen 16 Tage war es hochsommerlich warm - und kaum sitze ich im Auto, schon ging es los", berichtet Stöckl. Der kann sein Glück noch immer nicht richtig fassen.

"Es war eine fast perfekte Reise." Bis auf den erwähnten Gegenwind, der ihm zu schaffen machte, und einer einzigen Reifenpanne in Stockholm war nämlich alles ohne größere Probleme verlaufen. "Die fast 3500 Kilometer wären vielleicht auch in 14 Tagen möglich gewesen. Aber mein Rücken bereitete mir ab und an Schmerzen, so dass ich auf Nummer sicher gehen und gesund das Ziel erreichen wollte", sagt der 51-Jährige.

Unterm Strich aber auch egal, denn das, was Stöckl in den 16 Tagen geleistet hat, ist aller Ehren wert. Nicht zu vergessen sind die vielfältige Unterstützung der Schweden, Finnen und Norweger sowie natürlich die wunderschöne Natur. "Die Straßen kommen einem unendlich vor, was das Radfahren nicht immer einfach macht. Aber Lieder meines Chores 'Hope and Joy' und vor allem der Song 'An Tagen wie diesen' von den 'Toten Hosen' halfen mir, abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen."

19 Stunden im Zug

Mit einem gehörigen Glücksgefühl im Gepäck befand sich der Rothenstädter am Mittwoch im norwegischen Narvik, wo es mit dem Zug 19 Stunden lang nach Stockholm ging. Von dort aus fliegt Stöckl am Sonntag um 14 Uhr nach München, wo er gegen 16 Uhr ankommt. Und hier wird er schon sehnsüchtig erwartet: "Ich freue ich auf meine Familie und Freunde, die mich in den letzten Wochen und Monaten so tatkräftig unterstützt haben."

Toller Empfang am Nordkap: Der örtliche Feuerwehr-Chef Per, den Wolfgang Stöckl tags zuvor kennengelernt hatte, erwartete den Rothenstädter am Ziel. Bilder: privat

Darauf ein Bierchen: Nach der erfolgreichen Nordkap-Tour genehmigte sich Wolfgang Stöckl einen kräftigen Schluck.

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